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Bericht über die dritte Etappe von Oulu ans Nordkap, 28. Juli bis 2. August 1998 Dienstag, 28. Juli 1998Ab in den Norden
Nach vier Reisewochen ist heute der Start der dritten Etappe von Oulu Richtung Nordkap. Während rund 70 km reist das Team mit den sechs TWIKE über schwedisches Gebiet, eine kleine Strasse einen Flusslauf hoch. Dann fährt man wieder auf finnisches Gebiet zurück. Landkarte - (Strassenkarte Finnland 1:1'000'000 von Kümmerly+Frey) Mittwoch, 29. Juli 1998EnergiesparendDer vierte Wochenbericht ist da! - Am Freitag wird man am Nordkap sein. Am Samstag ist Schweizer Nationalfeiertag. Anlass für Reden und Feuerwerk. - Für die Holländer und Flamen haben wir mit Hilfe von Freunden eine Spezialseite gemacht. Wieviel Strom brauchen die TWIKE für die Reise? - Schauen Sie sich die Seite an, wo wir den Energieverbrauch der Fahrzeuge von Bern nach Tallinn ausgerechnet haben. Für die Strecke von mehr als 3'000 km kostet der Strom weniger als 30 Franken! Donnerstag, 30. Juli 1998Die Strasse in LapplandEine Reise über die Grenze nach Norwegen durch spärlich bewohntes Gebiet. Lange Etappen, manchmal wird die Energie etwas knapp. Sparsam fahren, oder geschickt mit den Anwohnern verhandeln. In Schweden und Finnland war es etwas einfacher gewesen, Energie für die Fahrzeuge zu bekommen. - Gegen acht Uhr abends kommt die Gruppe ans Ziel. Freitag, 31. Juli 1998Nahe am ZielÜber das Funktelefon erreichen wir die Challenge im nördlichen Norwegen in der Finnmark, unterwegs nach Honningsvåg, einige Kilometer vor dem Nordkap. - François Loeb: "Es geht bestens. Wir sind gerade beim Abfahren nach dem Laden. Wir können praktisch nur noch an Tankstellen laden. Es hat wenig Strom, schlechte Sicherungen. Wir wollten eine Stunde laden, jetzt haben wir zwei gebraucht." Wolfgang Möscheid (etwas später): "Der François hat mir schon mehrmals gesagt, ich hätte mein Telefon immer aus. Aber ich hatte immer darauf geachtet, das ich's anhatte. - Wenn man hier diese Landschaft entlangfährt, merkt man immer stärker, dass die Vegetation zurückgeht. Da hat man vereinzelt Büsche stehen und Steine und Gräser dazwischen. Vorhin hat Ivika einen Elch gesehen. Auch Rentiere. Eins war mal ganz zutraulich, war bei den Fahrzeugen, direkt wo wir über den Polarkreis rüber sind. Es kommt oft vor, dass man fährt und da kommt einem einfach ein Rentier entgegengelaufen. Macht halt gar nichts. Anhalten? Da läuft's doch weg. Und da fragen die von hinten, warum haltet ihr an, was ist denn los? - Wir fahren im Moment an zwei Häuschen vorbei, da gibt's Felle zu verkaufen und Geweihe. - An die Nordkap-Spitze gehen wir erst morgen. Wir fahren jetzt mit ungefähr 60 Sachen einen Berg ab. Läuft alles sauber. - Schönen Gruss..." Mitteilung der Handelskammer Schweiz-Baltikum in Tallinn: "TWIKE Challenge 98. - Nach ihrer Osteuropatour werden die Fahrzeuge morgen am Nordkap eintreffen. In der estnischen Presse findet sich noch immer eine starke Resonanz auf den hiesigen Aufenthalt des Konvois. So brachte die in Russisch erscheinende Wochenzeitung "Kupetscheski gawan" (Handelshafen) einen ausführlichen, gut illustrierten Bericht, in dem sie vor allem die umweltfreundliche Einstellung der Schweizer Industrie hervorhebt, die als Antriebsstoffe vor allem Wasserkraft oder Sonnen- und Windenergie zum Einsatz bringen will. Wer die Route der TWIKE verfolgen möchte, kann das im Internet tun. Auch in Russland sind einige Beiträge erschienen. So brachte der landesweite russische Sender ORT am vergangenen Samstag vor einer Woche einen Bericht über die TWIKE-Präsentation in St. Petersburg. Michael Ptrov (russischsprachiger Moderator beim estnischen Fernsehen) hat die Gruppe bis Petersburg begleitet und erstellte eigens einen Beitrag für TWIKE mit russischer Moderation. François Loebs Gruppe am Nordkap und dem TWIKE-Team wünschen wir einen fröhlichen ersten August." Samstag, 1. August 1998Ankunft am Nordkap
François Loeb in Honningsvåg, 10.15 Uhr: "Wir fahren um 13 Uhr zum Nordkap hinaus. Ich bin jetzt noch im Hotel - am waschen. Gestern sind wir gut angekommen, mit ein wenig Energieproblemen. Einer musste schieben, die anderen sind gerade knapp über die Kuppe gekommen. Es haben sich dann alle wieder gefunden. Das Gelände ist sehr coupiert, und es hatte am Schluss noch ein steiles Stück. Jetzt am Nordkap beginnen die Berge bis Oslo. - Ich wünsche allen einen schönen 1. August!" Gegen Mittag stossen Martin Bolliger, Susanne Stalder und Monika Witschi aus der Region Bern zum Team der Challenge.
Am Nordkap findet eine Führung durch das Ausstellungszentrum statt. Aus dem Büro hat man Stecker herausgelegt, um die TWIKE nachzuladen. Am Eingang ist ein Tor aus Steinen aus der Umgebung. Dann ein schöner, warmer Raum - draussen ist es bitterböse kalt und richtig neblig, man sieht keine 50 Meter weit. Innen ist einer der grössten Souvenirläden Skandinaviens integriert, auf verschiedenen Stockwerken. Oben hat es eine spezielle Hotel-Suite für jemanden, der heiratet, die Suite 71° 10' 21'', weil das gerade die Koordinaten des Nordkaps sind. Dort findet gerade eine Hochzeit statt und die Gäste werden bewirtet. Das Restaurant im Gebäude ist sehr teuer, das Essen ist sehr gut, aber ein Hamburger kostet 50 Kronen, d.h. rund 10 Franken. Dann geht es nach unten, wo Ausstellungen sind. Es hängen zum Beispiel Möven an der Wand und man hört die Geräusche der Vögel. Unten hat es ein Kino mit einer Panorama-Leinwand. Der Film zeigt das, was es hier oben gibt, einen Überflug über das Nordkap, eine Bootsrundfahrt, ein Tauchgang ins Meer, Blumen, Rentiere usw. Durch einen 90 Meter langen Tunnel gelangt man zur Kings View, einer Plattform im Fels, von wo aus man aufs Meer hinaus sehen kann. Im Gang sind Dioramen zur Geschichte des Nordkaps zu sehen. Es gab früher ein englisches Schiff mit 48 Soldaten, die wollten den nördlichen Seeweg nach China erkunden. Nachher sind sie bis nach Russland gekommen und dort sind die meisten gestorben, weil sie die winterliche Kälte in Murmansk nicht ausgehalten haben. Vorne am Nordkap steht ein Globus von zwei Metern Durchmesser, der vom Wind bewegt wird. Man fragt, ob man das TWIKE hinfahren darf. Es werden Bilder mit dem TWIKE und der schweizerischen und einer kleinen deutschen Fahne gemacht.
Es hat ein Postbüro mit einem eigenen Nordkap-Stempel und ein paar Briefkästen. Das Porto für eine Karte kostet rund 1.20 Fr. - Nach der Nordkapbesichtigung ist eine Grillparty mit dem Bürgermeister in einem Ort in der Nähe. Hansjürg Brefin hat eingeladen, da er von hier aus wieder zurückgeht. Per E-Mail haben wir ein Angebot erhalten, dass jemand den TWIKE-Prospekt auf Afrikaans (die Sprache Südafrikas) übersetzen will. Grosses Erstaunen. Später bekommen wir folgende Mitteilung, welche die Sache erklärt: "(...) When you wrote you were leaving for the Cape, I assumed you went on a trip to South Africa !!! That's why I volunteered to translate the prospectus in Afrikaans ! Never crossed my mind it would be the *North* Cape... - I only got wise when I read you were to join the Challenge. (...)" - [auf Deutsch: ... Als du schriebst, du gehst zum Kap, nahm ich an, du gehst nach Südafrika!!! Deshalb wollte den Prospekt ins Afrikaans übersetzen. Es kam mir nie in den Sinn, dass es das *Nordkap* sei... - Ich kam erst draus, als ich las, du gehst zu Challenge. ...] - Stattdessen bekommen wir nun eine Übersetzung ins Holländische. Vielen Dank!
Sonntag, 2. August 1998Bunte HäuserFrançois Loeb und Hansjürg Brefin machen mit der Coast Line Fähre einen Ausflug nach Hammerfest. Die Hinfahrt dauert von 7 bis 12 Uhr. Das Schiff hat 7 Stockwerke und legt längs der Küste an mehreren Orten an. In Hammerfest gehen sie als Mitglieder zum "Bären-Club" (Royal Bears Club). Sie haben Zeit, die Stadt anzusehen, den Wochenbericht zu schreiben und zu telefonieren. Die Rückfahrt am Abend dauert von 19 Uhr nur noch zweieinhalb Stunden, denn die Katamaran-Fähre saust doppelt so schnell. - Unterdessen geniessen die anderen den freien Tag in Honningsvåg. Telefon mit Wolfgang Möscheid (15 Uhr): "Ich bin gerade am Essen.
Nein du störst nicht, es ist nur ein Brot. Dann kommt Martin Bolliger und wir wollen
losgehen und zusehen, ob wir ein paar digitale Bilder überspielen können. Ich hab
jemanden gefunden hier im Ort, zufällig mitten in der Nacht, der mir helfen wird, damit
es etwas flotter geht. Die Leute hier oben sind sehr zugänglich und interessiert. Im Hotel, wo wir im Moment sind, da haben wir einen Ausblick auf die typische Hafenlandschaft hier in Skandinavien. Mit den kleinen Fischerbooten, überall Möven, die da rumsitzen. Dann diese verschiedenen Farben an den Häusern. Da steht zum Beispiel ein Mast zum Be- und Entladen von Schiffen, der ist ritzekratzegrün. Und daneben steht ein Haus, das ist einfach weiss und hat blaue Türen und blaue Fenster. Dahinter kommt eins, das ist gelb und rot. Das ist total vielfarbig und sieht richtig gut aus. Die Sonne steht jetzt wieder nach Südwesten und das leuchtet jetzt genau auf diese Stadt Honningsvåg. Die Gelbtöne sind eher ockerfarben, nicht so grell. Aber blau und grün sind teilweise recht grelle Farben. Dann verschiedenste Rottöne."
update 05.12.98
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