TWIKE Klub

 
 AUSTRO SOLAR 1999
 
Mit der Bahn ostwärts
Unsere Basis
Die ersten Prüfungen
Kulturelles
Die übrigen Prüfungen
Im Fernsehen
Pokale
Heimreise

Teilnehmer mit TWIKE:

Paul
Paul Beeler, TW 117
 
Christian
Christian Friemel, TW 164
 
Heinz
Heinz Mundwyler, TW 056
 
Maschpi
Markus Speich, TW 058
 
Peter S.
Peter Strittmatter, TW 099
 
Peter Z.
Peter Zeller, TW 003

Bericht von der Austro Solar 97
 

 
 
Nachdem 1998 keine Austro Solar stattfand, war man auf die 99er-Auflage des Anlasses gespannt. 43 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pilgerten am 18.-22. Juni an die internationale Sternfahrt für Solar- und E-Mobile nach Österreich in die Steiermark, darunter sechs TWIKE-Fahrer aus der Schweiz.

Ein Bericht von Peter Zeller

 

Mit der Bahn ostwärts

Der Ausgangspunkt liegt bei Heinz Mundwyler (TWIKE 056) in Wetzikon. Dort treffen sich am Donnerstag, 17. Juni die TWIKE-Piloten Markus Speich (Maschpi, TW 058) aus Glattbrugg, Peter Strittmatter (TW 099) aus Rifferswil am Albis, Paul Beeler (TW 117) aus dem luzernischen Hochdorf, und Christian Friemel - er hat sich das TW 164 von Armin Burkhardt aus Gattikon ausgeliehen. Die Route nach Feldkirch, wo auf den Autozug nach Graz verladen wird, führt in Richtung Wildhaus. Vor Alt-St.-Johann werden die Batterien auf einem Campingplatz bestromt, nachdem die Spinnen aus den Steckdosen verjagt worden sind. Christians Akku ist etwas warm, weshalb es länger dauert als geplant. Schliesslich erreicht man nach einem kurvenreichen Umweg über den Grabser Berg - die Strasse nach Gams ist durch Felsblöcke verschüttet - am Abend Feldkirch, wo die Fahrzeuge nochmals beim Elektrizitätswerk geladen werden. Mein TWIKE 003 steht schon da, während ich mit dem Zug von Zürich unterwegs bin.


Maschpi und Heinz (rechts)

Edi Stolz vom Elektromobil-Club der Schweiz ECS kümmert sich auch diesmal mit seiner europatauglichen Ausrüstung um die Stromversorgung. Der Fluss der Elektronen klappt perfekt. Er fährt einen elektrischen Peugeot 106, zusammen mit seiner Partnerin Anita. Die Gruppe der Eidgenossen wird vervollständigt durch den grünen Mini von Heinrich Holinger aus Liestal, den beiden Solec der Familien Baumann aus dem Berner Oberland und durch den blauen Brusa-Ligier von Helmut Schefers aus Gams. Die leichten Fahrzeuge werden auf dem Autoreisezug festgezurrt, damit sie nicht davongeblasen werden.


Das TWIKE 003 wird auf dem Autozug festgebunden

"Das Bett ist viel zu kurz", klagt Peter Strittmatter, der im obersten Abteil liegt. "Das Fenster lassen wir auf", meint der Hochdorfer Paul Beeler und streckt seine Füsse in den warmen Fahrtwind hinaus. Während die einen liegen, rutscht Heinrich Holinger auf einem Sitz hin und her, da keine Couchettes mehr erhältlich sind. In den Abteilen der Familie Baumann sind Hans und Käthi, die Söhne Adrian und Urs mit seiner Frau Cornelia und den beiden kleinen Enkeln untergebracht.

Am Freitagmorgen wird es früh hell, als der Schlafwagen-Betreuer die Brötchen und den Kaffee herbeischafft. Heinz Mundwyler: "Ich brauche etwas länger zum Aufwachen. Nach mindestens zwei Kaffee gehts dann langsam. Die Brötchen kann jemand anders haben." Das lasse ich mir nicht zweimal sagen.

   
 

Unsere Basis

Am Bahnhof in Graz kaufen wir uns ein Pickerl, das auf Österreichs Autobahnen Vorschrift ist. "Ich klebs nicht auf, das kriegst du nachher nicht weg", meint Peter Strittmatter und klemmt den blauen Kleber unter den Scheibenrahmen. Wir fahren sogleich los und erreichen über die langweilige und aussichtsarme Autostrasse A9 den rund 8 km langen Gleinalm-Tunnel, der uns ins Tal von Knittelfeld führt. An einer Mautstation wird uns eine Tunnelgebühr abkassiert. In St. Michael an der Mur ist Ladehalt, Zeit für einen Kaffee. Zum Restaurant habe ich eine Abkürzung entdeckt, bin aber trotzdem später angekommen.

Wir sind in der steirischen Kleinstadt Knittelfeld stationiert. Der Ort mit 14'000 Einwohnern liegt rund 100 km Fahrstrecke nordwestlich von Graz, ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, wurde umkämpft im Zweiten Weltkrieg und nach der fast vollständigen Zerstörung im Bombenhagel erst kürzlich wieder fertig aufgebaut. Dem Turm der Stadtpfarrkirche sieht man es kaum an, dass er erst voriges Jahr die letzte Kriegslücke im Stadtbild geschlossen hat.


Auf dem Parkplatz in Knittelfeld

Auf einem Kiesfeld beim Bahnhof steht ein riesiges rot-weisses Zirkuszelt. Das österreichische Fernsehen ORF hat es für die Live-Sendung vom Samstag installieren lassen. Daneben sind unsere Parkplätze abgesteckt, das Zelt mit den Steckdosen und Stromzählern und die Kabine der Organisatoren. Das bewährte Team des ÖAMTC (Österreichischer Automobil-, Motorrad- und Touring-Club) und des VEÖ (Verband der Elektrizitätswerke Österreichs) sind wieder im Rennen. Unter der Leitung von Hannes Kerschl haben die Helfer alles perfekt organisiert. "Wir machen alles, sogar Anlässe der Formel-1" erklärt zackig der Chef der technischen Disziplinen. Ich glaubs ihm aufs Wort und nehme von hübschen Helferinnen die Unterlagen entgegen, darunter ein farbiges Roadbook für die Etappenfahrt vom Nachmittag.


Der Rennleiter auf einem Mini-Elektromotorrad

 

Die ersten Prüfungen

Zum Laden der Batterien bleibt uns nicht viel Zeit. Wir beziehen das Hotel im Nachbardorf Zeltweg. Ich treffe Willibald Freiler, der in der Nähe von Wien wohnt und sich vor ein paar Tagen ein TWIKE gekauft hat. "Ich habe die Zulassung noch nicht und bin deshalb zu Fuss hier", sagt er. Ich offeriere ihm meinen Beifahrersitz. "Das ist ja prima!" - Schon um drei Uhr starten wir von Knittelfeld über Kobenz nach Seckau.


Zwischenhalt in Kobenz

Unterwegs werden wir von einem Lieferwagen des ORF-Fernsehteams mit der Kamera verfolgt. Vor einem imposanten, gelben Gebäude wird ein Zwischenhalt eingeschaltet. "Was ist das für ein riesen Haus?" frage ich. Während die einen Fahrer mit den Schaulustigen reden, werfe ich einen Blick in die Einfahrt und gelange in einen grosszügigen Innenhof mit Arkaden auf drei Seiten. Vor mir erhebt sich die Fassade einer alten Kirche: die Benediktiner-Abtei Seckau. "Wir werden nicht sogleich abfahren", sage ich mir und trete ins Halbdunkel der Klosterkirche. Bogen aus Stein, Licht dringt durch die kleinen Fenster, die Ruhe wird durch die hallenden Schritte kaum aufgeweckt. Ein schöner Ort.


Prof. Karl Reinprecht auf dem Vanderwaldi vor dem Kloster Seckau

Ein Mönch ist auf den Vorplatz gekommen und stellt sich neben das exotische, elektrische Dreirad von Professor Karl Reinprecht und seinem Schüler Jörg Nahold aus Graz. Der Fototermin dauert den Organisatoren etwas zu lange, weshalb sie zum Aufbruch drängen. - Durch Wälder, entlang Wiesen und Bächen fahren wir das Tal hoch zum Start der Sonderprüfungen. Dreimal müssen wir eine zwei Kilometer lange Rundstrecke abfahren. Das erste Mal wird nur die Zeit gemessen, das zweite Mal müssen wir möglichst dieselbe Fahrzeit erreichen, die wir beim ersten Lauf hatten, und das dritte Mal gehts um die Schnelligkeit. Willibald muss am Start warten, da er keinen Sturzhelm mitgebracht hat. Der ist hier Vorschrift.

Ich bin ganz stolz, die ersten beiden Runden auf 2,29 Sekunden genau gleich schnell geschafft zu haben. Die Überraschung kommt sofort: nur Platz 5 in der TWIKE-Wertung! Alle TWIKE waren auf der je rund 4 Minuten dauernden Fahrt innerhalb 2,5 Sekunden genau gleich schnell. Peter Strittmatter hat es sogar auf 0.2 Sekunden geschafft. Wie macht er das? - Der absolute Rekord aller Fahrzeuge stammt von Adrian Baumann mit einer Zeitdifferenz von 4 Hundertstelssekunden zwischen den beiden Läufen!


Adrian Baumann im Solec

Bei der Bergprüfung wird voll Schub gegeben. Christian Friemel bearbeitet die Strecke mit 2:10,78 und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 55 km/h. "Das fährt in die Beine", meint er und reibt sich nachher die Muskeln. Ich brauche nur 20 Sekunden länger und lande damit bereits auf dem letzten Platz aller TWIKE. Keine Chance.

Wir fahren wieder los in den nächsten Ort. Weil diesmal keine Zeitvorgaben existieren, dürfen wir uns im VW-Käfer-Museum Gaal verweilen (www.kaefer.gaal.at). Überall stehen die runden Karossen herum, angefangen von Ferdinand Porsches ersten Versionen, über den Amphibienwagen des Weltkriegs bis zum Herbie aus Disneys Studio und den New Beetle aus aktueller Produktion. Ob geteilte Heckscheibe, Schiffsschraube, mechanische Richtungsanzeiger, breite Kotflügel, amerikanische Stossstangen, die obligate Blumenvase und das Cabrio: alle Details des in Millionen gebauten automobilen Krabbeltiers werden mit Liebe präsentiert.

Auf dem Rückweg nach Knittelfeld haben wir noch die Beschleunigungsprüfung zu bestehen. Aus dem Stand gehts über 300 Meter ins Ziel. Ich beschleunige und trete wie verrückt. Aber wo ist das Ziel? Wohl schon vorbei. - Alle TWIKE schaffen es in einer Zeit zwischen 22 und 24 Sekunden. Das kommt davon, wenn alle Fahrzeuge gleich ausgerüstet und gleich schwer sind. Hier macht es was aus, wenn einer kräftig in die Pedalen steigt! Christian landet auf den ersten Platz.

Die Zwischenrangliste der TWIKE-Wertung (weniger Punkte ist besser):

Fahrer Gleichmässigkeitsprüfung Bergprüfung Beschleunigungsprüfung
1. Lauf 2. Lauf Differenz Punkte Zeit km/h Punkte Zeit km/h Punkte
Christian Friemel  TW 164 04:10,08 04:10,97 00:00,89 3 02:10,78 55,056 1 00:22,08 48,913 1
Peter Strittmatter TW 099 04:03,04 04:03,24 00:00,20 1 02:12,11 54,501 2 00:22,87 47,223 3
Markus Speich TW 058 04:47,61 04:46,82 00:00,79 2 02:24,23 49,919 5 00:23,89 45,207 6
Paul Beeler TW 117 03:50,74 03:51,84 00:01,10 4 02:16,85 52,613 3 00:22,98 46,997 4
Heinz Mundwyler  TW 056 03:49,95 03:52,40 00:02,45 6 02:18,08 52,142 4 00:22,81 47,348 2
Peter Zeller TW 003 04:04,18 04:02,03 00:02,15 5 02:29,29 48,230 6 00:23,25 46,452 5

Der Rekord bei der Bergprüfung beträgt 01:20,13 (Durchschnitt 89,848 km/h), erfahren von Rudolf Czernoch auf seinem Elektro-Motorrad. Er räumt auch bei der Beschleunigungsprüfung mit 00:16,29 (Durchschnitt 66,298 km/h) ab. Unter den E-Autos dominiert Helmut Schefers mit seinem Ligier Optimax. Sein mit Brusa-Elektronik ausgerüstetes Fahrzeug erreicht eine Zeit von 01:35,39 den Berg hoch (Durchschnitt 75,481 km/h) und 00:17,47 bei der Beschleunigungsprüfung (Durchschnitt 61,820 km/h). Erstaunlich ist, dass Frank Schwamb mit seinem Elektro-Liegerad bei der Beschleunigungsprüfung mit 00:20,57 (Durchschnitt 52,504 km/h) besser ist als das schnellste TWIKE! Wie macht er das bloss?


Frank Schwamb auf seinem E-Liegerad

Wir kehren zu unserem Standplatz in Knittelfeld zurück und überlegen, ob wir für den Slalom vom Samstag Energie laden sollen. Die meisten entscheiden sich, keinen Strom zu beziehen, da es noch für den Slalom reichen sollte. Die Schlankheitskur kommt der Energiewertung zugut, die am Samstagmittag abgelesen wird. Heinz Mundwyler ist der Einzige, der einsteckt und somit gleich auf Platz 6 landet.

 

Kulturelles

Nächster Fixpunkt ist die grosse Lokomotivhalle auf der anderen Seite der Geleise. Der frisch gewählte Bürgermeister Siegfried Schafarik bringt das Selbstbewusstsein von Knittelfeld zum Ausdruck, als er die steirische Landesausstellung 99 zum Thema "Verkehr" vorstellt (www.la99.at). "Die Einwohner unserer Stadt stammen aus allen Landesgegenden, viele arbeiten bei der Bahn." - Wir werden kreuz und quer durch die Halle geführt, vorbei an alten Fahrrädern, Autos, Flugzeugen, Lokomotiven und Schiffen, gewagten künstlerischen Skulpturen, einem Klingonen-Schwert und einem Beton-Porsche (13,7 Tonnen). Mensch und Maschine begegnen sich in Raum, Zeit und Geschwindigkeit. - Das grosse Buffett lockt. Wir schwatzen bis in die Nacht hinein.

Am Samstagmorgen ist im Kulturhaus Knittelfeld ein Workshop über "Alternative Antriebssysteme im Strassenverkehr" angekündigt. "Das interessiert mich nicht", hatte Edi am Abend schon gesagt und ist deshalb auch nicht da. Ingenieure von Volkswagen und Ford berichten über Entwicklungen im Antriebsbereich. Die grossen Autofirmen scheinen ziemlich ratlos, was die langfristigen Perspektiven angeht. "In 50 Jahren werden wir Probleme mit der Versorgung mit fossilen Brennstoffen haben". Vielleicht schon früher, warten wirs ab. Man werkelt an Hybridantrieben herum und bastelt mit Brennstoffzellen mit Proton Exchange Membranen, sogenannten PEM-Folien. Die Anforderungen an ein zukünftiges Fahrzeug sind etwa dieselben wie heute, nur dass sie etwas sparsamer sein sollen, vielleicht 5 Liter Benzin auf 100 km. Alle wollen Innovation, jeder beginnt zu forschen, aber keiner will der Erste sein.


David und Goliath: TWIKE und Grosslastwagen

Die Elektrowirtschaft vertritt die Anwenderseite. In Österreich wurden bei den E-Werken mit 58 Elektroautos rund 1 Mio. Kilometer Erfahrungen gesammelt. "Der Trend bei den neueren Fahrzeugen geht zu Nickel-Cadmium-Batterien", berichtet der Referent. Die bewähren sich im Einsatz. Insgesamt rollen rund 600 Elektromobile auf Österreichs Strassen. Da muss man ja Glück haben, bis man eins entdeckt, denke ich.

Welche Auswirkungen ein verbreiteter Einsatz von Elektrofahrzeugen auf die Stromversorgung hat, war das Thema des letzten Referates. Es wurde davon ausgegangen, dass man pro Tag rund 20 Kilometer fährt, etwa 20 kWh auf 100 Kilometer verbraucht (das ist rund 3 mal mehr als beim TWIKE), und die dazu nötigen 5 kWh in etwa 2 Stunden laden kann, was etwa der Anschlussleistung eines Bügeleisens entspricht. Der Referent rechnet vor, dass die Versorgung auch dann noch möglich ist, wenn jeder vierte Autofahrer in Österreich ein Elektromobil fährt.

In der Halle unten ist schon wieder ein grosses Buffett mit allerlei Köstlichkeiten aufgebaut. Wir können uns mit den Augen kaum daran erfreuen, weil der Workshop etwas länger dauerte als geplant. Da müssen wir schneller essen als gewünscht, denn die Organisatoren sind pünktlich.

 

Die übrigen Prüfungen

In der Nähe ist der erste Lauf des Slaloms ausgesteckt. Ein paar hundert Meter hin und her zwischen Kunststoffkegeln, ohne zu berühren, denn sonst gibts Strafpunkte. Ich versuche, auf dem Kehrplatz mit einer Vollbremsung eine Kavaliersdrehung zu machen, bleibe aber auf halbem Weg stehen. Rückwärtsgang rein, Vorwärtsgang rein, wertvolle Sekunden verrinnen. Ich brauche eine Minute und werde letzter. Maschpi ist 12 Sekunden schneller und gewinnt.


Christian auf der Slalomstrecke

Die Motorräder können sich elegant in die Kurven schwingen und sind fast doppelt so schnell wie ich, während der breite Elektro-Lamborghini langsam durch jedes Tor schleicht. Die Zuschauer - angefeuert durch den Speaker - sind trotzdem begeistert. Man kennt uns aus dem Fernsehen.

Ich nehme die Resultate des zweiten Laufs vom Sonntagmorgen vorweg: Maschpi gewinnt auch diesmal, und kann sich damit um zwei Ränge auf den dritten Gesamtrang in der TWIKE-Wertung vorarbeiten. Die definitive Rangliste:

Fahrer Energiewertung Slalom 1. Lauf Slalom 2. Lauf Total
kWh Punkte Zeit Strafzeit Punkte Zeit Strafzeit Punkte Punkte Rang Preisgeld
Christian Friemel  TW 164 0.00 1 00:52,40 00:00 3 00:44,69 00:00 2 11 1 25'000 S.
Peter Strittmatter TW 099 0.00 1 00:56,92 00:00 4 00:45,81 00:00 4 15 2 15'000 S.
Markus Speich TW 058 0.00 1 00:48,68 00:00 1 00:42,83 00:00 1 16 3 10'000 S.
Paul Beeler TW 117 0.00 1 00:51,71 00:00 2 00:44,89 00:00 3 17 4 5'000 S.
Heinz Mundwyler  TW 056 0.60 6 00:54,49 00:05 5 00:46,03 00:00 5 28 5 3'000 S.
Peter Zeller TW 003 0.00 1 01:00,08 00:00 6 00:52,34 00:00 6 29 6 2'000 S.

Ich bin zwar letzter geworden, aber das liegt daran, dass die anderen eben besser sind. Na ja, vielleicht klappts beim nächsten Mal. - Überrascht bin ich von der Höhe der Preisgelder, da ich das Reglement in dieser Beziehung nicht so genau studiert habe. Christian gewinnt - als jüngster TWIKE-Fahrer und das erste Mal dabei - gleich rund 3'000 Franken. Peter Strittmatter - der Sieger vor zwei Jahren - erreicht den zweiten und Maschpi trotz seines eher schweren Fahrzeugs den dritten Rang. Paul Beeler landet auf dem vierten und Heinz Mundwyler auf dem fünften Platz. Herzliche Gratulation an alle Teilnehmer! - Wer jetzt denkt, er oder sie hätte auch kommen wollen, um sich ein Preisgeld abzuschneiden: Gut üben, an die nächste Austro Solar kommen, das Reglement studieren und Glück haben.

 

Im Fernsehen

Nun, nach dem ersten Slalomlauf am Samstag kommen die Fahrzeuge wieder an die Boxen. Die edlen Damen des ÖAMTC verteilen Abendkarten für das Zirkuszelt. Dort gastieren keine Raubtiere, nein, sondern Harry Prünster und Adriana Zartl vom ORF, welche die Sendung "Oh, du mein Österreich" direkt aus Knittelfeld auf den heimischen Bildschirm zaubern. "Soll ich etwa da reingehen und mir etwas ansehen, was ich zu Hause am Fernseher gleich wegzappen würde?" beantwortet Edi meine Frage, ob er auch kommen wolle, um ein Stück Österreich-Kultur zu erleben.


TWIKE-Piloten in weissen Windjacken (v.l.n.r.):
Maschpi, Peter Strittmatter, Christian Friemel und Paul Beeler

Bodenständige Musikanten, regionale Originale, Al Bano aus Italien, Schüler aus Knittelfeld und die halbe Stadt als Zuschauer füllen das Zelt. Der einzige Elefant ist ein Kran mit Kamera, der seinen Rüssel durchs halbe Zelt ausstreckt. Oben im Trapez verstecken sich statt Artisten zwei Beleuchter zwischen den Scheinwerfern. Als Clown-Duo erscheinen mir die zwei Männer mit der gefederten Steady-Cam, welche Showmaster und Musiker hautnah verfolgen und den Fernsehzuschauern das leichte Gefühl vermitteln, da schwebe eine Fee mit Kamera im Zelt herum.

Ab und zu habe ich das Gefühl, nicht alles verstanden zu haben. In Österreich gibts ganz urchige Dialekte, welche meine schweizerischen Ohren zu Fragezeichen machen. "Wie bitte, was hat der jetzt gesagt?" Die Musik beantwortet sich selbst, das Publikum tobt, am lautesten natürlich die Schüler, die schon vor dem Zelt die TWIKE-Fahrer für Probefahrten angegangen waren.

Als die Klappe fällt, beschliessen wir, nach Zeltweg zum Dorffest zu fahren. Mit drei TWIKE kurven wir hin, den Baustellen ausweichend und parken auf einem einzigen Parkfeld. Es ist ein wenig grösser als hierzulande, so dass sogar noch ein viertes TWIKE vorne quer Platz gefunden hätte. Von weitem hört man schon die Musik. Im Schlosspark sind Bänke und eine Tanzbühne aufgebaut. Viele Leute tanzen und die Lautsprecher blasen einem die Ohren nach hinten. Die Hitparade rauf und runter, Pommes rein und Sprüche raus. "Das gefällt uns", finden Paul und Christian. Auch Peter Strittmatter erobert die Tanzfläche, während ich mir in akustisch erträglicher Distanz einen Almdudler genehmige.

 

Pokale

Am Sonntagmorgen, nach einem Besuch der Kapuzinerkirche, gehe ich zum zweiten Slalomlauf am selben Ort, von dem ich ja schon berichtete. Der Grund, warum ich diesmal die längste Fahrzeit habe, ist mein Beifahrer, ein Kameramann vom TV-Kanal Steiermark 1. Da kann ich natürlich nicht so stark in die Kurven gehen, sonst wird es ihm und den Fernsehzuschauern übel. Wir machen anschliessend noch einige Fahraufnahmen von hinten und vorn, damit sie im Studio etwas zum Zusammenschneiden haben.

Viele Leute wollen probefahren, bis die Batterien leer sind. Während dem Warten auf das Mittagessen - es dauert eine ganze Weile - geht die Preisverleihung über die Bühne. Die Sieger der einzelnen Kategorien sind:
Fahrzeuge bis 1'000 kg: Helmut Schefers auf Ligier Optimax
Fahrzeuge über 1'000 kg: Günther Musil auf Peugeot 106
TWIKE-Wertung: Christian Friemel, natürlich auf einem TWIKE
E-Fahrräder bis 50 kg: Johann Oberndorfer auf einem Kasbauer-Rad
E-Zweiräder von 50-100 kg: Karl Schmidel auf einem Sator-Kasbauer
E-Zweiräder über 100 kg: Rudolf Czernoch auf einer Caviga Mito


Die Sieger in der TWIKE-Wertung: Maschpi (3.), Christian Friemel (1.) und Peter Strittmatter (2.)

Als die zahlreichen Pokale verteilt sind, gehts schon ans Abschiednehmen, da die meisten eine weite Heimreise vor sich haben. Ein grosser Dank an die Organisatoren, besonders an Hannes Kerschl und seine Helferinnen und Helfer, an die Sponsoren ÖAMTC, VEÖ und die Steirischen Kraftwerke STEWEAG.

 

Heimreise

"Wir wollen nicht wieder durch den doofen Tunnel", motzen einige. Edi Stolz entgegnet, beim Gaberl-Pass hätte es vorne und hinten keinen Strom und schliesslich gehe es über tausend Meter rauf. "Ich habe keine Lust, die Leute abzuschleppen", fügt er hinzu. Heinrich Holinger kümmert das nicht, sein Mini hat sowieso genug Reichweite. Hans und Adrian Baumann überlegen sich, dass sie ihre beiden Solec ein Stück mit dem Begleitwagen den Berg hochziehen könnten. Und Peter Strittmatter und Markus Speich kalkulieren, dass es eigentlich gehen müsste. "Das TWIKE braucht eine halbe Ampèrestunde auf 100 Höhenmeter". Schliesslich haben sie sich vor dem Rennen noch mit neuen Sanyo-Batterien eingedeckt, so dass es problemlos zu schaffen sei. Bei mir wird es wohl knapp werden, denke ich. Aber die tolle Aussicht auf die bewaldeten Berge der Stubalpe lockt doch so sehr, dass ich meine Bedenken in den Wind schlage.

Edi lässt sich erweichen, montiert aber aus Vorsicht ein Abschleppseil an meinem Fahrzeug, da ich nicht gerade hinschaue. Wir werden sehen. - Wir fahren los, zuerst auf der Ebene, nachher verliere ich die anderen aus den Augen und fahre ein Dorf zu weit. Mit Umwegen werde ich nicht besser auf dem Pass ankommen, ärgere ich mich und studiere die Karte. Rechtsumkehrt und schon treffe ich die anderen wieder. Nun beginnt die Steigung, streckenweise gehts über 12% hinauf. Die Ausblicke auf die Alpwiesen und die Nachbartäler sind fantastisch und ich schätze das gemütliche Tempo. Die entgegenkommenden Autofahrer sperren die Augen auf und winken, als wir in unseren weissen Mäusen den Berg hochklettern.


Aufstieg zum Gaberl-Pass

Mich schmerzt der Sonnenbrand auf der Nase. Der Schutzfaktor 20 nützt nichts, solange die Crème in der Tube bleibt. Und nachher ists eben zu spät. - Ich schaffe es gerade noch, die Passhöhe zu erreichen. Na ja, es hätte vielleicht noch für ein paar Kilometer mehr gereicht. Die Rechnung von Peter Strittmatter stimmt genau; er hat es mit seinem Höhenmesser nachkontrolliert.

Oben auf dem Pass gibts ein Hotel, wo die übrigen Fahrzeuge bereits warten. Der Wirt fädelt Kabel aus den Fenstern und ist begeistert. Der Standort wird sofort ins Verzeichnis der Stromtankstellen aufgenommen. Im Wintergarten wachsen eine Menge Kakteen. "Darf ich einen Blattkaktus abbrechen?" fragt Käthi Baumann den Wirt. "Die wachsen nur, wenn sie gestohlen werden", scherzt er. Heinz Mundwyler bestellt gleich noch zwei Apfelstrudel dazu, zum Einpacken und mitnehmen. "Ich esse mein Eis lieber gleich auf", sage ich.

Auf der anderen Seite gehts steil runter. Es ist eine kurvenreiche Fahrt bis nach Graz, wo wir am Abend eintreffen. Peter Strittmatter: "Ich habe oben nicht geladen und möchte sehen, ob ich noch über 100 Kilometer komme". Und er saust los auf eine Zusatzrunde durch die Stadt. Schliesslich werden es 102 Kilometer. - Im geräumigen Bahnhof-Restaurant setzen wir uns zusammen, essen etwas und diskutieren. Hans Baumann erklärt, wie er seine Blei-Gel-Batterien regeneriert. "Ich kann sie fünf mal regenerieren, so dass sie 2'000 Zyklen halten. Die Sulfatierung mache ich mit meiner Methode weitgehend rückgängig."

Die Bahnarbeiter kommen auf den Platz so dass wir wieder verladen können. Im Zug öffnet Christian zwei Flaschen Champagner, um mit allen auf die gewonnenen Preise anzustossen. Jeder Teilnehmer hat schliesslich etwas bekommen.

Wir fahren durch den Arlberg und erreichen am Morgen Feldkirch. Es regnet in Strömen. Die einen fahren über Wildhaus zurück, die andern nehmen die Strecke entlang dem Walensee. Die Wolken verziehen sich und kehren erst wieder, als ich in Zürich einfahre. Es kommt mir vor, ich sei eine Woche fort gewesen.


Bahnübergang bei Schänis SG

 

Aktualisiert: 22./29. Juni 1999

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