TWIKE Klub

 
 EV World Dez. 98
 
Quelle / Autor
EV WORLD, Dezember 1998, http://evworld.com/, "In My Opinion: EV Survival In Question?"

Der amerikanische Elektroingenieur Bill Dubé ist ein Experte für Elektromobile und entwickelte elektrische Dragster-Rennfahrzeuge. Er arbeitet am National Institute of Standards and Technology in Boulder, Colorado, USA. E-Mail: bdube@boulder.nist.gov (Englisch)
 
Bill Dubé schreibt einem Besitzer eines Honda EV Plus Elektromobils. Dieser hatte über mögliche Strategien der Automobilhersteller nachgedacht und war zur Überzeugung gelangt, dass sie den Markterfolg von Elektrofahrzeugen nicht wollen, weil die Händler damit weniger mit Reparaturarbeiten verdienen.
 

 
 
Die Chancen der Elektromobile im Automobilmarkt

von Bill Dubé

Als ehemaliger Mitarbeiter einer Volkswagen-Vertretung bin ich überzeugt, dass die Händler den grossen Teil ihres Geldes am Verkauf verdienen und nicht an der Reparatur der Fahrzeuge. Auch wenn die Reparaturabteilung kostendeckend arbeitet, ist sie nicht der Goldesel, so wie der Verkauf von neuen und gebrauchten Wagen.

Autohersteller sind daran interessiert, Geld zu verdienen. - Sie wollen eigentlich Jahr für Jahr dieselben Wagen verkaufen. Aber der Wettbewerb treibt sie an, dass sie jedes Jahr "bessere" Autos herstellen, um den eigenen Marktanteil zu halten. Falls die Leute Elektromobile wollen, werden die Autohersteller Elektromobile verkaufen.

Einige Autohersteller testen jetzt den Markt für Elektrofahrzeuge. Zum Beispiel schaut Toyota speziell auf den Markt der elektrischen und alternativen Antriebe. Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und merken, dass der Automarkt längerfristig dahin tendiert. Es ist nur eine Frage der Zeit. Sie sind so weitsichtig, dass sie das realisieren. Für jeden Prius, der den Verkaufsraum verlässt, legen sie 10'000 Dollars drauf. Sie nehmen das in Kauf, um Erfahrungen zu sammeln und Kunden im Segment der alternativen Fahrzeuge zu finden. In Japan gibt es keine gesetzlichen Vorschriften für einen Minimalanteil von Elektrofahrzeugen, so wie in einigen Staaten der USA. Die japanischen Hersteller werden nicht darauf gestossen. Sie machen es trotzdem, weil es ökonomisch sinnvoll ist, die längerfristige Marktentwicklung im Auge zu behalten.


Der Prius, das Hybridfahrzeug von Toyota

Neue Technologien wie Brennstoffzellen, Hybridantriebe und Schwungräder muss man ausprobieren, um zu sehen, ob sie funktionieren. Wenn man es nicht ausprobiert, weiss man nicht, ob es geht oder nicht. Elektromobile sind ein Zweig dieses Prozesses von Forschung und Entwicklung. Sie funktionieren bereits einigermassen gut. Wenn man noch etwas damit herumprobiert, werden sie immer besser. So läuft der Hase in der Industrie.

Würde man sich bei den Forschungsinvestitionen immer nur auf die "richtigen" Gebiete beschränken, gäbe es keine Elektromobile. Man verliesse sich auf die klassischen Technologien, wie zum Beispiel Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Es ist daher nicht schlecht, wenn man Geld auch in andere Bereiche steckt. Man zeigt, dass man dem Neuen gegenüber aufgeschlossen ist.

Dabei sollte man die Probleme eines nach dem anderen angehen. In den Wissenschaften beginnt man mit einem Experiment, dessen Resultat man schon "kennt". Wenn das Experiment richtig herauskommt (was selten der Fall ist), geht man weiter und untersucht etwas, das schwieriger und schon weniger klar ist. Der erste, wichtige Schritt wird von Anfängern oft weggelassen. Sie denken: "Nun, wir haben das zwar noch nicht gemacht, aber es scheint ein Kinderspiel zu sein. Wir machen lieber einen rechten Sprung und ersparen uns das langweilige Zeug." - Es ist wichtig, dass die Sache bereits auf einem Niveau läuft, das einem vertraut ist, bevor man sich auf die schwierigen Probleme stürzt. Man merkt mit der Zeit, dass man nicht alles so gut versteht, wie man zuerst gedacht hat, und dass es schlau ist, bedächtig anzufangen.

Die grossen Hersteller suchen sich die Märkte sorgfältig aus, bevor sie sich mit neuen Produkten aufs Glatteis wagen. Wenn die Sache rund läuft, erschliessen sie auch schwierigere Gebiete und Märkte.

Chuck Yeager, der Pionier des Überschallfluges, bezwang die Schallmauer nicht gleich bei seinem ersten Flug mit der Bell X-1. Er gewöhnte sich zuerst an das Flugzeug bei langsamen Geschwindigkeiten. Hätte er beim ersten Flug voll Schub gegeben, hätte die Maschine ausser Kontrolle geraten können. Er wäre tot und man hätte nichts gewonnen. Er begann die X-1 so zu fliegen, dass er annahm, es würde gut gehen. Dabei erkannte er einige kleine Schwierigkeiten (bei diesen Geschwindigkeiten), liess sie beheben und flog dann ein wenig schneller. Bei jedem Schritt gab es neue Probleme, um die man sich kümmerte, bevor man die Geschwindigkeit wieder erhöhte. Das Ergebnis war, dass er die Schallmauer erfolgreich durchbrochen hat.


General "Chuck" Yeager an der Schallgrenze (1947)

So funktioniert erfolgreiche Forschung und Entwicklung. Man springt nicht rein und gibt Vollgas. Der Tod (oder Bankrott) ist keine Lernerfahrung. Der Weg führt nur über einzelne Schritte, von denen jeder auf eine bestimmte Weise erfolgversprechend ist.

 

Aktualisiert: 5. Januar 1999
© EV WORLD 1998, Digital Revolution; deutsche Fassung von TWIKE AG

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