TWIKE KLUB

  

Sommer-Ferienfahrt

TWIKE-Reise von Gelterkinden nach Kissing (bei Augsburg)

Die Hinfahrt am 15. Juli 2001

Mit der ganzen Familie in die Ferien zu fahren kann man in einer Grossraumlimousine – oder stilgerecht mit zwei TWIKE. Diesen Sommer machten wir zu viert die Reise nach Augsburg erstmals mit unseren beiden TW 001 und TW 506. Weil beim 001 die Batteriezellen noch aus dem letzten Jahrhundert (1995) stammen, wäre es mühsam geworden, wenn ich ihm nicht am Tag vor der Abreise einen Dreiersatz neuster Zellen verpasst hätte. Das TW 506 hatte ich schon vor 2 Monaten aufgerüstet.

StartZwischenladung

Am Sonntagmorgen fuhren wir im Dauerregen von Gelterkinden nach Embrach. Eine eingedrückte Nase – mit dem Heissluftföhn habe ich sie später wieder geheilt – aber dafür zwei saftige Steckdosen vor dem Restaurant und ein ausgedehntes Mittagessen brachten wieder etwas Stimmung und Abwechslung für unsere Kinder Adrian und Tanya.

SchmidhauserAuf der Fähre

In Romanshorn legten wir eine kurze Pause mit Strom ein und danken Rolf Schmidhauser (Entwickler der TWIKE-Elektronik) für seine Gastfreundschaft. Die Fähre brachte uns dann gegen Abend – immer noch in strömendem Regen – über den Bodensee nach Deutschland. Wir erreichten schliesslich die Altstadt von Ravensburg. Während ich mich mit einem langen Kabel auf die Suche nach einer schönen Schukodose im Parkhaus machte, versuchte Tanya (im unteren Bild links) ihre Energie am Türstopper loszuwerden.

TanyaPause

Montag war's dann einiges weniger feucht. Mit der Landkarte in einer Hand und der anderen am Steuerknüppel führte ich den Tross über die kleinsten Landsträsschen von Ravensburg nach Krumbach. Mit vollem Bauch und Batterien ging's dann rasch die letzten 66 Kilometer bis zum Lechstausee.

KlosterLaden
Barockes Kloster in rot an der Rot (links). Eine kurze Ladepause war für die 110 km allerdings notwendig (rechts).

StauseeFahrräder
Der Lech-Stausee. In den 10 Tagen am Baggersee machte zum Glück das Wetter mit und wir wechselten auf den Drahtesel aus deutschem Stahl.

 

Die Rückfahrt vom 27. bis zum 29. Juli 2001

im Rückspiegel

Tanya ist soeben neben mir eingeschlafen und geniesst das Summen des Motors. All die Kurven wiegen sie sanft im Schlaf. Ich erinnere mich an die Zeiten, als ich als Kind diese Strecke auf dem Rücksitz des Citröen DS erdulden musste. Schon nach ein paar Kurven war mir elend schlecht und von Fahrspass keine Rede mehr. Dreissig Jahre später gibt es den DS immer noch. Er war und ist der Stolz meines Vaters, ein Symbol von Fortschritt und High-Tech aus den 60er-Jahren, als alle anderen Autos noch motorisierte Kutschen waren.

Kiesweg

Was heisst Fortschritt? Seit dem ersten TWIKE-Prototypen gab es unzählige Leute, die genau wussten, was man alles besser machen sollte. Es gab wenige, die wirklich begriffen hatten, was die Erfolgsfaktoren des TWIKE ausmachten. Zum Beispiel hat es Victor Muñoz im amerikanischen Heft "Recumbent Cyclist News" prägnant und kompetent beschrieben (>>> Artikel in den RCN #63).

Eidechse
Auf der Lauer liegt die Smaragdeidechse und geniesst die Sonne am Kieshang des Baggersees

Die Frage wieso Gras grün ist, zeigt exemplarisch die Problematik jedes Gestaltungsprozesses. Das TWIKE war nicht das Resultat eines Pflichtenheftes, welches die Form vorgab, sondern die Folge einer konsequenten Umsetzung von funktionellen Anforderungen. So gab es z.B. nie die Vorgabe, die Lenkung mit einem Joystick zu machen. Der Joystick war die Folge der Sitzanordnung und der Platzbedürfnisse für den Pedalantrieb, oder einfach die billigste und unkomplizierteste Möglichkeit, das Vorderrad mit der Hand zu verbinden.

Diese Arbeitsweise wirkt vielleicht unprofessionell und planlos, da das Resultat die Folge eines Prozesses ist und nicht ein Prozess zur Erzielung eines vorgegebenen Resultates definiert wurde. Entsprechend ist das Resultat oft unkonventionell, überraschend oder sogar provokativ (z.B. die schmalen Reifen).

Schotterstrasse

Die Natur mit all ihren Schönheiten entstand nie nach Plan, sondern als Folge eines Wechselspieles von aufbauenden Kräften, funktionalen Anforderungen und äusseren Einflüssen. Daher ist jedes Detail die Konsequenz dieser Gestaltungsprozesse. Kein Baum wurde geplant und niemand hat je definiert, dass Gras grün sein muss.

BieneKäfer
Tiere und Pflanzen in den Lechauen von Kissing: Biene im Landeanflug auf eine japanische Anemone (links) und ein etwas unheimlicher Käfer (rechts).

Wie könnte für mich ein "TWIKE IV" aussehen? Während sechs Jahren und 50'000 Kilometern im TWIKE III gehen einem manche Gedanken durch den Kopf. Fortschritt heisst für mich, dass etwas messbar besser und billiger wird, d.h. weniger Zeit und weniger Material, dafür mehr Intelligenz eingesetzt wird. Mit dieser trivialen Matrix lassen sich viele Fragen sofort abhaken.

AdiEnten

Wie kann das TWIKE besser werden? Anders als beim Auto, wird das TWIKE besser durch "weniger": nämlich weniger Gewicht und weniger Luftwiderstand. Nur so kann es sich klar in seiner Position als eigenständige Fahrzeugkategorie behaupten. Die Vorteile des TWIKE liegen ja auch darin, dass es kleiner, wendiger und flinker als ein Auto ist, und damit näher beim Motorrad. Die Physik sorgt dann automatisch dafür, dass der Energieverbrauch abnimmt und Reichweite, Fahrleistungen und Batterielebensdauer besser werden.

Dreirad

Wie kann man das TWIKE noch kleiner machen, ohne Nachteile im täglichen Gebrauch? Hier braucht es Innovation und keine Angst vor unkonventionellen Lösungsansätzen. Ideen findet man in der Geschichte des Fahrzeugbaus. Die richtigen zu kombinieren ist der Schlüssel zum Erfolg. Vielleicht muss man nicht immer einen leeren Sitz mitschleppen, wenn man alleine fährt. Oder im Stadtverkehr ist die Reichweite mit einem Batterieblock immer noch mehr als genug, besonders, wenn man sie innerhalb von 10 Minuten (T15-Steckdose, an den meisten Tankstellen) aufladen kann.

Erholungim Hof

Leichter wird es, wenn man weniger Material verwendet: Weniger Teile und diese mit dünneren Wandstärken. Das kennt jeder aus dem Flugzeugbau. Geizen bei jeder Schraube. Eine mühselige und undankbare Kleinarbeit, da man erst dann weiss wo die Grenze ist, wenn etwas nicht mehr hält. Im TWIKE III gab es viele Teile, die aus Zeit- und Geldmangel einfach so stark gemacht wurden, damit es sicher hält. Vieles hätte ich gerne dünner und leichter gemacht, aber wegen ein paar Gramm hier und dort wollte ich weder einen Aufwand noch ein Risiko eingehen. Bei grösseren Stückzahlen lohnt es sich trotzdem, da man neben dem Gewicht ja auch wertvolles Material sparen kann.

abwaschen

Mit den entsprechenden Fertigungsverfahren lassen sich zudem beispielsweise Rippen einfügen, die mit weniger Material eine höhere Steifigkeit und Festigkeit der Teile ermöglichen. Hier kommt das ganze Fachwissen der Fertigungs- und Werkstoffingenieure zum Tragen.

BettRittersaal

Billiger soll es werden? Die Reduktion der Herstellkosten ist die Voraussetzung für eine breitere Markterschliessung. Die Stückzahl ist umgekehrt proportional zum Preis, dies ist ein Gesetz des Marktes. Genauso wie man den Luftwiderstand einer grösseren Querschnittsfläche mit ein paar geschickten Details innerhalb von 10-20% korrigieren kann, so lassen sich die Stückzahlen mit etwas Marketing leicht korrigieren. Erstaunlicherweise wurden aber unabhängig von all unseren Aktivitäten und allen äusseren Faktoren seit 1995 jährlich konstant rund 100 TWIKE verkauft. Trotz Idealismus, Ökologie und allem Enthusiasmus steht das TWIKE in täglichem Konkurrenzkampf in einem Markt, wo jedem Preis ein Wert gegenüber stehen muss.

Park

Die Kosten lassen sich am einfachsten über die Menge reduzieren. Dann stimmt die Qualität und der Preis, da es sich lohnt, Investitionen in den Aufbau einer rationellen Fertigungstechnologie an einem kostengünstigen Standort zu machen. Da ist wieder die Huhn-und-Ei-Frage: Soll man zuerst die Mengen herstellen, damit die Kosten herunter kommen, oder zuerst die Preise senken, damit die Nachfrage steigt?

Fähre

Eine clevere Modellpalette ist vielleicht eine Lösung. Der Wert des Produktes wird über das Topmodell kommuniziert, die Mengen für günstige Herstellkosten werden über ein Einstiegsmodell geschaffen. Das klingt einfach, funktioniert allerdings nur, wenn die Komponenten zwischen den Modellen genügend Synergien aufweisen und sich trotzdem nicht gegenseitig konkurrenzieren. Also nicht ein altes und ein neues Modell, sondern mehrere Produkte, die verschiedenen Kundengruppen gerecht werden.

ZeltplatzWickeln

Auf dem Papier ist alles einfach. Aber das in der Praxis umzusetzen, ist schwieriger. Man gerät in Sachzwänge, ist auf Experten angewiesen, welche die Ideen unterschiedlich konsequent interpretieren.

Tanya ist inzwischen aufgewacht – Zeit für eine Ladepause hinter dem McDonalds in Frauenfeld. Die T15-Steckdose für unsere beiden TWIKE, ein Kindermenu und Spielplatz für die beiden Kleinen und ein Salat aus dem Schüttelbecher – ein konsequenter Gedanke: wie mischt man den Salat mit der Sauce? – für die Grossen.

Ralph Schnyder, ralph.schnyder@dreifels.ch

M

update: 29.7./2.10.2001

 

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