TWIKE Klub

 
 Die TWIKE-Reise durch die Schweiz
    
 
Erste Tour "InnerSwitzerland"

mb - Fast 500 km haben wir in entspannter Atmosphäre und unter strahlendem Herbsthimmel auf der dreitägigen Tour vom 8. bis zum 10. Oktober 1999 zurückgelegt. Von den Bilderbuchlandschaften des Berner Oberlands und um den Vierwaldstättersee zu den hochalpinen und teils schneebedeckten Strassen zwischen Muotathal, Pragelpass und Glarus bis hin zu den Hügeln Obstindiens haben sich die acht bis neun Fahrzeuge harmonisch durch die Schweiz geschlängelt.

Die Gruppe, welche aus erfahrenen TwikerInnen wie auch aus NeufahrerInnen bestand, hat es genossen, das Land aus einem neuen Blickwinkel und in einem anderen Rhythmus zu entdecken. Die Bedienung des Fahrzeugs wurde von den NeufahrerInnen als durchaus positiv bewertet. Die Wahl der Route, welche Hanspeter Müller getroffen hat, war sowohl touristisch wie verkehrstechnisch ausgeklügelt: Stück für Stück wurden die TwikerInnen über die "Route 66" der Schweiz geführt. Geschichtsträchtige Ziele wie die Glasi in Hergiswil, die Übernachtung in der Kartause Ittingen oder der Markt in Laufenburg waren zusätzliche Rosinen auf der allemal schon faszinierenden Reise.

Mit den gesammelten Daten, Bildern, Videos und Informationen arbeiten wir daran, die TWIKE-Tour "InnerSwitzerland" kommerziell anzubieten.

Hanspeter Müller
Der pensonierte Posthalter Hanspeter Müller aus Bern-Liebefeld (TW 526) ist der Organisator der Tour

 

Bericht über die TWIKE-Reise vom 8. bis 10. Oktober 1999

von Hanspeter Müller

Nach der Challenge 98 ans Nordkap hat François Loeb (TW 128) die Idee entwickelt, TWIKE-Reisen als Tourismus-Attraktion anzubieten. Wir haben diese Idee weiter verfolgt und eine dreitägige Reise organisiert, um unbekannte landschaftliche und kulturelle Seiten der Schweiz per TWIKE kennen zu lernen. Nach intensiven Vorbereitungen wurde die als Pressefahrt geplante Reise in eine Testfahrt mit ausgesuchten und kritischen Gästen umgewandelt. Diese Art des Reisens war für die Beteiligten neu und sie stellte für die Organisatoren eine echte Herausforderung dar.

Wir wollten damit zu folgenden Themen neue Erkenntnisse sammeln:

Fahren mit dem TWIKE in der Gruppe
Wie erleben NeufahrerInnen eine Reise mit dem TWIKE?
Sind Reisen mit dem TWIKE attraktiv genug, um kommerziell angeboten zu werden?
Stimmt die Ladeinfrastruktur?
Verfeinerung der organisatorischen Vorkehrungen

 

Die Vorbereitung

So massen wir dem Rekognoszieren eine grosse Bedeutung bei und planten möglichst genau. Wir wollten ein besonderes Reisegefühl vermitteln, das sich von anderen Angeboten unterscheidet.

Damit die Reise zu einem Erlebnis wurde, musste die Route abwechslungsreich sein. Wir wollten den 16-20 TeilnehmerInnen Gegenden der Schweiz zeigen, die abseits der grossen Touristenströme liegen und landschaftlich reizvoll sind. Wir suchten Strecken aus, die wenig befahren werden, doch war es nicht zu vermeiden, auch Hauptstrassen zu benutzen. Die Reise über eine Distanz von 450 Kilometern berührte elf Kantone, führte über drei Pässe und machte Halt an elf Ladestationen.

Christine Müller
Die reiselustige Christine Müller

 

Erster Tag, Freitag, 8. Oktober 1999: Bern – Beckenried

Strecke: Bern – Muri – Münsigen – Thun – Gunten – Beatenbucht – Unterseen – Interlaken – Niederried – Brienz – Kienholz – Hofstetten – Brünig (1004 m) – Lungern OW – linkes Ufer Lungernsee (Sonderbewilligung der Kantonspolizei Nidwalden) – Kaiserstuhl – Giswil – Wilen (linkes Ufer Sarnersee) – Sarnen – Hergiswil (oder – Kerns – Stans) – Beckenried NW
(kursiv: Ladestationen)

Nun ist es also soweit! Neugierig und ein wenig angespannt (Habe ich alles dabei? Wo sind die Lunchpakete? Wen muss ich noch anrufen? und vieles andere mehr) mache ich mich mit Christine auf den Weg nach der Mattenenge, wo sich die Teilnehmer um 08.00 Uhr treffen und kennen lernen und wo Martin Bolliger und ich bei Kaffee und Gipfeli über das bevorstehende Abenteuer informieren. Wer Lust dazu hat, übernimmt für die Dauer der Reise eine Aufgabe: Video, Interviews, Zeichnen, Erfassen von Daten über die Route und den Stromverbrauch, Reisebericht usw.

Start
Die Tour beginnt in Bern

Um 09.00 startet die erste Gruppe Richtung Interlaken, während die Basler TWIKE noch mit Strom versorgt werden. Die Fahrt geht bei prächtigem Herbstwetter zügig und bei geringem Verkehr auf der Hauptstrasse über Münsingen bis Thun ohne Probleme voran. Hier stossen die später Gestarteten zur ersten Gruppe und bald geht es weiter dem rechten Thunerseeufer entlang. Die Fahrt über Beatenbucht wird zum ersten eindrücklichen landschaftlichen Erlebnis.

Frauen
Lucit Jenny trägt das Baby Tanya auf dem Schoss, während Jane Schnyder auf der Fahrerseite Platz genommen hat

Interlaken: erster Ladehalt. Die IBI stellt so viel Strom zur Verfügung, dass weit mehr als 8 TWIKE geladen werden könnten! Alles geht problemlos über die Bühne, aber es ist ungewohnt und wir wissen mit der zur Verfügung stehenden Zeit nicht so recht etwas anzufangen. Eine touristische Attraktion ist nicht in der Nähe und die Zeit für einen ausgedehnten Ausflug zu kurz (eine Situation übrigens, die uns später wieder begegnen wird) und so geht man halt in die nächste Beiz oder bleibt einfach beim TWIKE und beobachtet den Ladevorgang.

Jürg
Jürg Curschellas hat sich einen Flugring als Hut aufgesetzt

Wir geniessen die gemütliche Fahrt und die landschaftlichen Schönheiten dem rechten Brienzerseeufer entlang. Was gibt es doch für hübsche Ecken in der Schweiz! Nach Brienz kommt für uns die erste Herausforderung: der Brünigpass. Man spürt eine gewisse Anspannung (schaffen wir es?), doch diese erweist sich als unbegründet. Alle kommen problemlos oben an und wir geniessen beim kurzen Halt die wärmende Herbstsonne.

Brienzersee
Fahrt entlang dem Brienzersee ins Berner Oberland

Auf der Abfahrt nach Lungern machen sich die bisherigen Nicht-TWIKER mit der Rekuperation vertraut und erleben staunend, wie sie ohne eigenes Dazutun Strom erzeugen. Wir tauchen in das wunderschöne Nidwalden ein und freuen uns über den Ausblick auf den Lungernsee. In Lungern verlassen wir die Hauptstrasse und folgen dank einer Sonderbewilligung der Nidwaldner Kantonspolizei dem linken Ufer des Lungernsees. Wir passen die Geschwindigkeit dem Zweck des Strässchens an (Velo- und Wanderweg) und haben dafür mit den anderen Benützern keine Probleme (und sie mit uns auch nicht!). Nach einem weiteren kurzen Stück auf der Hauptstrasse verlassen wir sie in Giswil wieder, folgen der wenig befahrenen Strasse am linken Ufer des Sarnersees und gelangen nach Sarnen, wo die TWIKE heute ihre zweite Ration Strom erhalten.

Pause
V.l.n.r.: Walter Börlin, Hanspeter Müller und Maya Schnyder machen Pause

Doch vorher kommt es noch zu einer kleinen Diskussion mit den Mitarbeitern der Schmirinskis, die genau "unsere" Steckdose für die Einrichtung der Tonanlage für die abendliche Vorstellung beanspruchen. Die Erklärung, dass unsere Fahrzeuge in einer Stunde geladen sein werden beruhigt die Gemüter, und sie überlassen uns den Stromanschluss. Dafür organisiert Ralph Schnyder eine kleine Überraschung: wir dürfen die Sequenz mit den TWIKE sehen, die die Schmirinskis in ihrem Programm aufgenommen haben. Zudem kommt ein Journalist vorbei, stellt Fragen und macht Fotos. Daneben bleibt Zeit für einen kleinen Stadtbummel und für das Betrachten des ohrenbetäubenden Alpabzuges.

Kuh
In Obwalden findet gerade die Viehschau statt

Von Sarnen aus sind für die Weiterfahrt zwei Varianten möglich: Über Kerns und Stans (Besuch von Museen) direkt an den Zielort Beckenried fahren oder Besuch der Glasi in Hergiswil und anschliessend nach Beckenried. Die Mehrheit der Teilnehmer entscheidet sich für die Glasi und sie berichten begeistert von ihrem Besuch in der berühmten Glashütte. Das Museum und die Glasbläserei werden dem Publikum auf anschauliche Weise präsentiert, so dass man einen guten Einblick in die uralte Kunst der Mundbläserei erhält.

Glasi
Besuch bei den Handwerkern um den Schmelzofen der Glasi Hergiswil (LU)

Zwei Teilnehmer fahren über Stans, wo bei ihrer Ankunft die Museen bereits geschlossen sind. Also geht die Fahrt weiter nach Beckenried. Hier entsteht dann eine kurze Hektik, denn die "Hergiswiler" sind verspätet und wir müssen unsere Fahrzeuge pünktlich auf die Autofähre verladen, wo wir sie dank dem Entgegenkommen von Herrn Aeppli über Nacht aufladen können.

Wir übernachten in Beckenried im Hotel Nidwaldnerhof direkt am See. Speis und Trank waren ausgezeichnet. Besten Dank, Frau Beer!

 

Zweiter Tag, Samstag, 9. Oktober 1999: Beckenried – Kartause Ittingen

Strecke: Beckenried (Autofähre) – Gersau – Brunnen SZ – Ingenbohl – Schönenbuch – Muotathal – Pragelpass (1550 m)* – Klöntalersee – Riedern – Mollis – Niederurnen – Ziegelbrücke – Kaltbrunn – Schmerikon – Jona – Rapperswil SG – Rüti – Wald – Fischenthal – Bauma – Turbenthal – Neubrunn – Elgg – Hagenbuch – Gerlikon – Frauenfeld – Warth TG – Kartause Ittingen (Übernachtung im Gästehaus)
 
* Der Pragelpass ist an den Wochenenden jeweils geschlossen (Fahrt mit Sonderbewilligung der Kantonspolizei Glarus)

Fähre
Am Samstagmorgen gehts mit der Fähre von Beckenried (NW) nach Gersau (SZ)

Frühe Tagwache ist angesagt, denn die Autofähre nach Gersau fährt bereits um 08.30 Uhr. Nach dem Frühstück geht es zuerst zu Fuss bis zur Schifflände, wo wir mit Freude feststellen, dass bei allen Fahrzeugen die Batterien voll sind. Also hat es auch hier geklappt, obwohl ein Schiff als Abstellraum für eine Flotte TWIKE doch etwas aussergewöhnlich ist. Auf der Überfahrt hängt mancher der Teilnehmer seinen Gedanken nach, fragt sich was der heutige, von der Strecke her anspruchsvollste Tag bringen wird.

Adrian und Karel
Adrian Aeschlimann arbeitet als Redaktor beim Berner "Bund"; Karel Chromik ist Ingenieur

In Gersau werden wir von Herrn Schnüriger, Journalist bei der Neuen Schwyzer Zeitung, interviewt. Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass eine Flotte TWIKE in der Innerschweiz unterwegs ist! Aber es ist wie überall: das Interesse an den Fahrzeugen ist gross. Die Weiterfahrt nach Brunnen ist ein Genuss: praktisch kein Verkehr, dafür eine Schafherde, die uns kurz aufhält, und eine landschaftlich schöne Gegend. In Brunnen zweigen wir ab Richtung Schönenbuch (und vermeiden damit die Durchfahrt von Schwyz), befahren ein schmales, schon fast abenteuerliches Strässchen und gelangen, nach einigen Fotosessions ein wenig verspätet, nach Muotathal, unserer ersten heutigen Ladestation.

Muotathal
Ladepause beim Kraftwerk Muotathal

Wir sind überwältigt! Im Kraftwerk Balm/Hinterthal hat Herr Schelbert nicht nur eine Spezialeinrichtung für uns installiert, sondern wir werden wie hohe Gäste empfangen: ein Zmorge-Apéro-Buffet. Und nicht nur das, wir werden von Herrn Schindler, dem Präsidenten des Verwaltungsrates des Elektrizitätswerkes des Bezirks Schwyz begrüsst, der uns später noch bis auf den Pragelpass begleitet. Herzlichen Dank für die Überraschung! Nach der Besichtigung des Kraftwerkes kreisen die Gedanken immer mehr über das bevorstehende Teilstück, das für die Teilnehmer und die TWIKE das anspruchvollste der ganzen Reise ist: die Überquerung des Pragelpasses.

Pragelpass
Für die Fahrt über den Pragelpass vom Muotathal (SZ) nach Netstal (GL) erhielten wir eine Sonderbewilligung

Die fast 1000 Meter Höhendifferenz werden aber von allen ohne Probleme gemeistert, auch wenn oben stellenweise Schnee auf der Strasse liegt. Wir danken an dieser Stelle der Kantonspolizei Glarus für die Sonderbewilligung zum Überqueren des an Wochenenden sonst geschlossenen Passes. Die Abfahrt Richtung Glarnerland gehen wir vorsichtig an, denn es besteht die Gefahr von Glatteis. Aber die Bedenken sind unbegründet und so gelangen wir ohne Schwierigkeiten zum Klöntalersee, ein Naturjuwel, von dem alle begeistert sind.

Susanne
Susanne Stalder auf der Höhe

In Niederurnen ist die nächste Ladestation und auch hier steht alles für uns bereit. Herr Ammann von den Glarner Kraftwerken hatte veranlasst, dass beim Schulhaus eine Installation für uns bereitsteht.

Die Weiterfahrt durch die Zürcher March war von der Landschaft her weniger attraktiv als das bisher Erlebte, und vielleicht darum verlief die Fahrt recht zügig.

In Rapperswil konnten wir unsere Fahrzeuge bei der Hochschule an die Steckdose anschliessen. Auch hier haben die Verantwortlichen der Hochschule alles vorgekehrt, damit wir zu unserem Strom kamen. Es ist eindrücklich, wie alle unsere Sache unterstützen.

Das nächste Teilstück ist dann weniger lustig, denn die Strecke über Rüti bis Wald entpuppt sich für eine TWIKE-Flotte als völlig ungeeignet. Was wir da an Aggressionen und Unverständnis von seiten der anderen Verkehrsteilnehmer begegnen... Die Konsequenz daraus wird sein, dass wir für die Strecke von Niederurnen nach Ittingen eine andere Route suchen werden.

In Turbenthal stösst Peter Zeller zu uns, und so sind nun neun TWIKE gemeinsam unterwegs. Die Weiterfahrt durch das beschauliche Zürcher Oberland verläuft wieder ruhiger. Doch vor Frauenfeld, dem Schreibenden und Rekognoszierer sei’s verziehen, gibt es noch einen unfreiwilligen Umweg, der neben anderen Gründen auch dazu beiträgt, dass wir erst nach dem Eindunkeln in der Kartause Ittingen eintreffen. Wegen der späten Stunde ist es uns leider nicht mehr möglich, Geschichte und Kultur dieses einmaligen Ortes zu entdecken. Dafür werden wir kulinarisch verwöhnt.

Thom
Thomas Müller beim Znacht

Es war ein anstrengender Tag und so beschliessen wir, am Sonntag später als vorgesehen zu starten.

Gruppe
V.l.n.r. beim fernsehen: Maya Schnyder, Walter Börlin, Martin Bolliger, Hanspeter Müller, Christine Weber mit Freund

 

Dritter Tag, Sonntag, 10. Oktober 1999: Kartause Ittingen – Bern

Strecke: Kartause Ittingen TG – Uesslingen – Altikon – Henggart – Flaach – Buchberg – Eglisau – Zweidlen – Kraftwerk Rheinsfelden – Kaiserstuhl – Waldshut (D) – Albbruck – Laufenburg (D) – Laufenburg (CH) – Eiken – Wegenstetten – Ormalingen – Gelterkinden – Sissach – Diegten – Oberer Belchen (890 m) – Langenbruck – Balsthal – Wangen a. A. – Deitingen – Kriegstetten – Koppigen – Niederösch – Kirchberg – Zauggenried – Jegensdorf – Schönbühl – Bern

Adrian
Adrian Schnyder (5) beim Morgenessen in der Kornschütte der Kartause Ittingen bei Frauenfeld TG

Kartause Ittingen
Am Morgen nach der Übernachtung im Gästehaus drehen wir noch eine Runde um den Klosterbrunnen

Um 10.00 Uhr starten wir bei wiederum schönem Wetter. Die Fahrt führt uns über kleine Strassen und eine landschaftlich schöne Gegend über Uesslingen, Altikon und Flaach nach Eglisau, wo wir beim Kraftwerk Rheinsfelden unseren ersten Ladehalt machen. Wie an den anderen Orten haben auch hier die Verantwortlichen alles unternommen (es ist Sonntag), um uns Strom zu liefern.

Die Reise geht dann bis nach Kaiserstuhl über die Hauptstrasse weiter, wo wir die Grenze nach Deutschland überqueren. Bis nach Waldshut (D) ist die Fahrt angenehm und der Verkehr hält sich im Rahmen. Bis Laufenburg (D) müssen wir die Hauptstrasse benützen und wir versuchen, das Tempo der anderen Verkehrsteilnehmer mitzuhalten. Doch das ist stressig und wir sind froh, in Laufenburg anzukommen – wo die nächste Überraschung auf uns wartet: es ist Jahrmarkt und die Stadt ist für jeglichen Verkehr gesperrt! Nun sitzen wir in der Klemme, den der Stromvorrat reicht nicht für den kürzesten Umweg von ca. 25 Kilometern. Der deutsche Zollbeamte will uns die Durchfahrt nicht gewähren und auch das Schieben will er nicht durchgehen lassen. Aber wir schieben die TWIKE trotzdem durch die staunende Menge und freuen uns spitzbübisch über den gelungenen "Streich"!

Laufenburg
In Laufenburg (D) findet ein Volksfest statt, zu dem die Innenstadt für Motorfahrzeuge gesperrt ist; um einen Umweg von 20 km zu vermeiden, schieben wir die TWIKE durch die Menschenmenge

Im Kraftwerk Laufenburg finden wir die Steckdose nicht und ich werde nervös. Alle gehen auf die Suche und schliesslich finden wir sie doch. Später stellt sich heraus, dass ein Kommunikationsfehler vorgelegen hat. Schon wieder etwas gelernt!

Die Fahrt nach Sissach ist hügelig und landschaftlich sehr schön. Welch ein Genuss, bei diesem prächtigen Wetter und der herrlichen Fernsicht zu twiken! In Sissach besuchen etliche Teilnehmer zum ersten Mal das TWIKE-Zentrum und sie erhalten einen eindrücklichen Einblick "hinter die Kulissen". Aber hier ist auch der Ort, wo uns die Basler Teilnehmer verlassen.

Das letzte Teilstück unserer Reise führt uns über die für TWIKER "klassische" Route Diegten, Oberer Belchen (991m, das letzte topographische Hindernis der Reise) und Balsthal nach Wangen an der Aare, wo sich die letzte, von den Bernischen Kraftwerken speziell für uns installierte Ladestation befindet.

Bölchen
Zwischenhalt auf dem "Oberen Bölchen" im Jura

Es ist bereits dunkel, als wir weiterfahren. Wir wählen den kürzesten Weg nach Bern, kommen hier wohlbehalten an und sind froh, dass die ganze Tour ohne nennenswerte Probleme zu Ende gegangen ist.

 

Erkenntnisse aus der Tour

Die Strecke

Im allgemeinen ist die Wahl der Strecke bei den Teilnehmern auf ein gutes Echo gestossen. Und doch gilt es, die Routenwahl auf folgenden Abschnitten zu ändern:

Etappe Variante
Schmerikon – Rapperswil – Wald Schmerikon – Neuhaus – Laupen ZH – Wald
 
Vorteil: Wir vermeiden die gefährliche Strecke Rapperswil – Wald und verkürzen das Tagespensum um ca. 15 km
Flaach – Eglisau – Rheinsfelden – Kaiserstuhl – Waldshut – Laufen – Burg – Sissach – Wangen a. A. Flaach – Rafz – Hohentengen – Waldshut – Koblenz – Döttingen (Ladestation) – Villigen – Riniken – Schinznach – Dorf – Rupperswil – Aarau – Olten – Niederbipp – Wangen a. A.
 
Vorteil: Wir benützen mehr Nebenstrassen und verkürzen die dritte Tagesstrecke um ca. 20 km

 

Ladestationen

Es war uns bewusst, dass neben der Routenwahl die Stromtankstellen eine zentrale Rolle spielen würden. Es durfte nicht sein, dass die Fahrer einer Flotte von acht bis neun TWIKE unterwegs nach Steckdosen suchen müssen. Auf diese Weise wäre das Aufladen der Batterien zu einem zentralen Thema der Reise geworden, und sie hätte nicht wie geplant durchgeführt werden können. So wurden Kontakte vor allem zu Elektrizitätswerken und Gemeindeverwaltungen aufgenommen, wo wir mit unserem Anliegen auf grosses Interesse stiessen.

Wir haben an den folgenden 9 Ladestationen Halt gemacht:

Ort Gastgeber Elektrische Installation
Interlaken IBB Industrielle Betriebe CEE 3 x 230 V / 63A + 6 x T13 (230 V / 10 A)
Sarnen Gemeindeverwaltung 3 x 230 V / 40A
Beckenried (*) Fähre Beckenried-Gersau 3 x 230 V / 40A
Muotathal EBS Schwyz, Zentral Balm 3 x 230 V / 60A
Niederurnen Elektrizitätswerke des Kantons Glarus CEE 3 x 230 V / 63A
Rapperswil Hochschule Rapperswil HSG CEE 3 x 230 V / 32A
Ittingen TG (*) Kartause Ittingen CEE 3 x 230 V / 32A
Zweidlen Kraftwerk Eglisau / Rheinsfelden CEE 3 x 230 V / 32A
Laufenburg Kraftwerk Laufenburg CEE 3 x 230 V / 32A
Sissach Hauptsitz TWIKE div.
Wangen a. A. BKW / ISP AG CEE 3 x 230 V / 32A
(*) Übernachtungen    

Wir haben diese Orte vor allem deswegen ausgewählt, weil wir keine Risiken eingehen und unterwegs nicht irgendwo mit leeren Batterien dastehen wollten. Wir gingen von einer durchschnittlichen Reichweite von 40 bis 50 km pro Ladezyklus aus. Die Praxis hat gezeigt, dass sich die Wahl der Ladeorte optimieren lässt durch eine geringfügige Änderung in der Streckenplanung. So könnte auf folgende Ladestationen verzichtet werden: Sarnen, wenn wir hier übernachten anstatt in Beckenried; Niederurnen, weil auf der Abfahrt vom Pragelpass rekuperiert wird; Rapperswil SG, Rheinsfelden, Laufenburg und Sissach wegen der geänderten Streckenführung. Hinzu kämen: Uznach, Zurzach oder Döttingen und eine Ladestation im Raum Aarau wegen der neuen Streckenführung. Vorteil: Es sind unterwegs nur noch 6 Ladehalte anstatt wie bisher 9 nötig.

Die zum Teil speziell für uns eingerichteten Anschlüsse wurden uns gratis zur Verfügung gestellt. Auch hier: herzlichen Dank an alle Beteiligten! Für die Zukunft müssen wir allerdings Lösungen finden, die sowohl für die Stromlieferanten wie für uns zufriedenstellend sind, d.h. wir müssen Vereinbarungen treffen. Es ist sinnvoll, mit der Organisation Park & Charge an strategisch günstigen Orten zusammen zu arbeiten. Bei den Besprechungen mit den Stromlieferanten wurde Park & Charge vorgestellt. Die Gemeinde Sarnen (Herr Geser) und die Hochschule Rapperswil HSG (Herren Grätzer und Bachmann) haben Interesse bekundet. Die nötigen Angaben wurden zur Weiterbehandlung an Eduard Stolz (Elektromobil Club der Schweiz ECS) weitergeleitet.

In die Starkstrom-Steckdose (230 V Drehstrom, 32-63 A) steckten wir den passenden unserer mitgeführten Adapter ein, und schlossen Verlängerungskabel und einen kleinen Stromverteilkasten mit 9 x 16 A Euro-Steckdosen an. So konnten wir alle Fahrzeuge gleichzeitig laden. Wir danken Eduard Stolz für die wertvolle Beratung in Sachen Strom und für das zur Verfügungstellen des Stromverteilers und der Anschlusskabel.

 

Touristische und kulturelle Angebote

Es ist Bestandteil der TWIKE Tours, dass wir touristische und/oder kulturelle Attraktionen anbieten. In der Vorbereitungsphase haben wir Wert darauf gelegt, an den Ladeorten entsprechende Abwechslung zu bieten.

Die Praxis hat gezeigt, dass die Ladezeiten z.B. für einen Museumsbesuch oder für einen gemütlichen und ausgedehnten Bummel in einem Städtchen zu kurz sind. Die recherchierten Angebote waren zwar vorhanden, konnten aber manchmal nicht wunschgemäss wahrgenommen werden. Dies vor allem aus zwei Gründen: Zu kurze Ladehalte und zu weit entfernte Ladestationen.

Für die Zukunft gilt es nun, diese Seite des Reiseerlebnisses so anzupassen, dass an den Ladeorten mehr Zeit zur Verfügung steht, und individuelle Tätigkeiten eher möglich werden. Wenn die TeilnehmerInnen nicht bei ihrem Fahrzeug bleiben, wird nicht der Ladevorgang zum Hauptthema, sondern das, was am Ladeort z.B. an Kultur geboten wird. Der Teilnehmer erhält das Gefühl, dass die Stromversorgung des TWIKE nur so "nebenbei" abläuft. Mit der Reduktion der Zahl an Ladestationen werden wir dieses Ziel erreichen.

 

Unterkunft und Verpflegung

Mit den Unterkünften im Hotel Nidwaldnerhof (Haus und Zimmer direkt am See) in Beckenried und in der Kartause Ittingen waren die TeilnehmerInnen zufrieden.

Bei der Verpflegung haben wir (fast) Vollpension angeboten. Bewährt hat sich das Lunchpaket für unterwegs. Wir werden in Zukunft versuchen, bei der Zusammenstellung des Lunchpaketes individuelle Wünsche zu berücksichtigen.

Das von uns organisierte gemeinsame Nachtessen für alle Teilnehmer ist vermutlich nicht die richtige Lösung. Sinnvoller wäre es wohl, wenn sie selber entscheiden können, was und wo sie essen wollen. Dies würde am Zielort für die Teilnehmer mehr Freizeit bedeuten und wäre für den Einzelnen billiger.

Die Ausgaben für die Vorbereitung, die Reise, Verpflegung, Unterkunft und die Fähre über den Vierwaldstättersee betrugen insgesamt rund 6500 Fr., d.h. rund 400 Fr. pro erwachsene TeilnehmerIn. Nicht eingerechnet sind die rund 100 Stunden Vorbereitungsarbeiten (Rekognoszieren, Verhandlungen, Unterlagen) für diese erste Tour.

 

TeilnehmerInnen

Adrian Aeschlimann, Journalist, Wabern BE
Martin Bolliger, Geograf, TWIKE Zentrum Bern, Bern
Walter Börlin, Schreiner und Hobby-Filmer, Wenslingen BL
Karel Chromik, Ingenieur, Allmendingen BE
Jürg Curschellas, Spielexperte, Bern
Lucit und Michael Jenni, Gelterkinden BL
Hanspeter und Christine Müller, Liebefeld BE (Tour-Leitung)
Thomas Müller, Zimmermann, Bern
Maya Schnyder, Leiterin TWIKE Zentrum Bern, Neuenegg BE
Ralph und Jane Schnyder mit Adrian (5) und Tanya (1/2), Gelterkinden BL
Susanne Stalder, Geografin, Allmendingen BE
Erich Tschannen, Elektroniker, Bern
Christine Weber mit Marco (12), Verkaufsberaterin, Wenslingen BL
Peter Zeller, Physiker, Webmaster TWIKE, Zürich

 

Wir danken

Rulo AG, Bern, für die finanzielle Unterstützung der Vorbereitungsarbeiten
Schweizerische Mobiliar Versicherung für das Sponsoring
Eduard Stolz, ECS, für technische Beratung und Ausleihe von Material
IBI Industrielle Betriebe Interlaken, Herr Bigler
Gemeindeverwaltung Sarnen, Herr Geser
Hotel Nidwaldnerhof, Beckenried, Frau Beer
Fährbetrieb Beckenried-Gersau, Herr Aeppli
EW Bezirk Schwyz, EBS, Herr Inderbitzin, Herr Schelbert und Herr Rösli
EW Glarus, Niederurnen, Herr Ammann
Hochschule Rapperswil, Herr Grätzer und Herr Bachmann
Kartause Ittingen, Herr Blaser und Frau Kutter
Kraftwerk Rheinsfelden, Eglisau, Herr Kundert und Herr Rüeger
Kraftwerk Laufenburg, Herr Fust und Herr Zimmermann
BKW / ISP Wangen a.A., Herr Mannhart
Kantonspolizei Nidwalden
Kantonspolizei Glarus

Aktualisiert: 11. Oktober 1999 / 17. Januar 2000

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