TWIKE Challenge 98

 

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TWIKE Klub

Bericht über die zweite Etappe von Vilnius nach Oulu, 14. bis 27. Juli 1998

 

Dienstag, 14. Juli 1998

Es ist nass im Baltikum

Nach dem Aufenthalt in der litauischen Hauptstadt Vilnius beginnt die zweite Etappe der TWIKE Challenge 98. Es reisen mit: François Loeb, Alfred und Monica Geering, Max Batt und Heidi Oberli, Ernst Dörflinger, Wolfgang Möscheid, Hansjürg Brefin, Bernd Werner, Jonas und Ria Moser, Jürg Würtemberg und die Übersetzerin Ivika Vahtrik. Neu ist Michael Gugger in Vilnius dazu gestossen und hat Peter Johner abgelöst, dessen Ferien zu Ende gehen.

zur Liste der Teilnehmer

  Ernst Dörflinger mit Gästen

Telefon mit Wolfgang Möscheid am Nachmittag aus einem Verkehrskreisel bei Kubiski in Litauen, ca. 70 km vor der Grenze zu Lettland (fährt mit der Übersetzerin Ivika): "Es läuft soweit ganz gut. Jetzt regnet es gerade nicht, aber alles ist nass. Man braucht hier - weil es die bei uns gängigen Steckdosensysteme nicht gibt - archaische Methoden, um an die Energie zu kommen. Im Verteilerkasten schrauben wir unsere Adapterkabel fest. Aber das ist mühsam. Besser wäre es, mit dicken Klemmen direkt an die Drähte zu gehen. Das geht viel schneller zum Aufladen. Daher versuchen wir, hier im Ort die Kleinteile, die wir dazu brauchen gleich einzukaufen. - Wir kommen nicht dazu, die Bilder zu übermitteln. Von der Kamera in den PC und dann per E-Mail... da kriegt man keinen Anschluss unterwegs. - Heute Abend sind wir in Bauska, ca. 70 km südöstlich von Riga. Dort werden wir morgen sogar eine Polizei-Eskorte erhalten. Wäre eigentlich nicht nötig. Die TWIKE fahren auch alleine. - In Tallinn haben wir dann am Wochenende hoffentlich die Möglichkeit, ein paar Bilder zu übermitteln."

Landkarte

 

Mittwoch, 15. Juli 1998

Empfang in Riga

In Riga sind wir zwar nur einen halben Tag, dafür erleben wir die Stadt umso intensiver. Der Bürgermeister empfängt uns im "Rigadom" (Stadthaus) und lässt es sich nicht nehmen, selbst im TWIKE zu fahren. Wir laden die Batterien nach und fahren dann durch die Stadt. Unterwegs besuchen wir ein Automuseum. Darin sind allerlei kostbare Raritäten ausgestellt, z.B. Autos von Breschnew, Chruschtschow und Stalin. Das Museum wird im Rahmen eines Joint-Venture mit Audi betrieben und hat einen hohen Standard.

Wir werden in die Schweizer Botschaft eingeladen, die einen Empfang organisiert hat. Der Fahrer der Botschaft macht eine Lernfahrt mit dem TWIKE - und hat's ruckzuck geschnallt.

Im vielstöckigen Hotel Latvia ("Lettland") mitten in der Stadt parken wir die Fahrzeuge in der Garage. Dort finden wir Gelegenheit, einige kleinere Reparaturen vorzunehmen. François Loeb hatte beim Fahren über eine Schwelle die untere Fahrzeugabdeckung hinter sich gelassen, die nun wieder befestigt wird. Bei Jonas und Ria Mosers TWIKE justieren wir die Spur der Hinterräder. Das Fahrzeug hatte vorher auffallend mehr Energie verbraucht als die anderen.

  Blick aus dem Hotel

Landkarte

 

Donnerstag, 16. Juli 1998

Und wieder unterwegs

Wir sind unterwegs zur Stadt Pernu und haben eine Zwischenladung hinter uns. Unterwegs überqueren wir die Grenze von Lettland nach Estland - diesmal ohne Probleme. Auch in den kleineren Dörfern gibts mal Aktionen, wenn wir kurz anhalten. Die Stimmung im Team ist gut. Immer mal scheint die Sonne und es ist nicht zu heiss. Ab und zu sehen wir Windkraftanlagen. Die Sprache hier tönt wie finnisch. Es ist überraschend, wie viele Leute hier auch Deutsch als Fremdsprache sprechen. Die Gemeinschaft der Hansestädte, zu der z.B. auch Tallinn gehört, hat hier seine Auswirkungen.

Hansjürg Brefin antwortet auf die Frage, was er von der Reise halte: "In der Zeitung habe ich davon gelesen. Als zukünftiger Rentner hat mich dieses Abenteuer interessiert. Meine Familie hatte die grössten Bedenken und auch ich hatte ein mulmiges Gefühl, denn ich bin seit 25 Jahren wegen Rückenbeschwerden in Behandlung. Die erste Sitzprobe im TWIKE hat mich positiv überrascht. Zur Sicherheit habe ich ein Lammfell und Luftkissen auf die Reise mitgenommen. Der erste Tag führte uns von Bern nach Ravensburg. Am Abend entstieg ich dem TWIKE mit Begeisterung. Zum ersten Mal seit Jahren war mein Rücken absolut beschwerdefrei. Ich bin überzeugt, dass ich dies der Fortbewegungsart des TWIKE, nebst Batterie die Muskelkraft über Fahrradantrieb einzusetzen, zu verdanken habe. - Unterdessen sind wir in Estland unterwegs Richtung St. Petersburg (Russland) und haben über 3'000 km Fahrt hinter uns. Sollte auch auf der weiteren Fahrt mein Rücken trotz den unzähligen Schlaglöchern beschwerdefrei bleiben, so kann das TWIKE auch als Therapie für Menschen mit Rückenbeschwerden empfohlen werden. Die Krankenkassen würden dies sicher begrüssen."

"Mister Twike" Ralph Schnyder fliegt nach Tallinn, um einige Tage die Tour vor Ort mitzuverfolgen.

Landkarte

 

Freitag, 17. Juli 1998

Auf nach Tallinn

Die Fahrt geht zur Hauptstadt Estlands. - Gespräch via Funktelefon mit Ralph Schnyder und François Loeb um 21.15 Uhr: "Wir sind zu zehnt im VW-Bus und fahren gerade in ein Restaurant. Die Stimmung ist gut, besonders da es zum Nachtessen geht. - Nach der Ankunft in Tallinn sind wir von Estlands Staatspräsidenten Lennart Meri zu einem Apéro empfangen worden. Er wollte unbedingt das TWIKE selber steuern. Wir haben ihm die Bedienung erklärt. Es klappte prima. Seine Frau und seine Tochter wollten ebenfalls fahren. Mit von der Partie war auch das estnische Fernsehen, das ein Interview für die Tagesschau des Landes aufzeichnete. Statt der geplanten Viertelstunde dauerte die Begegnung mit dem Präsidenten ganze zwei Stunden. Er hat uns sogar angeboten, dass wir seine Sauna und den Badestrand am Meer benützen könnten. - Für eine Reihe von Journalisten gaben wir noch eine Pressekonferenz im Luxushotel Olümpia."

  Fahrkurs für den Präsidenten

Pressemitteilung der Handelskammer Schweiz Baltikum in Tallinn vom 17. Juli 1998: "Der Fahrzeugpulk ist heute in der estnischen Stadt Haapsalu eingetroffen. Die Teilnehmer werden um 12.30 von Staatspräsident Meri in seiner Sommerresidenz Paslepa empfangen. Um 17.30 werden die umweltfreundlichen E-Mobile von der Verkehrspolizei vom Vorort Keila nach Tallinn eskortiert, wo sie gegen 18.00 vor dem Hotel Olümpia eintreffen. Dort geben Nationalrat Francis Loeb sowie weitere Teilnehmer und der Vertreter der Handelskammer Schweiz Baltikum in Estland, Jürg Würtenberg, um 19.00 eine Pressekonferenz. Am 18. Juli werden sich die Fahrzeuge auf dem Rathausplatz dem breiten Publikum präsentieren. Der Aufenthalt in Tallinn endet mit einer Präsentation im Hotel Olümpia, wo u.a. die Wahl einer Miss TWIKE stattfindet."

Landkarte

 

Samstag, 18. Juli 1998

Ruhetag in Estland

  Ivika Vahtrik

Heute ist unser Tag, um die Hauptstadt Tallinn anzusehen. Ivika hält eine Stadtführung. Auf dem Rathausplatz stellen wir die TWIKE auf. Zu unserer Überraschung erscheint ein Chor und singt extra für uns.

  Aussicht auf Tallinn

Am Abend versammeln wir uns im Hotel Olümpia. Dort haben Bruno Stüger, Jürg Würtenberg und weitere Mitarbeiter der Handelskammer Schweiz-Baltikum mit grossem Einsatz eine TWIKE Präsentation organisiert. Eingeladen sind Gäste aus der estnischen Wirtschaft, Kultur und Politik. Ehrengast ist natürlich François Loeb als Präsident der Handelskammer Schweiz-Baltikum. Unter den aufmerksamen Zuschauern befinden sich auch der städtische Polizeipräsident, sowie TWIKE-Firmengründer und Geschäftsführer Ralph Schnyder.

Es folgen Referate von Hr. A. Kaldas (Estonian Road Administration), Hr. A. Valdmann (Stadtverwaltung Tallinn), Hr. Prof. T. Lehtla (Technische Universität Tallinn, Abteilung für Antriebstechnik und Leistungselektronik), Frau Dr. L. Lasn (Estonian Defence & Public Service Akademie), Hr. A. Hõbemägi (Verband der Maschinenbauindustrie Estlands), Hr. Prof. A. Keskküla (Rektor der Kunstakademie Estlands). Als weiterer Höhepunkt des Abends wird eine Miss TWIKE-Wahl durchgeführt. Die Preisträgerin Marilin Thalberg, von Beruf Shamponeuse, gewinnt eine Reise zu einem TWIKE-Anlass in Deutschland im nächsten Jahr.

Miss TWIKE
Marilin Thalberg, die estnische Miss TWIKE aus Tallinn

Auffallend ist die Helligkeit des Himmels bis spät am Abend. Die Morgendämmerung beginnt schon um 3 Uhr früh. - Heute können wir ein paar Bilder über das Internet auf die Homepage laden. Viel Zeit bleibt nicht. Denn morgen starten wir um 6.00 Uhr in Richtung estnisch-russische Grenze, wo wir uns nochmals einen Ruhetag am Meer gönnen.

 

Sonntag, 19. Juli 1998

Ostwärts an die russische Grenze

Die Gegend ist flach. Bei niederen Geschwindigkeiten erreichen wir Reichweiten bis zu 100 km. Da lassen wir manchmal eine Ladestation aus. Teilweise fahren wir andere Strecken als ursprünglich geplant. Die Übernachtungsorte sind unsere Fixpunkte. - Heute mit dabei ist auch Stephanie Würtenberg, die Tochter von Jürg. Wir fahren bis nach Narva-Jöesuu, nördlich von Narva an der russischen Grenze. Dort am Meer bleiben wir morgen.

  So weit zum Nordkap

Landkarte

 

Sillamäe und das nahe Narva (Bericht von der Schweizerisch-Baltischen Handelskammer, Tallinn, 29.1.99)

Der Grundstock zur ersten sowjetischen Atombombe wurde vermutlich in Sillamäe gelegt. Im Zuge des Wettrüstens hat die UdSSR in ihrem Machtbereich insgesamt 457'900 Tonnen Uranerz bearbeitet, davon 100'022 Tonnen in Estland. Die Anweisung, den kleinen Ostseekurort, in dem schon im vorigen Jahrhundert Wissenschaftler und Künstler, darunter Peter Tschaikowski, Erholung suchten, zur Wiege der Nuklearindustrie zu machen, stammte von Geheimdienstchef Berija persönlich. Der Ort wurde 1946 zur Sperrzone erklärt, sein Name verschwand von den Landkarten. Man sprach, wie von allen der Geheimhaltung unterliegenden Betrieben und Regionen nur noch vom "potschtowy jastschik" (Postschliessfach). Da die geringen estnischen Vorkommen natürlich nicht ausreichten, wurde das in der damaligen DDR, in Ungarn und der Tschechoslowakei von der sowjetischen Tarnfirma "Wismut AG" abgebaute Uranerz seit 1953 ebenfalls zur Anreicherung in die "Grauzone" befördert. Noch 1980 entstand ein neuer leistungsstarker Produktionszweig zur Bearbeitung nicht dem Standard entsprechenden Uranerzen.

Die benötigten Arbeitskräfte wurden grösstenteils aus Russland "delegiert". Ein heute 68-jähriger berichtet, er habe erst 1952 oder 1953 aus einer Sendung der BBC erfahren, dass der Ort, in dem er und sein Bruder nun lebten, einmal Sillamäe hiess und dass dort Uran angereichert wird. "Niemand hatte zu jener Zeit eine Ahnung, was Uran eigentlich war. Man sprach nur von einem Produkt 33." Dieses Produkt musste er mit einem LKW transportieren. "Man wurde für einen oder zwei Monate in das Werk zwangsverpflichtet. Wir arbeiteten 10-15 Stunden am Tag. Der einzige Gesundheitsschutz bestand aus einer Mullbinde vor Mund und Nase. An jedem Tor stand ein bewaffneter Wächter. Geschlafen haben wir direkt in den Hallen neben den Uranbehältern. Die Baracken der Siedlung 15 standen unmittelbar neben den Uranabfallhalden. Dort spielten Kinder und die Leute sonnten sich." Als er schliesslich an schwerem Asthma erkrankte, wurde er arbeitsunfähig geschrieben und erhielt nicht einmal eine Abfindung. "Wir waren viele. Heute bin nur ich noch am Leben", schliesst er seinen anklagenden Bericht. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die Anlagen in Sillamäe stillgelegt.

Was dem 10 Quadratkilometer umfassenden Stadtgebiet und seinen rund 20‘000 Einwohnern als Hinterlassenschaft blieb, sind die an der Bahnstrecke Tallinn-Moskau aufragenden Halden und ein 33 Hektar grosser "See des Todes", in dem insgesamt 1830 Tonnen Uran, 850 Tonnen Thorium und 7,8 Tonnen Radium lagern. 1999 beabsichtigt die zur Silmet Gruppe gehörende ÖkoSil Arbeiten zur Befestigung der Schutzdämme aufzunehmen. Insgesamt wird die Entsorgung des unmittelbar an die Finnische Bucht grenzenden Geländes 6 Jahre und mehr als 300 Millionen Kronen in Anspruch nehmen. Je 80 Mio. werden die EU-Mitglieder und die skandinavischen Staaten, 110 Mio. die Investbank dieser Länder gemeinsam mit der NEFCO (Umweltschutzfinanzierung) und 47 Mio. Estland dazu beizutragen haben.

Wer heute Sillamäe besucht, durchquert ein riesiges stillgelegtes ehemaliges sowjetisches Industriegebiet. Von Hochspanngsmasten hängen Leitungen herunter. Fabrikhallen mit zerschlagenen Fensteröffnungen. Unmittelbar daneben ein Wohnblock und Hochhäuserüberbauung mit Schule und Kindergarten. Und vor allem Menschen, meist Russen, im arbeitsfähigen Alter mit ihren Familien. Sonntags schieben Mütter ihre Kinderwagen durch die leeren Strassen. Nach der Wende schaukelte während Jahren ein Hochbaukran neben einem fensterlosen Rohbau im Wind vor sich hin. Zeugnis vergangener Sowjetwirklichkeit. Die Stadterweiterung war wie von Geisterhand gestoppt.

Einige Kilometer weiter ostwärts liegt die Stadt Narva mit ihren rund 70'000 Einwohnern mit einem Russenanteil von 80%. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde die herrliche Altstadt zerstört. Sie war Frontstadt. Ganze drei Gebäude haben das Bombardement überstanden. Die estnische Fünfkronen-Geldnote ziert heute die alte Festung direkt am Fluss. Sie ist heute ein Museum. Im Garten steht Lenin aus Bronze. Noch vor wenigen Jahren stand er im Zentrum der Stadt. Der Fluss Narva bildet die Grenze zu Russland. Manche sprechen von einer Arbeitslosenquote von 50%. Wer Arbeit hat, ist für das Textilunternehmen Krenholm tätig, für die Stadtverwaltung, in den Geschäften, beim Zoll oder beim nahen Elektrizitätswerk, welches mit unter Tage gefördertem Brennschiefer beheizt praktisch die gesamte Stromversorgung Estlands besorgt. In Narva lebt auch ein OSZE-Vertreter, welcher in Härtefällen beim kleinen Grenzverkehr behilflich ist.

Zehn Kilometer nördlich liegt Narva-Jõesuu, ein ehemaliges Urlaubsparadies für erholungsbedürftige Werktätige aus der Sowjetunion. Eine Reihe Sanatorien haben sich zu Hotels umfunktioniert. Der Sandstrand lädt im Sommer zum Bad in der Ostsee ein, wenige Kilometer von Sillamäe entfernt.

 

Montag, 20. Juli 1998

Abendregen über dem Meer

Einen Tag Zwischenhalt. – Wolfgang Möscheid abends am Telefon: "Wir haben ein bisschen am Strand relaxed, sind im Sand gelegen. Einige sind nach Narva gegangen und haben sich die Stadt angesehen. Die Fahrzeuge konnten wir in der Garage beim Hotel aufladen. Jonas und Ria Moser verlassen heute Abend die Gruppe und kehren via Tallinn in die Schweiz zurück. Sie verzichten darauf, für nur gerade zwei Tage ein russisches Visum zu beantragen. – Ansonsten klappt die Sache gut. Der VW-Bus kommt bis an die finnische Grenze mit. Ivika wird weiter als geplant bis nach Oslo mitreisen. Sie spricht Estnisch, Russisch, Finnisch und Englisch. Und sie kennt sich mit der Technik der Fahrzeuge aus und organisiert auch den Strom. Sie weiss, was eine 380 V Steckdose ist. – Jeder einzelne der Teilnehmer hat eine super Lebensgeschichte. Zum Beispiel der Ernst Dörflinger. Er war zwölf Jahre in Neuseeland und kam dann über Japan und China zurück. Oder der Max Batt. Er hatte während zwei Jahren eine kleine Druckerei in Kopenhagen. Jeder hat Sachen getan und etwas Besonderes in seinem Leben erlebt. – Heute war es bewölkt und hat mal geregnet. Jetzt ist es halb elf abends – eine Stunde später als in der Schweiz – und es ist so hell, wie wenn es bei uns in Deutschland acht wäre. Wir gehen jetzt nochmals an den Strand gucken. Es ist so schön. Es hat feinen Sand, kleine Muscheln und tolle Wellen, eineinhalb Meter – hörst du das Rauschen? Am Horizont sieht man die Lichter und Schornsteine der estnischen Stadt Sillamäe. Auf dem Meer fällt aus den Wolken der Regen aufs Meer runter – ein total irres Bild. Vom Land kommt ein hellrotes Leuchten hoch, oben ist es ganz grau im Himmel drin, die Wolken sind dunkelgrau bis hellgrau und der Regen ist ganz blau. Und es ist kein Mensch am Strand ausser wir. – Hier am Boden liegt ein Geldstück. Das passierte mir schon oft, dass ich sowas finde. Ich muss es dann jeweils aufheben, sonst denke ich, ich finde es das nächste Mal nicht wieder. – Es ist ein russisches 10 Kopeken-Stück, ein Vorbote von Russland. Viele Russen machen hier Urlaub, man hört in der Gegend nur Russisch. – Grüsse an alle zu Hause!"

 

Dienstag, 21. Juli 1998

Der Palast der Zaren

Grenzübertritt bei Narva, dann Fahrt durch Russland nach St. Petersburg. – Unterwegs liegt Petrodvorets (früher: Peterhof) an der Küste. Dort ist der grosse Palast der russischen Zaren, gegründet vom Zar Peter dem Grossen. Die Anlage wurde in den letzten Jahren neu restauriert.

  Narva

Landkarte - (Strassenkarte Finnland 1:1'000'000 von Kümmerly+Frey)

 

Mittwoch, 22. Juli 1998

St. Petersburg

   

In St. Petersburg konnte man einiges sehen. Die Erlöserkirche mit den Zwiebeltürmen. Die Stadt voll mit Menschen. Da geht was ab am Abend. Mit dem TWIKE war man auf dem riesigen Platz hinter der Hermitage. Das Fernsehen, Zeitungen, Radio war da. Super Stimmung.

   

Vom Schweizer Verein wurde die Gruppe begrüsst. Man servierte Borschtsch (russische Suppe) und kleine Pfannkuchen. Am Abend ging man noch aus, bis die letzte U-Bahn fuhr. Das Hotel war am Stadtrand.

  Challenge Team im Schweizerzentrum

Am Abend erreicht uns in der Schweiz die folgende E-Mail:

Hi. I live in Saint-Petersburg and today I saw your electric car in our city.
I want to buy your car and I want to know price of your car. Can You help me?

[Hallo. Ich wohne in St. Petersburg und sah heute ihr elektrisches Auto in unserer Stadt. Ich will ihren Wagen kaufen und möchte den Preis ihres Wagens wissen. Können Sie mir weiterhelfen?]

Mitteilung von Martin Bolliger, TWIKE Bern: "Die TWIKE Challenge ist nun seit drei Wochen unterwegs. In dieser Zeit haben die teilnehmenden Fahrzeuge gemäss Plan 3344.2 km zurückgelegt. In Tat und Wahrheit ist die Strecke wohl etwas länger geworden, da überschwemmte Gebiete in der Nähe von Wroclaw (Breslau), Polen, umfahren werden mussten. Das Wort, das zu diesem Anlass dem TWIKE Wörterbuch angefügt wurde ist ‚breslauern‘. Die folgenden Wörter, haben gemäss Faxmitteilung aus Tallinn im TWIKE Wörterbuch an Bedeutung gewonnen: Frühaufstehen, Lunchpaket, wunderschöne Landschaften und Blumen, Regen, Sonne, Gastfreundschaft und riesig viel Vergnügen. – Heute ruht sich die Gruppe in St. Petersburg aus, bei einem üblichen Pausenprogramm von offizieller Begrüssung, Pressekonferenz, Stadtrundfahrt, etc. Wir wünschen ihnen weiterhin alles Gute und viel Power. – Gruss, keep rolling!"

 

Donnerstag, 23. Juli 1998

Im Nordwesten von Russland

Ich versuche, über die russischen Funknetze mit der Challenge zu telefonieren. Knacken und Rauschen des Windes in den Drähten übertönt alles, was zu sagen wäre. Immerhin ist der Bericht der dritten Reisewoche angekommen.

  Wyborg

Später erfährt man mehr: Beim russisch-finnischen Zoll kam man gut herüber. Die beiden Deutschen mussten wegen der Visa-Gültigkeitsdauer einen Tag früher gehen, was ebenfalls klappte. Man musste dann im Zelt übernachten.

Landkarte

 

Freitag, 24. Juli 1998

Vorbei an finnischen Seen

Telefon nach Finnland: Das Team ist in der Nähe von Mikkeli in Vishulahti auf einem Campingplatz. Alle sind ok. Man kann schwimmen in den Seen. Man hat schönes, sonniges Wetter, nicht zu heiss, ideal zum fahren. Viele Leute sprechen Englisch. Die Stromstecker sind dieselben wie in Deutschland. Manchmal muss man etwas vorsichtig laden. Campingplätze sind ideale Standorte mit guter Infrastruktur.

  Fischerboot

Landkarte

 

Samstag, 25. Juli 1998

Quer durch die Wälder

Weiterfahrt mit den TWIKE nach Norden in Richtung Oulu. Die Etappe ist recht weit, nämlich 290 km. Am Abend erreicht man Iisalmi. Übernachtung auf einem Zeltplatz.

  Ernst Dörflinger

Von Ari Paanala (paanala(atsign)hytti.uku.fi, +358-49-579 016) aus Finnland erhalten wir am 23. Juli 1998, 13:54 Uhr die folgende E-Mail auf Englisch, in der er einige Zwischenladungspunkte bestätigt, die sich auf die Fahrt vom Wochenende betreffen. An verschiedenen Orten werden Journalisten erwartet.

"Hello, Charging places are ok in Pieksämäki, Suonenjoki, Kuopio, Iisalmi. In Suonenjoki and Kuopio Twike's are charging in energy company. In Iisalmi camping site has charging places and Pieksämäki there is two gasoline stations which are about 50 m from each other and there is three plugins. I will try to get better charging place from Pieksämäki and maybe one place more between Iisalmi and Kuopio. - Distances/Media: Mikkeli 78 km between there is place called Haukivuori. - Pieksämäki (local radio station) - 46 km - Suonenjoki (local newspaper) - 52 km - Kuopio (local newspaper, energy firms newspaper, radio, TV?) - 82 km - Iisalmi (local newspaper, radio)"

Landkarte

 

Sonntag, 26. Juli 1998

Wieder an der Ostsee

Wolfgang: "Mit einigen Journalisten machen wir Probefahrten beim Hotel. Am Abend gibt's noch eine Abschiedsparty für Mike Gugger. Er spendet eine Runde Sekt. Morgen fährt er mit dem Zug in die Schweiz zurück. Seine Ferien sind leider zu Ende. Je mehr man zusammen ist, desto besser lernt man sich kennen und freundet sich an. - Leider habe ich noch keinen Elch gesehen. Ich habe mal ein Foto gemacht mit der Ivika, wo ein Elch-Schild im Hintergrund ist. Aber wir hoffen, dass wir mal darauf stossen, um den berühmten Elch-Test machen zu können. Wenn der Elch genügend gross ist, dann fahren wir mit den TWIKE einfach unten durch..."

Landkarte

 

Montag, 27. Juli 1998

Erholung in Oulu

Wolfgang: "Wir sind heute den ganzen Tag in Oulu, können mal schön ausruhen. Auf dem Campingplatz hat es eine Sauna. Er liegt am bottnischen Meerbusen, der nördlichsten Spitze der Ostsee. Am Morgen ist das Wetter schön, am Mittag zieht es zu und bis am Abend gibt's einmal einen richtigen Sprutz. Aber jetzt ist es gerade gut. - Schön ist hier oben, dass die Stromversorgung bei den Parkplätzen einwandfrei gegeben ist. Die brauchen im Winter eine Vorwärmung für die Autos. Da haben die bei jedem Parkplatz eine Steckdose dran, 16 A abgesichert. Da können die TWIKE einzeln direkt angeschlossen werden. Es sind deutsche Schukostecker. - Alle Leute im Team sind in Ordnung. - Die Landschaft ist wunderbar schön. Es hat auf dem Weg Flechten, die an den Bäumen hochwachsen. Das lässt sich kaum in Worte fassen, wie hübsch das aussieht. Ich weiss nicht, ob das gut ist für die Natur, wenn das richtig zugewachsen ist am Boden, aber das ist ein tolles Aussehen. Sowas habe ich noch nie gesehen. Du guckst in den Wald rein, und der ganze Waldboden ist komplett mit Moos und Flechten überzogen, in allen möglichen verschiedenen Farben, gelb, rot, braun - alles was sonst nicht so üblich ist für so einen Waldboden."

 

zur nächsten Etappe

 

update 01.04.99

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