Die 2000-Watt-Gesellschaft
Die Erde verträgt bei einer voraussichtlich maximal möglichen
Erdbevölkerung von 12.5 Milliarden Menschen nur eine Leistung von ca. 1000 bis 2000 Watt
(Dauerleistung pro Kopf, 24 h pro Tag, 365 Tage im Jahr) - das sind also 8800 bis 17'000
kWh pro Person und Jahr. Dabei ist alles inbegriffen: Herstellung und Transport unserer
Konsumgüter, der anteilmässige Energieverbrauch der öffentlichen Verwaltung (inkl.
Ziegelsteinherstellung für die Schulturnhalle und das Kerosin für die F/A-18),
sämtliche Wohnenergie (Baustoffe herstellen, liefern, bauen, heizen etc.). Praktisch
aller Energieverbrauch äussert sich in Wärme. Selbst die Fahr-Energie des TWIKE
(Luftwiderstand und Rollreibung) ist Erwärmung der Luft, des Gummi und des Teers.
Wenn wir die gesamte Lebensenergie zusammenfassen, so kommen wir heute
in der Schweiz auf eine mittlere Dauerleistung pro Kopf von ca. 6000 Watt, in China auf
880 Watt, in den nicht industrialisierten Ländern im Durchschnitt auf 900, in Europa auf
4800 und in den USA auf 10'300 Watt. In der Schweiz macht der Verkehr etwa einen Viertel
bis einen Drittel aus - diesen Teil können wir als TWIKE- und ÖV-Nutzer nahezu total
wegstreichen. Was bleibt sind stolze 4000 Watt, also immer noch etwa zwei bis drei mal
zuviel für das langfristige Bestehen unseres Erdklimas. Diesen Rest können wir mit
unserem Konsumverhalten und vor allem dem Warmwasser und Heizbedarf massgeblich
beeinflussen. Ein umweltbewusster Konsument bringt den Bedarf ohne Wohnungswechsel um rund
500-600 Watt herunter, mit einem Nullenergiehaus können noch einmal rund 1500 Watt
gespart werden. Es wäre also durchaus möglich, mit dem bestehenden Komfort und
Lebensstandard die Richtschnur von 2000 Watt zu unterbieten.
Effizienz ist Trumpf
Das TWIKE ist vor allem ein Energiesparfahrzeug. Dabei spielt es kaum
eine Rolle, ob Strom oder Benzin, weil: An der Weltklimakonferenz in Kyoto wurde gesagt,
dass die Welt über die Runden kommt, wenn wir den weltweiten CO2-Austoss auf
40% des Standes von 1990 bringen. Weitere Studien zeigen, dass erwartet wird, dass eine
weltweite "Autosättigung" erst bei ca. 3.2 Mia. Autos eintritt. 1990 waren es
aber erst 500 Mio. weltweit! Nun - nehmen wir an, jeder Bereich müsste für sich das
Kyoto-Protokoll einhalten. Ausgehend vom heutigen Schweizer Verbrauchsdurchschnitt von 8.5
Liter pro 100 km kann man den nötigen Verbrauch ausrechnen, der eine minimale
Nachhaltigkeit auch noch in 50 Jahren gewähleistet:
8.5 Liter pro 100 km / 3'200 Mio. Autos x 500 Mio. Autos (Stand 1990) /
100% CO2 x 40% CO2 = 0.53 Liter pro 100 km.
Das heisst, das TWIKE würde das Kyotoprotokoll auch erfüllen, wenn es
mit Benzin fahren würde! Dass es mit Solarenergie fährt ist natürlich ein Bonus - und
beweist die Leistungsfähigkeit dieser Technologie.
Als Befürworter der dezentralen Stromversorgung (RAVE = regional
autarke Versorgung mit Energie) sollte sich jeder Benutzer Gedanken machen, wo er die
entsprechende Menge Solarenergie oder Energie aus Kleinstwasserkraftwerken oder
Wärme-Kraft-Kopplung mit Biogas etc. hernimmt: Das TWIKE braucht bei 10'000 km/Jahr schon
6 Quadratmeter Solarzellen. Wird noch eingerechnet, dass man die Zellen ja auch erst
produzieren und montieren muss, so müssen wir 8 Quadratmeter nehmen. Dies entspricht mehr
oder weniger der Parkfläche des TWIKE und kann noch mit venünftigem Platz- und
Materialaufwand realisiert werden. Autoähnliche Elektromobile sind gegenüber Autos zwar
immer noch sparsam, brauchen aber dennoch bis zu fünfmal mehr Energie. Fazit: Nicht nur
saubere Energie sondern auch noch bedeutend weniger müssen wir brauchen - und dass dies
ohne Verluste des Lebenstandards möglich ist - das wissen wir ja nun!
Martin Schmid aus Winterthur fährt das TWIKE 034 und ist
Informationsbeauftragter der TWIKE Klub Schweiz, kathrinymartin@dplanet.ch. In seiner Freizeit
tanzt er zu heissen Latinrythmen, segelt auf kühlen Seen und engagiert sich politisch
für eine nachhaltige Gesellschaft (www.umverkehr.ch).
Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Eidgenössischen Materialprüfungs- und
Forschungsanstalt EMPA und befasst sich dort mit der Betriebsfestigkeit von Strukturen und
Verbundtechnologien.
Link zum ETH-Forum "2000-Watt-Gesellschaft": www.novatlantis.ch