TWIKE Challenge 98

 

CHALLENGE 98
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TWIKE Klub

REISEBERICHT TWIKE CHALLENGE 98

Bericht über die erste Etappe von Bern nach Vilnius, 1. bis 13. Juli 1998

Die Bilder kann man anklicken, um eine Vergrösserung zu sehen.

 

Dienstag, 30. Juni 1998

Letzte Vorbereitungen

François Loeb (TWIKE 128) und einige weitere TWIKE machten diesen Sommer eine grossen Fahrt über 10'000 km von Bern ans Nordkap und zurück. Begonnen hat die Geschichte mit der Frage "Kann man mit dem TWIKE ans Nordkap fahren?" - Eigentlich sprach nichts dagegen. "Und wenn noch ein paar weitere Fahrerinnen und Fahrer mitkommen, dann gibt das eine spannende, etwas besondere Reise. Man muss sich genügend Zeit nehmen, um die Fahrt richtig zu geniessen."

  Bern

Wir versammeln uns gegen Abend vor dem TWIKE Zentrum im Berner Mattenquartier an der Aare. Auf dem Trottoir stehen zahlreiche Leute um die Fahrzeuge herum, während andere innen noch an den Vorbereitungsarbeiten sind, oder sich am Buffet stärken. Worte da und Blicke dort. Fahrerinnen und Fahrer begrüssen sich - es kennen sich noch nicht alle, trotz Vorbereitungstreff vor einigen Wochen. Sie werden auf die Fahrzeuge aufgeteilt. Damit jeder weiss, wohin er gehört, sind die TWIKE mit den Namen beschriftet. Die Organisatoren haben an die Details gedacht. - Gepäck liegt herum, obwohl man möglichst wenig mitnehmen soll. Was zuviel ist, erhöht den Energieverbrauch. Die Taschen und kleinen Geschenke werden in die Nischen der Fahrzeuge verstaut. Nur die Lüfter nicht verstopfen. Auf dem Laptop wird ein Programm geladen, um die Aktualitäten aufs Internet bringen zu können. Da noch ein Ersatzteil, dort noch eine Landkarte. Hat jeder sein Verlängerungskabel? Mitten im Raum wird ein Igluzelt aufgebaut, zur Probe. Man weiss ja nie, ob man mal draussen übernachten muss. Und nicht alle haben Hotelzimmer gebucht. - François Loeb begrüsst seine Mitreisenden und die Gäste. Das Ziel ist klar, aber bis dann muss noch einiges überwunden werden. Wichtig ist, pünktlich zu starten. Um 23 Uhr wird auf den Bundesplatz gefahren.

Vor dem beleuchteten Bundeshaus wartet bereits weiteres Publikum und die Journalisten. Die Reihe der TWIKE wird immer länger. Es kommen welche, die ein Stück weit mitfahren und dann erst nach Hause zurückkehren wollen. Unter ihnen Ralph Schynder, der "Erfinder" des TWIKE. Einige Ordnungshüter regeln den Verkehr vorbei, der zu dieser nächtlichen Stunde durch Bern pulst.

  Bundeshaus

Der Start der TWIKE Challenge 1998 ist auf eine Minute nach Mitternacht geplant. Ein Journalist meint, besser am Abend arbeiten, als morgens früh aufstehen. Fotos werden geschossen. Ein Abschiedswort, ein Winken. Alle sind gespannt auf die Abfahrt.

 

Mittwoch, 1. Juli 1998

Die Reise hat begonnen

  François Loeb und H. R. Giger

Unter dem Startschuss von Oscarpreisträger H. R. Giger ("Aliens", www.giger.com) rollen 18 TWIKE eine Minute nach Mitternacht los. Das Fahrzeug von François Loeb ist extra neu dekoriert worden und strahlt im rustikalen Holz-Look, werbend für die Swiss Mountain Bakery.

Nachtfahrt über 30 km nach Langnau, dort kurze Schlafpause. Am Morgen um 6.40 Uhr geht die Fahrt los und führt bei leicht bewölktem Himmel durch das Emmental und Entlebuch zum Verkehrshaus Luzern, wo wir während dem Aufladen vom Direktor zu Kaffee und Gipfeli eingeladen werden. Peter Schaeren vom TWIKE Kompetenzzentrum Zentralschweiz hat den Treffpunkt organisiert.

  Verkehrshaus Luzern

Das nächste Stück führt in den Kanton Zürich nach Birmensdorf durch starken Verkehr. Dort können wir beim Stützpunkt des Elektrizitätswerkes EKZ aufladen. Weiter geht's quer durch die Baustellen der Stadt Zürich nach Winterthur in den städtischen Werkhof, wo uns eine Gruppe von Journalisten erwartet. Wir kommen später als vorgesehen, weil das Laden jeweils doch seine Zeit braucht, bis alle Fahrerinnen und Fahrer wieder bereit sind zum weiterfahren.

  Zeit für Musik...

Eine Gruppe muss noch etwas länger laden und wird direkt nach Konstanz fahren. Die übrigen machen noch einen Abstecher nach Wil. Dort werden wir von den TWIKE Fahrern Peter Grau und Max Kuhn begrüsst. In der obersten Ecke der Altstadt haben sie extra Sandwiches und Getränke bereitgestellt. Journalisten und Passanten interessieren sich. Aus dem Stadthaus gegenüber erscheint eine Hochzeitsgesellschaft, die sich wundert, ob wir wegen ihnen gekommen seien. Natürlich nicht. - Nach der Ladepause fahren wir weiter nach Konstanz, wo die beiden Gruppen fast gleichzeitig eintreffen. TWIKE Partner Henning Postert hat organisiert, dass die Stadtwerke mitten in Konstanz eine Ladestation aufstellen. Neben den Fahrzeugen steht auch ein roter Hotzenblitz, ein formschönes Elektrofahrzeug, entwickelt in Süddeutschland. TWIKE-Fahrer Wolfgang Jürgensmeyer ist mit seiner Frau gekommen. Er wird uns im TWIKE 041 später ein Stück begleiten.

Während der Pause ist Zeit für das Nachtessen. Weil die Fähren nur alle halbe Stunde fahren, wollen wir rasch aufbrechen. Die Anlegestelle ist auf der anderen Seite der Stadt. Das Essen lässt etwas auf sich warten. Kaum ist die Küche fertig, wird es mit Heisshunger verschlungen. - Wir schaffen es alle gerade noch in allerletzter Minute, die Fähre nach Meersburg zu erreichen.

  Auf der Fähre

Im Abendlicht fahren wir nördlich dem Bodensee weiter nach Ravensburg, wo wir übernachten. Morgen steht schon München auf dem Programm.

 

Donnerstag, 2. Juli 1998

Gastfreundschaft in Bayern

Früh ist Tagwache. Es regnet. Wir setzen uns in den Frühstücksraum des Hotels, um uns für die Fahrt zu stärken. Bald gehts los von Ravensburg durchs Allgäu Richtung München. In Isny machen wir Halt, wo wir in einem Werkhof aufladen dürfen. Kaum haben wir eingesteckt, kommen Schüler klassenweise aus der nahen Schule, begleitet von ihren Lehrern. François Loeb erklärt ihnen den Sinn der Reise, die Route, die Technik. Es geht darum, zu zeigen, dass immer wieder Neues möglich ist, wenn man es nur anpackt. Fragen werden gestellt, man sitzt in die Fahrzeuge, probiert die Lenkung, die Pedale. Kein alltäglicher Besuch.

Weiter fahren wir nach Kempten im Allgäu, der ältesten Stadt Deutschlands, wie man stolz vermerkt. In der Turbinenhalle der Allgäuer Überlandwerke dürfen wir die Fahrzeuge parken und aufladen. Da sind wir an der Quelle neben den farbig bemalten grossen Generatoren. Einige der leitenden Mitarbeiter der Kraftwerksgesellschaft haben sich extra eingefunden, um uns zu begrüssen. Auch Dr. Ulrich Netzer, Oberbürgermeister von Kempten erweist uns die Ehre. François Loeb zeigt ihm das Fahrzeug, worauf der Oberbürgermeister es sich nicht nehmen lässt, gleich selbst am Joystick durch die Stadt in sein Büro zu fahren.

  Kempten

Unterwegs machen wir eine Ladepause in einer Schreinerei, wo wir Steckdosen neben den Säge- und Hobelmaschinen benutzen dürfen, während dem Mittagessen in einem nicht ganz so nahen Restaurant. Via Marktoberdorf, Schongau, Peissenberg und Weilheim erreichen wir den Starnberger See, wo wir eine kurze Pause am Wasser einlegen.

Vor München werden wir von TWIKE Partner Martin Feneberg und einer Reihe von Journalisten empfangen. Über die Stadtautobahn fahren wir hinein, um nicht zu spät beim Schweizer Verein einzutreffen, da zahlreiche Gäste dort warten. Als wir schliesslich ankommen, werden wir mit grossem Applaus begrüsst. Die Generalkonsule Vogel und Scherrer haben eine spezielle Abendparty organisiert und über dem Eingang eine grosse Schweizerfahne aufgehängt. Im Festsaal des Schweizer Hauses gibt es einen Apéro und einige Ansprachen. Anschliessend wird zu Probefahrten gestartet, im dichten Abendverkehr rund um die Häuserblöcke, manchmal auch weiter. Für die Gäste und Passanten ist es ein Erlebnis. Immer wieder kommt ein TWIKE, dann geht wieder eines, bis die Energie zur Neige geht.

  München, Ludwigstrasse

 

Freitag, 3. Juli 1998

Prinzessin in Fahrt

Die Fahrzeuge sind über Nacht gut geladen. Leider können wir in München nur einen Abend lang bleiben. - Am Morgen sagt kurz vor der Abfahrt jemand, wir hätten ja gar keine Schweizerfahne, um sie am Nordkap aufzuhängen. Daraufhin wird von den Gastgebern kurzerhand eine Leiter besorgt und die Fahne über dem Eingang abmontiert. So können wir demonstrieren, dass wir Botschafter aus der Schweiz sind.

Von München fahren wir über Freising durchs Land. In Furth, dem Dorf mit dem höchsten Solarenergieanteil Deutschlands werden wir von Bürgermeister Dieter Gewies und von TWIKE Fahrer Prof. Ernst Schrimpf (TW 150) begrüsst. Geladen wird am Bauernhof. Mit einer Studentengruppe geniessen wir dankbar ein reichhaltiges bayrisches Buffet mit knackigen Broten und frischen Salaten, zubereitet von der Frau des Bürgermeisters. Die Studenten sind für eine Studienwoche hier, um in Gruppen allerlei Projekte zu den Themen Landschaftsgestaltung und Umweltfragen zu bearbeiten.

  In Bayern

Nach dem Abschied gehts weiter durch eine leicht hügelige Felder-Landschaft nach Regensburg. In der Stadt verlieren wir uns aus den Augen, aber schliesslich finden alle den Weg mitten auf den Stadtplatz. Die Fahrzeuge werden attraktiv aufgereiht, ein dickes Kabel aus einem öffentlichen Gebäude nebenan gezogen. In Regensburg findet gerade ein Kongress von Spezialisten der plastischen Wiederherstellungschirurgie statt. Zahlreiche Ärzte aus allen möglichen Ländern fragen die TWIKE Fahrerinnen und Fahrer aus. Es spricht sich herum, dass eine der Kongressteilnehmerinnen ein Schild mit der Aufschrift "Prinzessin von Sachsen-Coburg" trägt. Sofort kommt jemand zu uns gerannt, wo wir gerade in einem Restaurant würzige Oliven mit Brot essen. "Na, François, da ist eine echte Prinzessin! Mit der musst du ne Runde im TWIKE fahren." - François Loeb hat keine Eile. Schliesslich klappt es doch noch, dass der schweizerische Parlamentarier mit der deutschen Prinzessin zu einer Rundfahrt durch die Altstadt von Regensburg startet.

  Prinzessin

Die Fahrt über die Strasse 16 läuft gemütlich, weil wir mit der Energie haushälterisch umgehen wollen. Wir kommen nach Cham, der deutschen Partnerstadt vom schweizerischen Cham am Zugersee. Dort dürfen wir laden. Beim Essen in einem Gartenrestaurant läuft in der Ecke ein Fernseher. Die Fussball-Weltmeisterschaft interessiert nur am Rande. Lustiger sind die Gespräche am langen Tisch unter den Bäumen.

In einem alten Gebäude hat die Stadt eine uralte Dampfmaschine aufgebaut. Sie hat ein riesengrosses Schwungrad, glänzende Kolben, schwarze Zylinder, rotierende Ölgefässe aus Glas, eingefasst in Messing. Sie diente früher als Kraftwerk und trieb einen elektrischen Generator an. Heute kann die Anlage mit Hilfe eines Elektromotors in Bewegung versetzt werden. Lederriemen ziehen die Räder an der Decke. Die Vertreter der Stadt beantworten unsere neugierigen Fragen. Doch schon sind die TWIKE wieder geladen und wir müssen erneut aufbrechen in die Nähe zur tschechischen Grenze.

Vor der Grenze in Furth im Wald biegen wir rechts ab und fahren hoch nach Neukirchen, wo wir in einem modernen, luxuriösen Hotel übernachten.

 

Samstag, 4. Juli 1998

In der Tschechischen Republik

Unser Begleiter durch Tschechien heisst Antonin Koucky. Er hat durch seinen Sohn von der TWIKE Challenge erfahren, der später noch mit von der Partie sein wird.

  François Loeb und Antonin Koucky

Wir sausen nach Furth hinunter. Die Einreise nach Tschechien geht glatt. - In einer kleinen Ortschaft können wir in einem Hof mit einigen Garagen und Werkstätten die TWIKE aufstellen. Die 32 Ampère-Steckdose hat hier nur vier Pole anstelle von fünf, wie es in Deutschland üblich ist. Der Schutzleiterkontakt fehlt. Also müssen wir zuerst einen neuen Stecker einkaufen gehen, den wir in einem kleinen Laden sogar finden - zur Überraschung von Antonin. Es ist ein deutsches Produkt, hier sogar billiger als zu Hause. Bernd schraubt den Stecker ans Kabel und los geht das Laden.

Auf dem ausgedehnten Stadtplatz von Pilsen machen wir eine kurze Pause. Ein Blick in die düstere Kirche, ein Rundgang um den Platz. Ein Polizeiauto fährt vorüber.

Beim nächsten Halt sind wir im Hof eines Amtshauses. Als "Anzapfstelle" wird uns der Verteilerkasten am Gebäude zugewiesen. Wolfgang und Bernd nehmen die Werkzeuge und Messgeräte hervor, hängen den Warmwasserboiler für kurze Zeit ab und schliessen den Adapter für unsere "Stromkuh" an. - Während dem Laden bekommen wir in einem nahen Restaurant ein feines Essen.

  Anzapfen

Schon ist Prag unser Ziel. Bei der Einfahrt in die Stadt beeindruckt die vielfältige Architektur. Wir fahren in die Stadt hinein, verfolgt von erstaunten Blicken der Passanten, bis in die Fussgängerzone. Dort warten die Journalisten und viele Zuschauer auf uns. In den Zeitungen ist angekündigt worden, dass wir kommen werden. "Blesk"-Journalist Pavel und der Schweizer Botschafter Fetscherin sind sehr gastfreundlich und helfen wo sie können, damit wir uns wohlfühlen.

  Prag ("tanzendes Haus" von Frank Gehry)

Am Abend werden wir im Keller eines Prager Restaurants in der Altstadt verwöhnt.

  Botschafter Fetscherin (l.) und Pavel (r.)

Lesen Sie den ersten Wochenbericht.

 

Sonntag, 5. Juli 1998

Der Sonntag in Prag

Am Nachmittag steht eine Parade durch Prag auf dem Programm. Der Schweizer Botschafter Fetscherin wird von François Loeb in seinem Swiss Chalet TWIKE von einer Sehenswürdigkeit zur anderen gefahren. Man hat zu diesem Zweck das Schweizerfähnchen vom offiziellen Botschaftswagen abmontiert und aufs TWIKE gesteckt.

  Präsentation

Beim Hrad oben über der Stadt geschieht es, dass sogar die Wachsoldaten sich kurz bewegen, die sich üblicherweise nicht bewegen. Aus einer benachbarten Küche erscheinen Köche auf dem Platz, von denen sich einer sogar auf eine Probefahrt getraut. Die Kochmütze kann oben herausschauen, da wir in jenem TWIKE das Cabrio abmontiert haben.

  Auf dem Hrad in Prag

Von den herbeieilenden Touristen interessieren sich manche und stellen Fragen. "Can I get this also in Ireland? How much would it cost? How fast does it go?" und so weiter. Dank Tempomat können die TWIKE auch eine Runde ohne Passagiere drehen. Die Passanten wundern sich.

  Karlsbrücke

Wir sehen fröhliche Menschen, faszinierende Bauten, historische Plätze. An bestimmten Orten dürfen wir nicht durchfahren. Nur schieben.

  In der Fussgängerzone

In den Strassen fahren wir langsam, wenn es Kopfsteinpflaster hat. Manchmal sind die Schachtdeckel nicht bodeneben, so dass man gut zielen muss. Bei drei Rädern ist das nicht einfach. Man spürt es entweder vorne oder hinten.

Wir logieren die zwei Nächte im Hotel Adria am Wenzelsplatz. Die Fahrzeuge können wir inzwischen unter der kundigen Führung von Blesk-Journalist Pavel im geschlossenen Hof der Redaktion einparken und aufladen.

An diesem Sonntag geht Peter Bauer wieder heim nach Klosters, da er nicht länger Ferien nehmen kann. Dafür stösst Peter Johner aus Bern neu zum Team. Er ist bis Vilnius dabei. Im Flugzeug von Zürich traf er einen Buben aus Sissach, der zum ersten Mal alleine flog und seine Grossmutter in Prag besuchen will. Dessen Eltern haben eben ein TWIKE gekauft. - Die Welt ist klein.

 

Montag, 6. Juli 1998

Über die Grenze nach Polen

Schon früh am Morgen hört man die ersten Geschichten: Da kommt einer in eine Bäckerei und möchte ein Brot kaufen. Die Verkäuferin packt es ein. Der Kunde: "Aber das ist ja eins von gestern. Ich will ein frisches Brot!" - Die Verkäuferin: "Wenn Sie eins von heute wollen, dann kommen Sie morgen wieder."

Im Hotel Adria werden für uns (frische) Lunchpakete bereitgestellt. Mit drei Taxi kommen wir zum Ringier-Haus, wo wir die Fahrzeuge gelassen hatten. Unser Kameramann Mike Patterson aus Colorado, der seit Bern dabei war, bleibt hier bei seiner Freundin in Prag. Er hat während der ersten Woche über 10 Stunden Videoband aufgenommen.

Die Reise geht gegen das Riesengebirge hin, langsam ansteigend. Ein Stück fahren wir auf der Autobahn, energiesparend. Am späteren Nachmittag kommen wir an die Grenze zu Polen, die durch die Berge verläuft. Die Zollbeamten interessieren sich mehr für die TWIKE als für die Papiere.

Bei der Abfahrt auf dem Weg nach Jelenia Góra berührt das TWIKE 144 in einer engen Kurve ein anderes Auto und fährt in eine Böschung. Zum Glück kommen die beiden Fahrer ungeschoren davon. Zur Sicherheit fährt man sie zum Arzt. Peter Johner hat sich den Kopf etwas angeschlagen und bleibt die Nacht über in Cieplice zur Beobachtung im Spital, kann aber am nächsten Morgen wieder mitkommen und die Reise fortsetzen. Peter Zeller hat es nichts gemacht. Der Aufprall mit ca. 40 km/h hat das Vorderrad nach hinten geschoben und ein Stück der Karosserie vorne eingedrückt. Der Rahmen und die elektrischen Systeme sind praktisch intakt. Wir entscheiden, das Fahrzeug in die Schweiz zurückzuschaffen, und den Schaden dort zu beheben. Inzwischen wird es in einer nahen Garage eingeparkt.

     
Crash: der äussere Rahmen und das Vorderrad wirkten als Knautschzone

Nachdem die Polizeirapporte ausgefüllt sind, gehen die übrigen Fahrer in ein Hotel in der Nähe. Es handelt sich um ein Gebäude, das früher den Parteibonzen als Ferienhotel gedient hat. Unten im Heizungsraum gibt es eine dicke Steckdose, an dem wir die TWIKE über Nacht laden können.

 

Dienstag, 7. Juli 1998

Von Jelenia Góra über Breslau nach Kalisz

Den Damen am Frühstücksbuffet im Hotel in Karpacz bleibt es nicht verborgen, wer ein zweites Mal den Frühstücksraum aufsucht. Einer hat entdeckt, dass es da noch feine Joghurts gibt, die er in der Eile nach dem Aufstehen übersehen hat.

Derweil Antonin Koucky (unser Begleiter von Tschechien bis Warschau), Wolfgang Möscheid und Peter Zeller den Tag in der Gegend zurückbleiben, fahren die übrigen weiter planmässig nach Nordosten. Peter Johner holen wir im Spital in Cieplice ab, wo er zur Beobachtung geblieben ist. Er macht einen ausgeruhten Eindruck.

Wir wollen das beschädigte Fahrzeug anschauen und fahren im Citroën MX von Antonin zum Ort der gestrigen Panne zurück. Kaum sind wir da, übersieht ein polnischer Mercedes-Fahrer einen stehenden tschechischen Skoda, kann nicht mehr rechtzeitig bremsen und schiebt den Skoda an unseren Citroën. Das Heck ist leicht schief, zum Glück niemand verletzt. Man ärgert sich und diskutiert ausgiebig in diversen Sprachen. Da man sich nicht einig wird, ruft man wegen der Versicherung die Polizei, die wiederum zu einem Rapport ansetzt.


Bernd Werner, François Loeb und Max Batt während einer Pause

Anschliessend reisen wir der Gruppe nach, die inzwischen durch Breslau (Wroclaw) nach Trzebnica gefahren ist. Die nächste Etappe führt durch ein flaches Gebiet über Milicz, Odolanów nach Kalisz zum Hotel. Geeignete Steckdosen sind diesmal Mangelware. Wir behelfen uns mit allerlei Zwischenstücken und können so die Fahrzeuge in der kurzen Nacht genügend laden.

  Querfeldein

 

Mittwoch, 8. Juli 1998

Ankunft in Warschau

Frühmorgens wird gestartet. Abfahrt nach Polens Hauptstadt.

Um den anstehenden Papierkram und die Rückschaffung des kaputten TWIKE zu klären, fahren Antonin, Wolfgang und die beiden Peter zurück nach Jelenia Góra. Dank der Hilfe von Antonin und polnischer Nachbarn kann die Sache in nützlicher Frist erledigt werden. In Breslau finden wir jemanden, der uns mit einem Lieferwagen das Fahrzeug in die Schweiz zurückschaffen würde, was wir denn auch veranlassen. Peter Zeller fährt mit, da er sowieso wegen anderer Verpflichtungen nach Hause muss.

Unterdessen ist Jonas Moser zum Team zurückgekehrt, das er vor ein paar Tagen verlassen hat, um zu heiraten. Heute hat er seine Frau Ria mitgebracht. Sie werden nun bis Oulu (Finnland) mit der Challenge mitfahren, sozusagen als Hochzeitsreisende.

Die Challenge Crew reist gut und erreicht am Abend Warschau. Morgen ist ein freier Tag, wo man sich wieder etwas ausruhen kann.

 

Donnerstag, 9. Juli 1998

Die TWIKE Challenge in Warschau

Planmässig ist das Challenge Team am Mittwochabend in Warschau angelangt. Heute Donnerstag ist ein Ruhetag angesagt, mit Pressekonferenz mit TV und Zeitungen, Stadtführung und einem abendlichen Empfang bei der Schweizer Botschaft mit grossem Buffett. Zeit, um sich von den langen Reisetagen zu erholen. Immerhin wurden bisher bereits über 1'500 km zurückgelegt. Die Gruppe hat sich etwas verändert, indem die Ferien von Peter Bauer in Prag bereits zu Ende gehen, dafür Peter Johner aus Bern dazustösst und vor Warschau Peter Zeller arbeitshalber nach Hause zurückkehrt.

  Beim Eingang zur Altstadt

 

Freitag, 10. Juli 1998

Fahrt in Polen

Heute ist die Crew von Warschau nach Lomza gereist. Die Bauerndemo in Warschau hat sie nicht mehr mitbekommen. Am Abend erzählt Wolfgang Möscheid: "Super gut angekommen. Wir haben nur einmal geladen in Brok. Total sind wir 177 km gefahren bei sonnigem Wetter." - Die Strecke wird jeden Tag neu geplant, je nach Strassenverhältnissen. Es ist einfacher, wenn man nach Bedarf Lademöglichkeiten suchen kann.

 

Samstag, 11. Juli 1998

Von Polen nach Litauen

Bei regnerischem Wetter fahren wir an die polnisch-litauische Grenze. Jetzt reisen die Übersetzerin Ivika Vahtrik und Jürg Würtenberg von der Schweizerisch-baltischen Handelskammer mit uns. Die Zollbeamten lassen Wolfgang und Bernd - beide mit deutschem Pass - nicht nach Litauen einreisen, da sie ihr Transitvisum nicht als gültig ansehen. Sie müssen die folgende Nacht in Polen verbringen. Die Gastfreundschaft bei der Familie Sawosko in Sejny ist ausgezeichnet.

  An der Grenze

Die Gruppe erreicht derweil die Stadt Alythus. Übernachtung im Hotel Dzukia. Es wird versucht, die beiden Deutschen per Bus zu holen.

  Schloss Alythus

Landkarte

 

Sonntag, 12. Juli 1998

Zur Hauptstadt Vilnius

Dank einer Intervention des litauischen Aussenministeriums kann am Morgen erreicht werden, dass Wolfgang Möscheid und Bernd Werner ebenfalls nach Litauen einreisen dürfen. Bei mittelmässigem und regnerischem Wetter eilen die beiden im Laufe des Tages der Gruppe nach über 190 km in Richtung Vilnius. Wolfgang muss sich 2 Pullover anziehen. Die Stadt wird am Abend erreicht.

Morgen am 13. Juli ist ein Ruhetag in Vilnius angesagt.

Landkarte

 

Montag, 13. Juli 1998

In Litauens Hauptstadt

Vilnius. Am Morgen war eine Pressekonferenz. Dann haben wir eine Sightseeing-Tour durch die Stadt gemacht. Unsere Übersetzerin Ivika hat die Gruppe zu den Sehenswürdigkeiten geführt und einiges erklärt. Wolfgang und Bernd mussten unterdessen bei der Botschaft dem Visum nachrennen, um weiteren Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Danach ging man essen und schlafen. Es hat geregnet. Schon einen Monat.

  Orthodoxe Kirche

 

zur nächsten Etappe

 

update 18.12.98

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