TWIKE Klub

Auf krummen Touren

Bericht: Peter Zeller, TWIKE News 15 (August 1996)

Am 20. Juli und 10. August 1996 wagten sich TWIKE-Fahrerinnen und -Fahrer buchstäblich auf's Glatteis. Wir waren zu Gast in der Antischleuderschule (ASSR) in Regensdorf bei Zürich. Eingefädelt hatten es die TWIKE-Fans Beda und Oli, zwei Biologiestudenten der Uni Zürich.

Leicht war es nicht. Anfragen bei verschiedenen Testpisten stiessen zunächst auf Unverständnis. "Was, ihr wollt mit einem Dreirad kommen? Das geht doch nicht, das kippt doch um!" – Geklappt hat es schliesslich bei ASSR. Georges Hedinger, Kursleiter seit 20 Jahren, war nach einer kurzen Demo auf der Testpiste überzeugt. Wir durften kommen.

ASSR

Über 20 TWIKE-Fahrerinnen und -Fahrer nahmen an 2 Samstagen die Herausforderung zur Weiterbildung an. Gestartet wurde mit der Theorie. 'Blicktechnik' heisst das Zauberwort. "Du fährst dahin, wo du hinblickst." Georges spricht aus Erfahrung. "Also nicht auf das Hindernis schauen, sondern dorthin, wo man hinfahren will. Dann die Bremse nicht vergessen: loslassen macht das Fahrzeug wieder lenkbar."

Georges Hedinger   Georges Hedinger, Kursleiter ASSR

Also ab auf die Piste: Es gilt einem Hindernis auszuweichen. Die TWIKE reihen sich in der Kurve auf. Per Funk lässt es der Kursleiter über der Kunststoffbahn regnen, bis sie glitschig ist wie ein Seifenboden. Schaumklötze bilden das Hindernis.

Regen...

Es geht los. Das erste TWIKE beschleunigt aus dem Stand, erreicht mit 35 km/h den heiklen Bereich. – "Weg!", ertönt das Kommando. Bremse treten. Sofort blockieren die Räder, das TWIKE rutscht einige Meter. Auf die Gegenfahrbahn blicken. Bremse loslassen. In Richtung der Strasse blicken. Und schon ist das Hindernis vorbei.

Das Hindernis umfahren

Was so einfach tönt, will geübt sein. Wer sich etwas zu schnell vorwagt, zu spät reagiert, irgendwo hinschaut, den dreht es erbarmungslos im Kreis. – "Gerät die Situation ausser Kontrolle, gilt es voll zu bremsen. Mit blockierten Rädern macht das Fahrzeug beim Wechsel auf den Hartbelag keine überraschenden Bewegungen." – Wieder und wieder fahren die TWIKE über die Piste und reihen sich zum nächsten Durchgang ein.

Nach der Übung eine Pause, wo sich Fahrerinnen und Fahrzeuge im Schatten erfrischen. Unter dem grossen Sonnenschirm neben dem Grill stehen Getränke bereit. Um Verwechslungen vorzubeugen, schreiben einige ihre Plastikbecher an: "For TWIKE 003 only!" – Vom Zahnarzt über den Chemiker über die Malerin bis zum Berufschauffeur sind alle vertreten.

Pause

Ein weiterer Theorieteil folgt: Überwachungsvideos aus Autobahntunnels zeigen Kollisionen. Die Bilder machen klar, wie schnell man selber in eine solche Situation geraten kann. – "98% der Unfälle beruhen auf menschlichem Versagen, d.h. nicht den Verhältnissen angepasste Geschwindigkeit und zu kurze Abstände zum vorausfahrenden Fahrzeug."

In voller Fahrt

Die zweite Übung: Bremsen bis zum Stillstand. – "Die Stotterbremse ist veraltet. Heute versuchen wir es mit der Haftreibungsbremse. Das heisst, möglichst nahe beim Blockieren bremsen." – Auf der Piste tasten wir uns in zahlreichen Versuchen an die Grenze heran. Zur Überraschung stellt sich der Kursleiter plötzlich auf die Piste. Reicht's noch zum Anhalten? – Erstaunlich, wieviel einige km/h mehr oder weniger ausmachen!

Die dritte Übung: Ausweichen auf die Gegenfahrbahn und wieder zurück auf die eigene Spur. Weil wir es so gut machen, gibt's eine zusätzliche Herausforderung: anhalten bis zum Pistenende. Schon etwas schwieriger...

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben etwas gelernt, das sie nicht nur im TWIKE, sondern auch mit anderen Fahrzeugen gut brauchen können. Als Bonus gibt's einen offiziellen Kursausweis und den ASSR-Kleber für die Heckscheibe.

 

Reibungskoeffizienten bei unterschiedlichen Strassenverhältnissen

  Beton, Alphalt 0.8 - 0.9  
  Nasse Strasse 0.6 - 0.7  
  Regen 0.4 - 0.5  
  Schnee, Splitt, Laub 0.2 - 0.3  
  Glatteis 0.1  

 

update: 8.1996 / 3.2.1998

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