TWIKE Klub

 
 E-Mobil-Erfahrungen
 
Der Autor
 
Tim Brookes ist Professor für Englische Sprache an der Universität von Vermont, USA.

Quelle: http://evworld.com, Juni 1999
(Übersetzung durch Twike AG)

Links
 
Artikel von Ron Manganiello (TW 507), Burlington VT, USA: TWIKE Fieber
 
Text über Elektro-Dragster-Rennen in den USA (Adobe pdf-Format)
 

 

 
"Darf ich meinen Wagen in Ihren Stall fahren?"

von Tim Brookes, USA

Ich hatte die ausgefallene Idee, ein Elektromobil zu leasen und es im Winter durch Vermont zu fahren. Meinen eigenen Wagen, einen 1986er Volvo, muss ich verkaufen bevor ich ihn auf den Autofriedhof werfe, und ich bin neugierig auf Elektromobile: Warum brauchen die so lange, bis sie sich durchsetzen? Sind sie vielleicht wie Golfwagen? Und halten die Batterien die Kälte in Vermont tatsächlich aus?

Vor meiner Entscheidung schlug mir Richard Watts (der Direktor des EVermont Projekts) vor, ich solle zum Elektrizitätswerk Burlington auf eine Testfahrt mit Ron Manganiello. Ron ist Ingenieur und glaubt so fest an alternative Energien, dass er darauf hofft, ein Twike zu kaufen, ein hybrid-elektrisches Fahrzeug und Fahrrad. Wer sagte da, die amerikanische Mittelklasse sei verweichlicht?

Das vorhandene Auto war auf den ersten Blick eine Enttäuschung. Ich erhoffte mir etwas futuristisches, sogar ausgefallenes, einen elektrischen Golfwagen oder eines dieser kugelförmigen Autos aus dem Film "Sleeper" von Woody Allen, nicht einen auf Elektroantrieb umgerüsteten Geo.

Ron schlug die Klappe zum Benzintank auf. "Da steckst du ein", sagte er, und da: ein Elektrostecker, alt bekannt und gleichzeitig so fehl am Platz wie ein Gebiss im Konfitürenglas. Er ging herum nach vorne und steckte das Verlängerungskabel bei der Ladestation aus, eine Bewegung, die mir irgendwie bekannt vorkam. Später fiel mir ein, woran es mich erinnerte: an den Cowboy im Film, der zum Haupt des Pferdes geht, es vom Geländer losbindet, die Zügel zusammenrafft und auf den Sattel steigt.

Der Motorraum war winzig und schien trotzdem halb leer. Benzintank und Benzinheizung waren beide so gross wie der restliche Klimbim. Elektromotoren sind sehr klein und kompakt, mit einem Bruchteil von beweglichen Teilen, und kein Abrieb und Verschleiss eines Benzinmotors.

Ich stieg ein und drehte den Schlüssel. Nichts passierte. "So ist es", sagte Ron grinsend. Und bei diesem Funken aus Nichts wurde eine Menge klar. Benzinmotoren verbrennen Benzin und verursachen Abrieb und Verschleiss auf den Teilen und lassen Abgase raus, die ganze Zeit, ob sich der Wagen bewegt oder nicht. Ich war wie vom Donner gerührt. Wie konnten wir je sagen, das sei kein totaler Blödsinn? Zudem sind sie grossartig ineffizient wenn sie aufstarten, wenn sie im Leerlauf drehen oder bei langsamen Geschwindigkeiten, mit anderen Worten, fast die ganze Zeit, wenn sie zum Pendeln gebraucht werden oder zur Fahrt zum Einkaufen und zurück. Ein Elektromotor ist, bildlich gesagt, wie kochen mit Gas: eingeschaltet, wenn man's braucht, sonst ausgeschaltet.

Ein Elektromotor ist tatsächlich so effizient, dass er kaum heiss wird – und das ist eigentlich ein Nachteil in Vermont. Ein Benzinmotor keucht und schwitzt vom hin-und-her, daher können wir einfach etwas von dieser Wärme in den Innenraum abzweigen und das beste aus seiner lausigen Arbeit machen. Das Armaturenbrett von Ron's E-Mobil erschien dagegen nur aus Heizungsschaltern zu bestehen. Dieses besondere Modell hatte eine Benzinheizung, mit der doppelten Funktion, die Reichweite zu erhöhen: das Benzin kann in einen kleinen Verbrennungsmotor eingespiesen werden. Ron fuhr den Geo von Waterbury nach Sharon, über Hügel und so, "und ich hatte eine Menge Energie übrig, als ich Sharon erreichte". Es gab auch eine elektrische Heizung und noch etwas. "Ich weiss nicht, wozu dieser Schalter gut ist", sagte Ron mit schiefem Blick.

Die andere neue Anzeige war der Ladungsmeter, entsprechend der Benzinuhr. Bei Ron mass es die Anzahl der verbrauchten Ampérestunden. Bei Null ist die Batterie vollgeladen, bei 40 macht der Wagen nach und nach schlapp. Der Zeiger stand gerade bei 20.

Als ich losfuhr, beschleunigte der Geo überraschend schnell. "Es ist eine verbreitete Fehleinschätzung", sagte Ron, "zu glauben, E-Mobile seien zum Heulen. Es gibt einen Verein in Kalifornien, der Dragster-Rennen mit E-Mobilen durchführt, und sie übertrumpfen Benzinautos regelmässig. Solch herausfordernde Leistung leert die Batterie ziemlich schnell, was zu erwarten ist, denn es verbrennt auch eine gigantische Menge Benzin."

Es hat keine Gangschaltung im üblichen Sinn, was mir zwei Anfängerprobleme bescherte. Du kannst den Wagen nicht mit eingelegtem Gang blockieren, dafür sollte man besser die Parkbremse verwenden oder, wie beim Postwagen einen Klotz unters Rad werfen, damit er nicht davonrollt. Das tönte alles etwas primitiv, aber es überraschte mich nicht so sehr, wie das, als ich bei einem Stop-Schild anhielt und merkte, dass ich zurückrollte gegen eine ebenso überrascht dreinschauende Dame im Wagen dahinter. "Es tut mir leid", sagte Ron. "Lass deinen Fuss auf dem Gaspedal, damit der Motor gegen das Gefälle anzieht." Das sagst du mir erst jetzt, dachte ich.

Der Motor machte praktisch keinen Lärm, sogar auf der Schnellstrasse, wo wir beschleunigten und mit respektablen 80 km/h dahinsegelten. Ich hätte schneller fahren können, aber damit die Batterien entsprechend schneller ausgepumpt. Es dämmerte mir langsam, dass das Fahren mit einem E-Mobil einen dauernd daran erinnert, dass die Vorräte der Erde begrenzt sind; in einem Benzinauto, mit Tankstellen an jeder Ecke, denken wir, es kommt nur darauf an, wie voll unsere Brieftasche ist.

Wir schnurrten in der Stadt umher und zurück; nach 25 Minuten war die Batterieanzeige gegen 30 geklettert, obwohl sie bei jeder Talfahrt etwas zurückkroch, weil das E-Mobil, wie alle Fahrzeuge von EVermont, mit Energierückgewinnung beim Bremsen ausgerüstet ist, mit anderen Worten: wenn man talwärts fährt, wird der Motor zum Generator, um die Batterie wieder aufzuladen.

Zum ganzen Thema gäbe es natürlich noch viel zu sagen (Welches ist der aktuelle Stand der Batterieforschung? Warum weigern sich die grossen Autofirmen, E-Mobile in Staaten wie Arizona zu liefern, die verzweifelt danach schreien? Würde ich einen Elektroschock abkriegen, falls die Steckdose voll Eis wäre?), aber ich war bereits ein Anhänger. Was denn sonst, weil diese Technik zu einer angenehmen Besuchsform aus dem neunzehnten Jahrhundert anregt: Wenn ich zu jemandem hereinkomme, sage ich "Kann ich einstecken?" Das ist wie wenn ich fragen würde, ob ich mein Pferd in den Stall führen darf.

 

Aktualisiert: 20. September 1999

TWIKE KLUB WEB   –   info@dreifels.ch