TWIKE Challenge 98

 

CHALLENGE 98
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TWIKE Klub

Bericht über die vierte Etappe vom Nordkap nach Oslo, 3. bis 17. August 1998

 

Montag, 3. August 1998

Die Rückkehr beginnt

  Zur Orientierung

Der fünfte Wochenbericht ist da. - Heute ist Abfahrt zu den Fjorden Norwegens in Richtung Trondheim, das man in 10 Tagen erreichen will. Dort wird der nächste Ruhetag sein.

Hansjürg Brefin reist mit dem Flugzeug über Tromsö und Oslo in die Schweiz zurück. Seine Ferien sind hier fertig. Er erreicht Zürich Kloten mit dem Flug SK 611 um 18.11 Uhr. Gepäck hat er nicht viel dabei, da als Regel galt, möglichst nicht mehr als 10 kg mitzunehmen, damit die Fahrzeuge nicht zu schwer werden. - Von den Bildern, die er auf Diskette mitbringt, ist zunächst nur das offizielle Zertifikat vom Nordkap lesbar, die anderen sind in einem kryptischen Format gespeichert, wofür wir zuerst Software besorgen müssen...

  François Loeb bei Alta

Am Abend fährt das Challenge-Team in Alta ein. Dort gibt es ein Museum mit sehr alten Felszeichnungen.

  Felszeichnung

 

Dienstag, 4. August 1998

Im Bilderbuch

  Fjord

Das Team fährt mit den 6 TWIKE entlang der Fjorde der Westküste Norwegens langsam gegen Süden. Es ist eine skandinavische Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Das Wetter ist schön, aber kalt. Die Strecken sind richtig Berg- und Talbahn, man hat das Gefühl, man sei in der Schweiz. Die Tour führt heute über einen Berg, da gehts 6 km nur bergauf. Es war genau berechnet, dass alle hochkommen. - Die Landkarten sind nicht so supergenau, aber sie reichen.

    Bergmotel

 

Mittwoch, 5. August 1998

Steine, Schnee und Spannung

Telefon am Mittag mit Wolfgang Möscheid: "Seit dem Nordkap fahren Susanne Stalder, Monika Witschi und Martin Bolliger mit. Die Susanne ist Geographiestudentin und hat sich gleich ein paar Steine mitgenommen, weil die einfach so schön geglitzert haben. - Es hat in letzter Zeit sehr gutes Wetter für uns zum fahren. Es ist mal sonnig, dann hat es wieder Wolken, es ist nicht zu kühl und nicht zu heiss. Dann fahren wir hier durch eine Gegend durch - das kann man sich kaum vorstellen. Da reichen die Berge bis auf 1'400 m Höhe und fallen direkt an der Küste ins Meer ab. Wir fahren an der Küstenstrasse entlang. Manchmal haben wir nur 50 m bis zum Wasser, auf der anderen Seite gehts vielleicht 700 m den Berg hoch. Das ist eine ganz irre Landschaft. Dann hats oben auf den Bergen Schnee, teilweise richtige Gletscher. Gestern habe ich den ersten Schneeball geworfen! Da waren wir oben auf einem Berg-Motel, mit einer tollen Umsicht, mit der Sonne, die hier gar nicht richtig untergeht. Dann werden die Wolken in ein dunkelrotes, fast lilafarbenes Licht getaucht, von unten her angestrahlt. Das spiegelt sich auf dem Wasser zurück, ein irres Lichtspiel entsteht dabei. - Für den Bau der Küstenstrasse mussten sie ein Stück vom Berg wegreissen. Dann siehst du die ganzen Verschiebungen von den Steinen, wie das da aufgeschichtet ist, wie die verschiedenen Kalkschichten zwischen den Schieferplatten drinliegen, wie das Wasser runtersprudelt, das ist ganz Klasse. - Die Lademöglichkeiten sind in letzter Zeit so, dass wir meistens auf 220 Volt-Steckdosen zurückgreifen. Bei den 380 Volt-Dosen geht die Spannung runter, wenn man drangeht. Die haben eine ganz komische Verschaltung. Manchmal fehlt ganz einfach eine Phase. Wir verteilen dann die Fahrzeuge auf mehrere Standorte in der Nähe. Jetzt sind wir an einer Bank dran, an einer Tankstelle und in einem Lackierbetrieb, aber die sind dicht beieinander. - Wir sind jetzt beim Essen. Wir haben ein Lunchpaket, das uns das Berghotel gestern abend vorbereitet hat. Es ist gut gepackt und schmeckt auch toll. Es gibt verschiedene Brötchen. Da ist Lachs drauf, da eine Art Frikadelle, auf dem nächsten Käse, dann Gurken, Tomaten, richtig schön gemacht. Die Fähre fährt erst 12.45, bis dahin haben wir Zeit zum Essen und die Fahrzeuge sind dann auch voll geladen. - Wir nehmen die Fähre von Olderdalen quer über den Fjord, so dass wir nicht den langen Weg in den Fjord hinein fahren müssen. Bisher haben wir das noch nicht gemacht, es ist das erste Mal. - Die Stimmung in der Gruppe ist gut. - Schönen Gruss da runter!"

 

Donnerstag, 6. August 1998

Sprachbrücken

  Monica und Alfred Geering beim Steinmännchen

Die Tour fährt den Fjorden südlich von Tromsø entlang. - Pro Tag wird etwa 180 km gefahren, so dass man abends genügend früh ankommt. Man trifft auf dem Weg immer wieder Leute, die anhalten und erzählen, sie hätten schon von der Tour gehört. Ein Fahrradfahrer wird von jemandem darauf aufmerksam gemacht, der mit dem Auto fährt: "Da sind welche mit Elektromobilen mit Fahrradantrieb unterwegs." - Einige haben es  aus einer ganz anderen Ecke der Welt schon mal gehört.

Wolfgang: "Manchmal habe ich beim Norwegischen das Gefühl, dass deutsche Worte mit hereingemixt sind. Zum Beispiel wenn ich Schilder sehe wie 'Arbeitsvermittlung' oder 'Restabfall' auf der Tonne, wo ich grad hingucke. Ich sehe einfach ein Wort und kann es tatsächlich lesen, weil es ähnlich geschrieben wird. Dann hat es manche Worte, die ähnlich gesprochen werden. Wenn jemand spricht, habe ich das Gefühl, da fehlt mir der Faden dazwischen. Da müsste man sich eine Weile reinarbeiten, dann würde das schon gehen."

 

Freitag, 7. August 1998

Schlafende Käfer

Wolfgang Möscheid abends auf dem Camping in Ulvsvåg: "Die Gegend besteht aus Granitfels. Steile Berge, die richtige scharfe Spitzen oben drauf haben. An den Hängen sieht man kaum noch Waldung, weil das so glatt ist, dass nur ab und an in einer Spalte Gras oder Bäume halten. Manchmal ist es wie eine grosse Steinplatte, die in einem Stück vom Berg her runter geht. So kenne ich die Berge normalerweise nicht. Sonst habe ich immer das Gefühl, da müssten Steinbrösel oben rumliegen. - Manchmal sieht man Bohrungen. Dort wurde weggesprengt, um die Strasse zu bauen. Die ist gut, geht oft rauf und runter. Wir sind heute über eine Brücke gefahren, am Nachmittag ein Stück mit der Fähre bei Narvik. Wir waren nur kurz dort. Interessant war, wieder einmal ein paar Hochhäuser zu sehen. Die hat es auf der ganzen Tour seit Oulu nicht mehr gegeben."

"Wir sind darauf gekommen, wie man jemandem transparent machen kann, wieviel Energie in die Batterien hineingeht, und warum man sie ganz leerfahren soll: Wir haben 'Ampèrekäfer' in unseren Batterien. Die müssen, wenn wir sie einladen, entsprechend eingelagert werden. Zuerst werden sie vom Netz einfach nur so reingeschüttet. Wenn die da reinkommen, hat es natürlich viel Freiraum dazwischen. Dann werden sie in langer Zeit bei der U-Ladung nochmals durchgeschüttelt, so dass sie schön ineinander stapelbar reinfallen. Ganz zum Schluss, wenn die U-Ladung beendet ist, hat es bei einer Batterie noch ein paar, die einfach oben draufliegen, in einer anderen Batterie fehlen noch ein paar. Bei der Symmetrieladung werden sie nochmal verschoben, so dass die Ampèrekäfer ganz genau verteilt sind. Insgesamt hat man 8'400 Stück da drin. Und die können dann durch die kleinen Kabel am besten bei kleinen "Strömen" zu dem Motor hinfliessen. Wenn du viel Strom nimmst, dann gibt es Verluste in den Kabeln, weil sie sich da drin klemmen. Dann werden die Kabel einfach warm. - Dann kommt noch ein Punkt dazu: Warum denn ganz entladen? Das ist ganz klar. Wenn die Ampèrekäfer langsam entnommen werden, und du lässt die letzte Reihe unten drin, dann fängt die an, einzuschlafen. Und darum sollte man sie alle benutzen, um dann wieder neue reinzugeben. - Die Susanne und der Martin sind auf diese Idee gekommen. Beim Essen."

 

Samstag, 8. August 1998

Minutenpost

  Auf dem Weg nur Rentiere, keine Elche...

Die TWIKE Challenge ist auf dem Weg nach Rognan. Unterwegs werden verschiedene Fahrweisen ausgetestet. Was ist besser, langsam und gemütlich zu fahren? Oder etwas schneller, um mehr Zeit zwischendurch zu haben? Die einen ziehen es vor, unterwegs etwas mehr Seitenblicke zu werfen, die anderen nutzen die längeren Fahrpausen. Am Abend die Bilanz: es ist besser, zusammen zu fahren. Man schätzt den familiären Kontakt untereinander und die gemeinsamen Erlebnisse.

n980808_wolfg_moni_fredac_d.jpg (7911 Byte)  Wolfgang, Monica und Fredacc

Heute war es möglich, ein paar Fotos der letzten Tage über die Telefonleitung nach Hause zu senden.

  Balanceakt

 

Sonntag, 9. August 1998

Zurück über den Polarkreis

Die heutige Etappe von Rognan nach Korgen führt über den Polarkreis, wo Tag und Nacht sich begegnen.

  Ohne Schild würde man den Polarkreis nicht bemerken

Wolfgang Möscheid: "Ich bin gerade fertig mit Essen. Wir sind jetzt in Korgen. Das Korgen Vertshus ist direkt an der Strasse gelegen. Ein schönes kleines Hotel. Der Martin, die Monika, die Susanne, der Bernd und ich fahren jetzt gleich noch auf einen Camping direkt am Wasser. Wir haben dort schon ein Hüttchen gemietet. Es sind alle wohlauf. Die Heidi ist schon zu Bett gegangen, sie war müde. - Im südlicheren Teil der Strecke werden die Städte so, wie es bei uns Standard ist. Auch die Tunnels, die waren früher einfach nur so in den Fels geschlagen, jetzt sind sie innendrin verkleidet. Landschaftlich ist es ähnlich, wie das, was wir in den letzten 3-4 Tagen gesehen haben. - Wir sind jetzt wie eine grosse Familie geworden. Man stimmt sich miteinander ab über zig Sachen, die verschiedenen Essenspakete, die wir morgens mitnehmen, die Tüten, wo wir Marmelade drinhaben fürs Frühstück. Es läuft eigentlich jeden Tag aufs gleiche raus, nur dass man schöne, verschiedene Orte zwischendurch hat, die wir uns angucken können. Dann setzen wir uns zusammen und erzählen dies und das, jeder erzählt aus seinem Leben ein paar Sachen. Das ist echt interessant, was da abläuft. Heute war ich zum Beispiel mit dem Ernst unterwegs. Dann haben wir uns unterhalten, wie es denn so aussieht mit der Sportlichkeit im TWIKE und so weiter. Er fragt danach, ob es möglich ist, mal eine Service-Schulung mitzumachen, um dann später selbst grosse Reisen zu unternehmen. Er hat im Moment noch die Angst, was passiert, wenn mal etwas defekt geht. Ansonsten hat er unheimlich Spass an dem Fahren mit dem TWIKE, weil er früher auch viel Tandem-Reisen gemacht hat durch die ganze Welt. Es reizt ihn, das mit dem TWIKE weiterhin zu machen. Er hatte mal Probleme mit seinen Knien gehabt. Seit der Zeit, als er im TWIKE mittrainiert, sei das auch besser geworden. Nicht nur der Hansjürg, sondern auch der Ernst sagt, dass es ihm gesundheitlich besser geht im TWIKE. Also ist das tatsächlich ein therapeutisches Gerät. - Der Bernd sagt gerade, das bezahlt keine Krankenkasse. - Das Interessante ist, dass man die Leute immer näher kennenlernt, was macht der eine, was macht der andere."

  Blicke unterwegs

 

Montag, 10. August 1998

Die TWIKE-Piloten

  Pilot Loeb

Hier ist François Loeb mit der Fliegermütze, die er in St. Petersburg gekauft hat, mit integriertem Funkempfangskopfhörer. Inzwischen hat ihm Bernd Werner das Kabel mit dem Tape Player verbunden, so dass er nun Mozart in seiner Mütze hat.

Heute geht die Fahrt von Korgen über Mosjøen und durchs Gebirge nach Trones.

  Regenwetter

Susanne Stalder: "Ich finde die Reise sehr schön. Norwegen gefällt mir sehr. Man fährt nicht so schnell und kann die Natur gut geniessen, dazwischen anhalten, aussteigen und Föteli machen. - Es ist streng. Wir stehen früh auf und gehen spät ins Bett. Wir könnten früher ins Bett, wenn wir vernünftig wären. Aber wir reden noch vier Stunden bis um Mitternacht oder ein Uhr. Manchmal gehen wir abends schwimmen im Meer oder im See, wo wir gerade sind. Selber schuld."

François Loeb: "Prima. Ich brauche nach diesen Wochen eine Entwöhnungskur..."


Monica Geering, Mike Gugger, Bernd Werner, Ivika Vahtrik, Heidi Oberli, Max Batt

 

Dienstag, 11. August 1998

Grillen am Wasser

  Der Ort "Strompedalen"

Der Bericht der sechsten Woche vom Nordkap nach Korgen ist da! - Einige kleine Bilder (zum anschauen) oder einige grosse Bilder (für die Presse).

  Panorama aus dem TWIKE

Wolfgang: "Die Strecke ist so schön zu fahren. Jetzt kommen wir wieder in eine Gegend mit grösseren Städten. Einmal hatten wir Halt gemacht an einem Camping. Im Grunde genommen hatten wir es nicht nötig zu laden oder was einzukaufen. Aber es war dann so schön dort! Es ist einer der sechs grössten Seen* hier, 42 Kilometer lang. Eine Landzunge ging raus in den See hinein. Dort haben wir uns an die Spitze hingestellt und sind dann mal ein bisschen ins Wasser waten gegangen, die Susanne war ganz weit draussen. Das war so bitterbös kalt, wenn du am Anfang reingegangen bist. Aber nach einer Weile merkst du, in dem klaren Wasser gabs so viele Sachen zu sehen, und du standest einfach dort und hast dann gar nicht mehr gespürt wie kalt es tatsächlich ist, weil sich wie ein Wärmemantel um deine Haut drumrum gebildet hat. Und dann haben wir einfach kurzerhand beschlossen, wir bleiben dort zum Grillen. Da haben wir im nächstgelegenen Laden ein paar Würstchen geholt und Grillkohle, haben uns dort hingesetzt, nachher hat der Max dann auch noch richtiggehend Feuerholz zusammengesucht und wir haben dann schön grilliert an der Ecke. Wunderbar! - Während die einen schon angefangen haben zu grillen, sind dann Susanne, der Martin, die Ivika und ich rudern gegangen zu so einer kleinen Insel rüber und haben uns dort eben mal umgeschaut. Da hats ein kleines Häuschen drauf gegeben, mit Sauna sogar. Das ist mit Sicherheit auch toll, wenn man da eine Weile mal übernachten kann. Danach sind dann Fredacc und Monica nochmals losgerudert über den See."

* Der See heisst Snåsavatnet zwischen Heja und Steinkjer

 

Mittwoch, 12. August 1998

Stadtwärts

Heute steht die Fahrt nach Trondheim auf dem Programm. Man kommt sehr gut voran.

  Da gehts noch ein Stück bis Trondheim

Wolfgang Möscheid abends um elf am Telefon: "Im Moment sitzen wir im Café 'Bare Blåbær', das heisst in der Bar Blaubär. Wir sind in Trondheim gut angekommen und haben die Fahrzeuge in der Stadt aufgestellt bei einem Kreisel mit einem Monument, so wie ein Marktplatz mitten in der City. Dort haben wir auch eine Ladestation, die uns zur Verfügung gestellt worden ist. Zwanzig Meter weiter ist das Hotel Augustin, da übernachten die meisten. Martin, Monika, Susanne, Bernd und ich haben uns nach einer günstigeren Möglichkeit umgeschaut. Und da sind wir auf das Studentenheim gekommen, das von aussen richtig toll aussieht, aber sie sind schwer am umbauen drin. Es gibt Zimmer, die sind etwas grösser, als wirs sonst gewohnt sind. Das kleinste ist ein Zwölfbettenzimmer, das grösste ein Dreiundvierzigbettenzimmer. Wir sind beim kleinsten gelandet. Teilweise liegen Matrazen am Boden, die mit Nummern versehen sind. Wir haben Nummern bekommen und danach dürfen wir uns auch schlafen legen."

  In der Mensa des Studentenhauses

Martin Bolliger: "Es ist eine sehr gute Stimmung hier. Ganz lustig. Alles mögliche ist lustig. Es ist so friedlich. - Schade, dass ich nicht weiter gebucht habe, kann ich dir sagen!" - Man wird wieder andere Reisen erfinden... - "Die Kantine ist sehr schön. Viel Stahl, Drähte und Holz, sauber gemacht."

"Der Verkehr auf der E6 (das skandinavische Pendant zur Route 66) nimmt gegen Süden stetig zu, sodass wir unsere Reisegeschwindigkeit erhöhen müssen, beziehungsweise dürfen. Vor einigen Tagen haben wir den Polarkreis von Norden her wieder überfahren und wir sind nun endgültig wieder in die Zivilisation eingetreten. Es gibt wieder echten Kaffee aus dem Kolben und die Luft ist verziert mit Düften von Parfum, Küchen, Bäckereien und anderen angenehmen Dingen."

 

Donnerstag, 13. August 1998

Mode im alten Trondheim

Aufenthalt in der früheren ersten Hauptstadt Norwegens. - Martin Bolliger: "Endlich wieder ein Tag zum Ausschlafen. Nach einigen Regentagen scheint seit vorgestern wieder die Sonne. Einige gehen hinauf das grosse Schloss anschauen und die Stadt. Heute nachmittags um vier machen wir Probefahrten in der Stadt. Die Ankündigung dafür war heute früh in der Presse. - Es hat viele farbige Häuser, zum Teil uralte Holzhäuser, die gebaut sind wie bei uns die Steinhäuser. Drei- bis vierstöckig, mit Brandwarnanlagen überall. Eine richtige Stadt, klein zwar, aber mit dem Flair einer Stadt. Man bekommt richtigen Kaffee, die Frauen laufen mit schönen Kleidern umher, Jupes und modischen Schuhen. Es riecht nach Parfum. Vorher war alles etwas wild, nur Campers... - Wir sind nahe bei Oslo. Noch drei Tage, dann sind wir dort. Es freut sich niemand, die Tour wieder zu verlassen. Weder die Berner, noch die Ivika, noch der Fredacc. Leider hat es keine freien Plätze mehr bis Hamburg, alles ausgebucht."

  Auf dem Stadtplatz

Von Bern bis ans Nordkap haben wir den Energieverbrauch ausgewertet: François Loeb ist am sparsamsten gefahren von allen. Er hat für weniger als 40 Franken Strom verbraucht für die 5'900 Kilometer! - Die Zahlen.

 

Freitag, 14. August 1998

Lesen, filmen und telefonieren

Weiter gehts mit den 6 TWIKE von Trondheim nach Hjerkinn.

Wolfgang: "Ich hab mir zwei Bücher auf die Reise mitgenommen, über solares Heizen und Heizen mit Holz. Das sind meine Themen, wenn ich wieder zurückkomme. Mittlerweile hab ich nicht einen einzigen Blick reinwerfen können. Und wenn, dann müsstest du schon längere Zeit haben. Ich lasse die Umgebung auf mich wirken und sag mir: Verrückt, wenn ich hier in ein Buch gucken würde. Wo ich, wer weiss wann, vielleicht in nächster Zeit gar nicht mehr hinkomme."

  Unterwegs werden die Road Phones abgehört

Wer hat sich schon gefragt: Wie geht denn das mit der Übermittlung der Bilder von unterwegs ins Web? - Hier die Lösung des Rätsels: Die Challenge-Crew führt eine Panasonic DV Videokamera mit, von der aus Einzelbilder auf einen Laptop überspielt werden. Bei lokalen Freunden sendet man die Bilder per E-Mail an den Webmaster, der sie ins Web einbaut. Gelegentliche Telefongespräche mit den Teilnehmern liefern weitere Geschichten.

  Unterwegs am Abend

 

Samstag, 15. August 1998

Nebel und Gesang in Lillehammer

Heute erreicht das Team die Stadt Lillehammer.

Wolfgang Möscheid: "Wir sind gestartet von einem Berg, wo wir übernachtet hatten. Morgens früh aufstehen, da hast du rausgeguckt, und 30 Meter über dir hast du Nebel gehabt, so einen dichten Nebel, weil wir direkt im Berg waren. Die Höhe war 1'609 Meter an dieser Ecke. Dann sind wir dort gestartet und durch das ganze Tal runtergefahren. Durch diese Nebelschwaden hast du nicht richtig durchsehen können, aber das Licht war trotzdem so intensiv, dass das ganze Umfeld am Leuchten war. Normalerweise hast du die Sonne, und dann leuchtet irgendwas zurück von den Blumen, von dem Grün und so weiter. Jetzt hast du keine direkte Sonne gehabt, trotzdem ganz intensives Licht durch den Nebel. - Von dort aus gehts immer nur talwärts, bis nach Oslo hinunter. Die Strecke war dermassen wunderschön gewesen, wo wir immer wieder an Wasserfällen vorbeigefahren sind und wo sich die Strasse schön an den Berg entlang angeschmiegt hat, so dass du immer die Kurven ausnutzen konntest. Wir haben es dann schön abrollen lassen. Das war eine super Strecke. - Lillehammer ist eine wunderschöne Stadt. Sie haben hier viel neu gebaut für die olympischen Winterspiele, die 1994 stattgefunden hatten. Es scheint, dass es eine absolut jugendliche Stadt ist. Viele Jugendliche unterwegs, von einer Party zur anderen. Am Abend sind wir in ein Pub ausgegangen. Die machen da Karaoke. Das heisst, da spielt jemand am Klavier und jemand kommt ans Mikro ran und dann haben sie so einen kleinen Bildschirm und können dann Karaoke dazu singen. Manchmal hat es recht gute Sänger dabei."

 

Sonntag, 16. August 1998

Oslo und seine Schiffe

  Die Familie Schnyder in Norwegen

TWIKE-Erfinder Ralph und Jane Schnyder mit Sohn Adrian (4) sind in Oslo eingetroffen. Das Team der TWIKE Challenge erreicht Oslo um fünf vor acht Uhr abends.

Wolfgang Möscheid: "Hier hat es eine tolle Stimmung mit den Schiffen, die im Hafen liegen. Dann hat es richtige alte Wikingerschiffe liegen, die man ausleihen kann. Schiffe mit mehreren Masten, Dreimaster, Zweimaster. Dann guckst du über das Wasser und hast überall die Lichter und die Masten, die du da zwischendurch hochstehen siehst. - Auf dem Weg in die Stadt sind wir viel durch Tunnels gefahren. Es gibt einen Ring, um den Verkehr möglichst schnell durchzuleiten. Ich habe das Gefühl, es ist alles verbaut, von den Strassen her. Aber wir sind noch nicht viel zu Fuss unterwegs gewesen, man müsste einfach mehr rumgucken. Aber dann kommen natürlich die Reporter oder der eine oder andere Techniker, der noch eine Frage beantwortet haben will."

  Abschiedsabend für Monika, Susanne, Fredacc und Martin

 

Montag, 17. August 1998

Stadtbienen

Ralph Schnyder am Montagmorgen: "Ich bin gerade im Hotel Vika Atrium im Zentrum der schönen Stadt Oslo, sehe mir die Bilder an, die wir auf den Videobändern haben. Heute am Nachmittag um drei Uhr ist eine Pressekonferenz und dann Probefahrten. - Ivika, Fredacc, Martin, Monika und Susanne müssen heute schon nach Hause reisen. Sie wären gerne länger geblieben."

Der Heimflug von Ivika Vahtrik von Oslo nach Tallinn dauert rund vier Stunden. Alfred Geering (Fredacc), Martin Bolliger, Susanne Stalder und Monika Witschi fliegen nach Zürich. Neu bei der Tour reisen Michael Koucky und Pernilla Rinsell aus Schweden mit, zusammen mit der Familie Schnyder. - François Loeb übermittelt den 7. Wochenbericht, in dem er die Erlebnisse der vergangenen Tage für die Zeitungsleser zu Hause zusammenfasst.

  Oslo

Wolfgang Möscheid: "Wir stehen gerade bei Oslo Energy AS. Das ist eine Firma, die in Oslo die Energieversorgung übernimmt. Sie haben uns eine Karte gezeigt mit verschiedenen Ladestationen in der Stadt. - Sie haben hier kleine Elektrofahrzeuge, die die Besonderheit aufweisen, dass du mit dem Fuss an die Tür treten kannst, so fest du willst, und da passiert einfach nichts. Einer hat erzählt, bei einem Crashtest hätten sie einen Opel Astra dagegen fahren lassen, der habe dann einen Schaden von 30'000 Mark gehabt und am Elektroauto hättest du nichts gesehen. Die Oberfläche ist aus Kunststoff, wie er für Spielzeuge verwendet wird. Sie sieht etwas rauh aus, es ist kein guter Finish. Aber es ist so stabil, so fest, dass du dagegen treten kannst, hauen, was du willst und es geht nicht kaputt. Auf diesem Platz stehen sechs von diesen Fahrzeugen herum, alle mit 'Oslo Energy' drauf. Sie benutzen sie hier innerhalb der Stadt, um Zählerstände abzulesen und so weiter. Es gibt von diesen Autochens auch schon hundert Stück. Die fahren hier einfach so rum. Das Konzept ist mit Bleibatterien und das Auto ist sehr schwer. Das spürt man, wenn man losfährt. - Heute habe ich eine Busse gekriegt. Ich habe die Ivika zum Flughafen gebracht mit dem TWIKE. Als ich zurück war, hab ich es wegen dem hohen Bordstein schnell auf der Strasse vor dem Hotel stehen gelassen, wo zig andere Autos auch standen. Als ich nachher zurückgekommen bin, da war eine Busse von 500 Kronen dran. Da hat sich jemand ans Telefon gesetzt und hat das geklärt mit der Polizei, die es dann aufgehoben haben. - Einen schönen Gruss an alle."

  E-Mobil "City Bee"

Bei den von Wolfgang Möscheid erwähnten Elektrofahrzeugen handelt es sich um den "City Bee" (Stadt-Biene). Martin Schmid (TW 034) liefert Zusatzinformationen: Das Fahrzeug ist mit Blei-Batterien ca. 780 kg schwer, nur 60 kg mehr als der viel kleinere Smart, bietet aber mehr Innen- und Kofferraum. Es ist mit Fahrer- und Beifahrer-Airbag ausgerüstet und das einzige Elektromobil dieser Grössenordnung, welches erfolgreich Frontal-, Schrägfrontal, Pfahlaufprall-, Seiten- und Heckcrash bestanden hat. Der speziell für das City-Bee entwickelte Hochgeschwindigkeits-Beifahrerairbag (114 Liter in 16 ms aufgeblasen auf 400 mbar Überdruck!) ist extrem leicht und wurde für das Crashmobil "Cratch" übernommen. Das Crashverhalten der Struktur wurde von der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik der ETH Zürich und der Universität Oslo entwickelt. - Angetrieben wird der City Bee von zwei 10 kW Gleichstrommotoren, welche je ein Vorderrad antreiben. Er läuft 100 km/h und hat ca. 100 km Reichweite, ein guter Wert für Bleibatterien. An der skandinavischen 500 km-Elektrorallye 1996 gewann es den Pokal der Serienfahrzeuge und war gleichzeitig der energieeffizienteste Teilnehmer. Die Hülle ist wie beim TWIKE aus Thermoplast, allerdings dickschaliger und schlag- und trittfest. Die Farbe wirkt etwas blass. - Wieso Norwegen E-Mobile baut: Die Norweger haben 99.5% Wasserkraft. Der Konzern Norsk Hydro produziert damit auch Aluminium. Aus den E-Werken und Norsk Hydro entstand das Konsortium PIVCO, welches den City Bee entwickelt hat und ihn ursprünglich für ca. 16'000 Fr. auf den europäischen Markt bringen wollte.

Im Gästebuch fragt Ulrich Müller: "Wie wickelt Ihr den Stromkauf ab? Bezahlt Ihr 60 Rappen oder 1/2 Dollar oder offeriert Ihr eine Tafel Schweizer-Schokolade? Ist es nicht der Normalfall, dass keine passenden Steckdosen vorhanden sind? Sind die Leute nicht skeptisch, wenn Ihr am Schalttableau oder Zählerkasten anschliessen müsst? Habt Ihr einen Strom-Zähler dabei? Kennt Ihr die Strompreise im Ausland? Glauben die Leute, dass Ihr für nur 60 Rappen Strom bezieht? Mich interessiert die praktische Abwicklung dieses Geschäftes."

Antwort von Peter Zeller, Teilnehmer der ersten Etappe: "Die Situation ist von Land zu Land etwas verschieden. Normalerweise hat es geeignete Steckdosen, z.B. Euro CEE 32 A vier- oder fünfpolig. An die Schaltkästen geht man nur in Ausnahmefällen, wo uns die lokalen Gastgeber dazu raten. Meistens wird einem der Strom wie das fliessende Wasser im Rahmen der Gastfreundschaft kostenlos abgegeben. François Loeb hat eine Menge von TWIGELS (kleine Igel aus Stoff) und andere Geschenke mitgenommen, die Anklang finden. Über den Strompreis wissen die Leute - wie bei uns auch - nicht so sehr Bescheid. Aber man vergleicht dann mit den üblichen Haushaltsgeräten. Eine bis zwei Stunden bügeln oder Staub saugen kostet ja auch nicht alle Welt. Manchmal gibt es spannende Diskussionen über Ökologie und Effizienz."

 

zur nächsten Etappe

 

update 05.12.98

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