TWIKE Klub

 
 Energie und Effizienz
   

 
Markus Speich (TW 058) hat mit Martin Schmid (TW 034) über den Einsatz ihrer Fahrzeuge diskutiert. Beide nutzen ihr TWIKE eher häufig. Dabei ist nicht egal, wieviel Energie ein Mensch braucht, auch wenn sie mit sauberen Methoden gewonnen wird. Martin Schmid hat nun dazu einige Informationen zusammengestellt.

 

Der Energieverbrauch des TWIKE

Unsere Fahrzeuge sind seit 1996 im Verkehr. Im Mai 1999 zogen wir eine Bilanz der Fahrstrecke und des Energieverbrauchs ab Batterie:
(A) TWIKE 034: 40'000 km, 5183 Ah - ergibt 4.3537 kWh pro 100 km
(B) TWIKE 058: 47'000 km, 6075 Ah - ergibt 4.3444 kWh pro 100 km

Die Differenz im Energieverbrauch beträgt lediglich 0.2%, obwohl die Nutzungsprofile einige Unterschiede aufweisen:
A fährt auf kurzen Strecken zackig, B eher lange Strecken sparsam (Bonus für A)
A wird leergefahren, B lässt zum Entladen der Batterie eher das Licht brennen (Bonus für B)
A hat Batterien mit etwas höherer Kapazität als B, dadurch weniger Ladeverluste (Bonus für A)
A hatte zu einem späteren Zeitpunkt als B die Software 5.10 mit kleineren Ladeverlusten (Bonus für B)

Ein Vergleich des elektrischen Energieverbrauchs des TWIKE mit dem Benzinverbrauch von Autos gibt die folgenden Zahlen:
Ein Liter Benzin enthält rund 10 kWh Energie. Die Flotte der Autos in der Schweiz benötigt durchschnittlich 8.5 Liter Benzin auf 100 km. Davon wird nur ca. 20% für die Fortbewegung genutzt!
Beim TWIKE beträgt der Energieverbrauch ab Batterie rund 0.43 Liter "Benzin-Äquivalent" auf 100 km. Wenn man noch 30% Ladeverluste einrechnet, dann sind dies rund 0.62 Liter auf 100 km in Form elektrischer Netzenergie.

 

Die 2000-Watt-Gesellschaft

Die Erde verträgt bei einer voraussichtlich maximal möglichen Erdbevölkerung von 12.5 Milliarden Menschen nur eine Leistung von ca. 1000 bis 2000 Watt (Dauerleistung pro Kopf, 24 h pro Tag, 365 Tage im Jahr) - das sind also 8800 bis 17'000 kWh pro Person und Jahr. Dabei ist alles inbegriffen: Herstellung und Transport unserer Konsumgüter, der anteilmässige Energieverbrauch der öffentlichen Verwaltung (inkl. Ziegelsteinherstellung für die Schulturnhalle und das Kerosin für die F/A-18), sämtliche Wohnenergie (Baustoffe herstellen, liefern, bauen, heizen etc.). Praktisch aller Energieverbrauch äussert sich in Wärme. Selbst die Fahr-Energie des TWIKE (Luftwiderstand und Rollreibung) ist Erwärmung der Luft, des Gummi und des Teers.

Wenn wir die gesamte Lebensenergie zusammenfassen, so kommen wir heute in der Schweiz auf eine mittlere Dauerleistung pro Kopf von ca. 6000 Watt, in China auf 880 Watt, in den nicht industrialisierten Ländern im Durchschnitt auf 900, in Europa auf 4800 und in den USA auf 10'300 Watt. In der Schweiz macht der Verkehr etwa einen Viertel bis einen Drittel aus - diesen Teil können wir als TWIKE- und ÖV-Nutzer nahezu total wegstreichen. Was bleibt sind stolze 4000 Watt, also immer noch etwa zwei bis drei mal zuviel für das langfristige Bestehen unseres Erdklimas. Diesen Rest können wir mit unserem Konsumverhalten und vor allem dem Warmwasser und Heizbedarf massgeblich beeinflussen. Ein umweltbewusster Konsument bringt den Bedarf ohne Wohnungswechsel um rund 500-600 Watt herunter, mit einem Nullenergiehaus können noch einmal rund 1500 Watt gespart werden. Es wäre also durchaus möglich, mit dem bestehenden Komfort und Lebensstandard die Richtschnur von 2000 Watt zu unterbieten.

 

Effizienz ist Trumpf

Das TWIKE ist vor allem ein Energiesparfahrzeug. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob Strom oder Benzin, weil: An der Weltklimakonferenz in Kyoto wurde gesagt, dass die Welt über die Runden kommt, wenn wir den weltweiten CO2-Austoss auf 40% des Standes von 1990 bringen. Weitere Studien zeigen, dass erwartet wird, dass eine weltweite "Autosättigung" erst bei ca. 3.2 Mia. Autos eintritt. 1990 waren es aber erst 500 Mio. weltweit! Nun - nehmen wir an, jeder Bereich müsste für sich das Kyoto-Protokoll einhalten. Ausgehend vom heutigen Schweizer Verbrauchsdurchschnitt von 8.5 Liter pro 100 km kann man den nötigen Verbrauch ausrechnen, der eine minimale Nachhaltigkeit auch noch in 50 Jahren gewähleistet:

8.5 Liter pro 100 km / 3'200 Mio. Autos x 500 Mio. Autos (Stand 1990) / 100% CO2 x 40% CO2 = 0.53 Liter pro 100 km.

Das heisst, das TWIKE würde das Kyotoprotokoll auch erfüllen, wenn es mit Benzin fahren würde! Dass es mit Solarenergie fährt ist natürlich ein Bonus - und beweist die Leistungsfähigkeit dieser Technologie.

Als Befürworter der dezentralen Stromversorgung (RAVE = regional autarke Versorgung mit Energie) sollte sich jeder Benutzer Gedanken machen, wo er die entsprechende Menge Solarenergie oder Energie aus Kleinstwasserkraftwerken oder Wärme-Kraft-Kopplung mit Biogas etc. hernimmt: Das TWIKE braucht bei 10'000 km/Jahr schon 6 Quadratmeter Solarzellen. Wird noch eingerechnet, dass man die Zellen ja auch erst produzieren und montieren muss, so müssen wir 8 Quadratmeter nehmen. Dies entspricht mehr oder weniger der Parkfläche des TWIKE und kann noch mit venünftigem Platz- und Materialaufwand realisiert werden. Autoähnliche Elektromobile sind gegenüber Autos zwar immer noch sparsam, brauchen aber dennoch bis zu fünfmal mehr Energie. Fazit: Nicht nur saubere Energie sondern auch noch bedeutend weniger müssen wir brauchen - und dass dies ohne Verluste des Lebenstandards möglich ist - das wissen wir ja nun!

 

Martin Schmid aus Winterthur fährt das TWIKE 034 und ist Informationsbeauftragter der TWIKE Klub Schweiz, kathrinymartin@dplanet.ch. In seiner Freizeit tanzt er zu heissen Latinrythmen, segelt auf kühlen Seen und engagiert sich politisch für eine nachhaltige Gesellschaft (www.umverkehr.ch). Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA und befasst sich dort mit der Betriebsfestigkeit von Strukturen und Verbundtechnologien.

 

Link zum ETH-Forum "2000-Watt-Gesellschaft": www.novatlantis.ch

 

Aktualisiert: 28. Mai 1999

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