TWIKE Klub

TWIKE unterwegs:

700 km für die Elektromobil-Ausstellung in Mendrisio

Martin Bolliger, Projekt TWIKE Bern, 14.10.97

Die TWIKE AG war mit zwei Firmenfahrzeugen an der EXPOVEL '97 in Mendrisio vertreten. Die beiden reisten von Gelterkinden bzw. Bern aus eigener Kraft an und fuhren nach der Messe auch wieder selbständig zurück. Dafür verbrauchten sie weniger als ein Zehntel der Energie, die für den Huckepack auf einem Transporter benötigt worden wären. Ein Kunde aus dem nahen Italien besuchte an 2 Tagen ebenfalls die Veranstaltung. Dafür nahm er gerne die 100 km pro Tag für An- und Rückfahrt auf sich.

Das TWIKE 006 verlässt Gelterkinden am Mittwoch, 8.10.97. Die Route führt über Brünig, Grimsel und Nufenenpass, dann durch die Centovalli nach Biasca, weiter über Bellinzona und Lugano nach Mendrisio. Einen Tag später bricht das TWIKE 007 mittags in Bern auf. Zwischenladungen vor dem Lötschberg und im Wallis (700 m.ü.M.) bringen es nach Leukerbad (1400 m.ü.M.) für die erste Übernachtung. Für den zweiten Tag wird ebenfalls die Route über den Nufenenpass (2400 m.ü.M.) gewählt. Das Fahrzeug trifft am Freitagabend pünktlich zum Eröffnungsaperitiv im sonnigen Mendrisio ein. In den nächsten zwei Tagen leistet es 100 km für Probefahrten mit Ausstellungsbesucherinnen. Es reist noch am Sonntagabend nach Ausstellungsende zusammen mit den TWIKE 006 und TWIKE 123 weiter nach Laveno am Lago Maggiore, von wo aus sich das Kundenfahrzeug 123 wieder in seinen heimischen Unterstand begibt.

Am Montag beginnen die zwei Schweizer TWIKE den Tag um 10 Uhr mit der Überfahrt durch den Lago Maggiore bei Sonnenschein und unter tiefblauem Himmel. Sie nehmen Kurs auf den Simplon-Pass, der auf 2000 m.ü.M. die Wasser- und Wetterscheide zwischen Norden und Süden markiert. Mit zwei Batterieladungen überwinden die Fahrzeuge die 1700 Höhenmeter und etwa 60 km Distanz zum grössten Teil auf der Schnellstrasse. Die Temperatur sinkt markant, und auf der Passhöhe liegt etwas Schnee. Am späten Nachmittag treffen die zwei im Wallis ein, laden die Batterie ein weiteres Mal und machen sich eine Stunde später auf zum Autoverlad in Goppenstein. Dieselbe Batterieladung reicht auch noch aus für die Distanz von Kandersteg bis zur Park- und Charge-Anlage in Thun. Der Verkehr ist dicht und die zwei TWIKE fallen mit ihrer Reisegeschwindigkeit von 70 km/h kaum als Fremdkörper auf. Nach einem Nachtessen im empfehlenswerten "Back und Brau"-Bahnhofbuffet von Thun geht es bei Regen und Dunkelheit nach Bern, wo das TWIKE 007 am Ziel ist. Das zweite TWIKE ist am Dienstag noch die 97 km bis ins heimische Gelterkinden unterwegs, was weitere 3 Stunden Fahrt bedeutet.

Der Kilometerzähler zeigt am Ende der Reise 700 an, die Summe der Steigungen ergibt ca. 4800 Höhenmeter. Die Reisegeschwindigkeit ausserorts lag zwischen 65 und 75 km/h. Um die Energie für diese Fahrleistung bereitstellen zu können, mussten pro Fahrzeug 100 Ah zu ca. 400 Volt, also rund 40 kWh geladen werden. Der Verbrauch lag damit bei 5.8 kWh/100 km.

Hätten wir die zwei TWIKE stattdessen auf einen Transporter mit Turbodiesel-Aggregat verladen, der mit 14 Liter auf 100 km auskommt, und wären die direkteste Route ohne Steigungen durch den Gotthard gefahren (600 km hin und zurück), hätten 84 Liter Treibstoff für die gleiche Transportleistung gereicht. Das entspricht über 800 kWh, und damit können zwei TWIKE 14 Mal (jährlich bis 2009) über die Passrouten quer durch die Schweiz flitzen.

 

Anmerkung der Redaktion: Die Fahrt genossen haben Maya Schnyder im TWIKE 006 und Martin Bolliger im TWIKE 007. In Mendrisio begegneten sie Ulrich Spieker im TWIKE 123, der in der Nähe des Lago di Como wohnt und in einem Forschungszentrum der EU arbeitet.

 

Aktualisiert: 25. Oktober 1997 / mb

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