|
|
|
|
Bericht über die fünfte Etappe von Oslo nach Hamburg, 18. bis 27. August 1998 Dienstag, 18. August 1998Nebenstrassen
Fahrt von Oslo nach Strömstad. - Ralph Schnyder: "Die Fahrzeuge laufen sehr gut und effizient. In der Gegend sind Hügel und Felder. Wir haben versucht, Nebenstrassen zu nehmen, aber wir sind im Schilf draussen gelandet. Es gibt eigentlich nur eine Hauptstrasse, auf den Nebenstrassen kommt man nicht richtig voran, weil es keine Wegweiser hat. Unsere Karten sind alles andere als aktuell. - Hier in Norwegen gibt es zwar ein 220 V Netz, aber nur mit 2 Phasen. Da muss man immer einzelne Steckdosen suchen. In Schweden ist es dann wieder wie bei uns. - Im Team hat der Wechsel schon was ausgemacht, es sind ja fast die Hälfte der Leute neu ab Oslo. Die eingespielten Sachen muss man zuerst wieder lernen, bis es läuft." Mittwoch, 19. August 1998Beim ChinesenHeute erreicht das Team das schwedische Göteborg. Auf dem Weg entlang dem Skagerrak muss man mit der Fähre zwei Fjorde überqueren. Die Gegend ist hügelig, mit flachen Stücken dazwischen. Auch heute versucht man über Nebenstrassen zu fahren, was allerdings mit ein paar Umwegen verbunden ist. Die vorhandenen Karten sind etwas zu grob, so dass man zusätzliche Fahrradkarten 1:200'000 besorgt, die prima sind. - Am Abend steht ein feines chinesisches Essen auf der Speisekarte. Donnerstag, 20. August 1998ParadeHeute ist Aufenthalt in Göteborg. Wolfgang Möscheid: "Es gab eine Stadtrundfahrt, verschiedene Plätze, wo die Fahrzeuge aufgereiht und Bilder gemacht worden sind. Die Presse war mit dabei. Der Schweizer Konsul hat es organisiert. Es hat einen Empfang in einem schönen Restaurant gegeben. Am Abend wird uns die Tochter des Konsuls ein bisschen in der Stadt herumführen." Freitag, 21. August 1998Von Steckdose zu SteckdoseReise von Göteborg entlang dem Kattegat (Teil der Nordsee) über Kungsbacka, Varberg, Falkenberg nach Halmstad. Von Göteborg bis zur Mittagsrast in Varberg fährt die Umweltnaturwissenschafterin Andrea Morf von der Uni Göteborg mit Monica Geering im TWIKE. Sie ist eine Freundin von Pernilla Rinsell und Michael Koucky. - Am Abend berichtet sie: "Ich wohne hier in Göteborg und schreibe meine Diss über Mitwirkungsverfahren in der Planung. Umweltanliegen interessieren mich beruflich. Fahrzeuge wie das TWIKE faszinieren aufgrund ihres total anderen Konzeptes und der Kombination von Fitness, Transport, ausgeklügelter Technologie und der Möglichkeit das Ganze zu einer persönlichen Umdenk-Philosophie und einem eigenen Lebensstil zusammenzukombinieren. - Das Wetter war ziemlich nass und windig heute morgen und die Ladung knapp. Der morgendliche Lade-Zwischenhalt musste deshalb früher als geplant bei einer Shell(!)-Tankstelle in Åsa stattfinden. Francois tankte sogar irgendwo unterwegs Strom. Es ist schon noch ein Erlebnis, so von Steckdose zu Steckdose zu leben und um die Ampères und Volts zu bangen. Man bekommt ein ganz anderes und konkreteres Verhältnis zur Elektrizitätslehre aus der Gymizeit... Das Pedalen tut gut, es kann am Anfang anstrengend sein. Ich habs auf alle Fälle genossen. Musste leider am Nachmittag wieder mit dem Zug zurück. Hier scheint in Göteborg wieder die Sonne zwischen den Wolken hindurch. Hoffe die TWIKE auf dem Weg nach Halmstad haben auch noch etwas davon." Andrea Morf: "In Schweden ist das Umweltdenken politisch sehr 'in' und Elbilar (Elektromobile) in vieler Munde. Allerdings stellt man sich dabei ein Auto vom Typ Volvo vor mit entsprechender passiver (Gewichts-)Sicherheit. Man muss hier wahrscheinlich noch einiges an Umdenkarbeit leisten. Saab und Volvo sind hier stark verwurzelt. - Viele Leute pendeln tagtäglich vom Häuschen auf dem Land in die Stadt zur Arbeit und legen dabei oft mehr als 100 km zurück. In den meisten Familien arbeiten beide Elternteile, oft aus finanzieller Notwendigkeit und zu unterschiedlichen Zeiten. Die meisten fahren auf der Autobahn mit 70-90 km/h, in Stadtnähe oft sehr nahe aufeinander, und sitzen alleine im Fahrzeug. Zu den Stosszeiten ist man auf Kurzdistanzen mit dem Fahrrad oft schneller, wenns nicht zu sehr rauf und runter geht. Es gibt verkehrsfreie Zonen, Einbahnverkehr und Radwege. Parkieren in der Stadt ist teuer und der Platz oft knapp. Der öffentliche Verkehr ist unter der Woche dicht und entlang der Verkehrsachsen gut ausgebaut. Ein TWIKE bezahlen kann hier bloss jemand in gehobener Stellung. Für viele in Göteborg ist das Jahreseinkommen 150'000 Schwedenkronen. Ein TWIKE würde umgerechnet 135'000 kosten... Potentielle Kundschaft: Hohe BeamtInnen, PolitikerInnen, ProfessorInnen, MedizinerInnen, ManagerInnen mit einem Hang zu Gesundheit und Ökologie und Freude an neuen Technologien. Servicestellen müssten in Gegenden mit hoher Pendlerdichte und Leuten mit hohem Einkommen sein (v.a. Südschweden, Agglomerationen Stockholm oder Göteborg, ev. Malmö, wenn die Öresundbrücke fertig ist). Die häufigsten Fragen bei den Halten kamen zu Route, Tempo, Sicherheit, Reichweite, Energieverbrauch, Anschaffungskosten, Betriebskosten, Winterbetrieb (die glauben wohl, wir haben keinen Schnee in der Schweiz...), Heizung, Rolle des Pedalens für Tempo und Batterieladung."
Samstag, 22. August 1998Die DiebeLeider wurden in Halmstad während der Nacht die TWIKE hinter dem Hotel aufgebrochen und ausgeraubt! Gestohlen werden unter anderem die 6 Videobänder der Reise seit Tallinn. Die Polizei konnte zwei der Diebe in flagranti festnehmen und einen kleinen Teil des Diebesgutes sicherstellen. Die für uns unersetzlichen Videoaufnahmen fehlen. - Wir bitten, uns wenigstens die für die Diebe wertlosen Videobänder und Adressbücher zurückzugeben. - Adresse. François Loeb und sein Team fahren danach von Halmstad nach Helsingborg. Dort verabschieden sich Michael und Pernilla, da sie in Schweden bleiben. Die sechs TWIKE überqueren auf der Fähre den Øresund nach Helsingør und damit die Grenze zu Dänemark, fahren entlang der Küste die Strasse 152 in die Stadt Kopenhagen. - Am Abend gibts ein Essen in einem indischen Restaurant.
Wolfgang Möscheid: "Es gibt hier schöne Strassen. Du brauchst dir nicht mehr grossartige Gedanken zu machen, du fährst einfach schön der Strasse entlang. - Das Dänische tönt für mich ähnlich wie das Schwedische. Und die können sich wohl miteinander auch ganz gut unterhalten. Ich spreche die meiste Zeit Englisch. Auffallen tut mir allerdings, dass viele Leute hier Deutsch sprechen. Ich sprech sie auf Englisch an und sie merken, das ist jemand, der Deutsch kann und sagen, ja sie können auch Deutsch sprechen mit mir."
Sonntag, 23. August 1998Der Geburtstag der MeerjungfrauRuhetag in Kopenhagen. Übernachtung im Hotel Imperial. - Ralph Schnyder: "Wenn ich mit der Fähre nach Dänemark komme, merke ich wieder, dass ich auf dem Kontinent bin. An den Häusern, an der Baukultur, die einiges anders ist als im Norden. Die Stadt Kopenhagen ist reichhaltig, sie hat eine riesen Geschichte von Generationen. - Übrigens feiert man heute gerade den 85. Geburtstag der berühmten Meerjungfrau." Montag, 24. August 1998WindräderAm letzten Tag in Skandinavien wird Kopenhagen verlassen. Die Fahrt geht über Ringsted durch Sjælland nach Korsor, dann über die Brücke beim Store Bælt nach Nyborg auf der Insel Fyn bis hinüber nach Fåborg am Meer, wo man noch einmal übernachtet, bevor es mit der Fähre am Dienstag nach Deutschland weitergeht. Ursprünglich wollte man nach Vordingborg fahren, doch die Strecke wurde dann anders gewählt. Ralph Schnyder: "Die Gegend ist sehr hügelig, es gibt Getreidefelder, Hecken und Windräder dazwischen. Eine extrem schöne Landschaft. Wir waren in Roskilde, wo wir ein Entwicklungslabor besuchten, wo Windgeneratoren entworfen werden. Wir hatten da eine stündige Ladepause, wo wir mit den Mitarbeitern und Leitern diskutierten. Sehr interessant. Die Generatoren haben Leistungen bis zu 500 Kilowatt. Dann waren wir in einem Energieberatungsbüro in Slagelse zum Mittagessen und nachladen. Nachher gings über die lange Brücke. Bei einem Bauer konnten wir nochmals zwischenladen. Wir sind an diesem Tag 200 km weit gefahren." Achter Wochenbericht von François Loeb Dienstag, 25. August 1998Austausch von IdeenAm Morgen um 8 Uhr setzt das Team der TWIKE Challenge mit den 6 TWIKE vom dänischen Fåborg mit der Fähre über den Lille Bælt.
Wolfgang Möscheid: "Heute sind wir in Gelting angekommen, sind wieder in Deutschland nach langer Zeit. Abschied von Skandinavien, das Gefühl wegzugehen. Auf der anderen Seite ist es wieder schön, in heimischen Gefilden zu sein. - An der Fähre sind wir von Heinrich Wahls und seinem TWIKE 065 abgeholt worden. Er kommt von Husby, das sind nur ein paar Kilometer von hier. Er ist unser nördlichster TWIKE-Fahrer. Dann sind wir die Strecke von Gelting nach Glücksburg gefahren, mit kleinen Umwegen auf Strassen, die nur der Heinrich kannte, rauf und runter. Wie in der Schweiz, sagt er. Es ist etwas hügelig, wobei man Norddeutschland sonst als eher glatt kennt. In Glücksburg haben wir aufgeladen. - Dann sind wir zu Artefakt gefahren, das ist ein Verein, der sich darum kümmert, dass in Dritte-Welt-Ländern unsere Technologien bezüglich regenerativer Energienutzung verbreitet werden. Andersrum nimmt er aber auch von Dritte-Welt-Ländern Ideen auf, um sie hier umzusetzen. Wie zum Beispiel dort mit Lehm umgegangen wird, wie Gewölbe gebaut werden, da gibt es Seminare für Architekten. Ein Ideentransfer von hier in die Dritte Welt und von dort zu uns. Manchmal gibt es ganz einfache Dinge, die wir mitnehmen. - Wir haben die Sachen angeschaut und auch der Presse unsere Fahrt vorgestellt, unsere Erfahrungen. François hat das schön gemacht. Wir haben eine riesengrosse Europakarte gehabt, wo wir das zeigen konnten. - Nachgeladen haben wir an einer Photovoltaikanlage mit Windrad. Die produzieren mehr Strom, als sie selbst verbrauchen. Im Winter betreiben sie einen Holzvergasermotor, der gleichzeitig Strom und Wärme liefert. - Dann sind wir zum Wasserschloss in Glücksburg gefahren, haben eine Aufnahme vom Fahrzeug gemacht, mit dem Schloss im Hintergrund. Wir sind dann nochmals an den Strand gefahren und haben in Tolnes richtig schön gegrillt. Mit Kartoffelsalat und normalem Salat sind wir in einem Holzhüttchen gesessen und haben bei Kerzenschimmer Abschied gefeiert, denn Monica, Jane, Ralph und Adrian fahren morgen in die Schweiz zurück." Mittwoch, 26. August 1998Halt in HamburgHeute ist Hamburg das Ziel. - Am Abend reisen Monica Geering, Ralph, Jane und Adrian Schnyder in die Schweiz zurück. Sie nehmen das TWIKE 282 mit. Am Donnerstagmorgen kommt Markus Speich mit seinem edlen TWIKE 058 zum Team, zusammen mit Cathy Dörflinger und Maya Schnyder. - In Hamburg findet eine Messe zum Thema "Du und deine Welt" statt, wo auch umweltschonende Fahrzeuge ausgestellt sind. Martin Möscheid - der Bruder von Wolfgang - präsentiert dort das TWIKE, weshalb er nicht bei der Challenge mitfährt. Donnerstag, 27. August 1998Beim Alster-VergnügenAufenthalt in Hamburg, der alten Hansestadt. Das Team erneuert sich und nimmt die sechste Etappe der Reise zurück nach Bern in Angriff. Wolfgang Möscheid: "Heute habe ich im Gästebuch einen Eintrag geschrieben. Es war ein Internet-Zugang, wo jeder mal dran arbeiten kann, so fünf Minuten. Es kostet halt eben nichts. Deshalb denk ich, da geh ich grad mal rein. Da stand so ein kleiner Junge neben mir, der hat dermassen gequengelt und ich war am Schreiben. Und ich denk, na komm, jetzt will ich grad noch fertigschreiben. Und da habe ich nachher gemerkt, dass ich lauter Schreibfehler gemacht hatte... - Am Abend, da wars richtig schön gewesen am Alster-Vergnügen. Das war ein Sommerfest, mit guter Musik und diesem riesen Feuerwerk, bestimmt eine halbe Stunde lang. Einmal im Jahr wird gefeiert und das wird schon seit Jahren so gemacht. Man kurvt um die Binnenalster. Direkt bei der Innenstadt sind überall Bühnen mit Musik aufgebaut und Buden, wo du Würstchen und Zuckersteine kaufen kannst und alles mögliche. Die Leute sind gut drauf."
update 05.12.98
|
|
|