TWIKE Klub
   

Ein Rekordwochenende

Die erste POWERTWIKE Challenge 19. Juni 2004

"Von der Wiege zur Schmiede" lautete das Motto über der ersten POWERTWIKE Challenge 2004. Diese technische und persönliche Herausforderung stellten wir uns anlässlich der Eröffnung des neuen TWIKE Centers in Benediktbeuern. POWERTWIKE ist der Begriff für die nächste TWIKE Generation, ein TWIKE, welches über 100km mit einer Batterieladung fahren kann.

Die Umfragen im Umfeld der Elektromobile liefern immer wieder die gleichen Resultate: Die Batterien müssten besser sein. Auch beim TWIKE ist das der erste Wunsch der meisten Fahrerinnen und Fahrer gemäss der im Herbst 2002 durchgeführten Umfrage. Die Fortschritte bei den Batterien erfolgten seit Produktionsbeginn des TWIKE in 5% Schritten pro Jahr. Die neusten NiCd Batterien liefern bereits 28% mehr Energie als die erste Serie. Im letzten Jahr stellte uns SANYO erste Testzellen der neusten NiMH-Generation zur Verfügung. Der Fortschritt ist hier beeindruckend: bei gleichem Gewicht steht nun die doppelte Energiemenge zur Verfügung. Die HRDU-Zelle liefert eine effektiv nutzbare Kapazität von über 8 Ah.
Da wir bereits vor vier Jahren NiMH Zellen getestet hatten (allerdings nicht von SANYO) und mit der Lebensdauer und Fertigungsqualität nicht zufrieden waren, gingen wir die Sache vorsichtig an. 20 Zellen werden seit Oktober 2003 im Dauerbetrieb geladen und entladen
(>>> siehe Online-Messdatenaufzeichnung).

Mitte Juni erreichte das Zellenpack den 1'000 sten Zyklus. Das beeindruckendste daran aber ist, dass nach wie vor noch über 80% der Kapazität vorhanden ist. Im TWIKE würde das einer Kilometerleistung von über 100'000km entsprechen, mehr als man erwarten kann.

Wie fährt sich das aber auf der Strasse und was bedeutet dies für Modifikationen für ein zukünftiges PowerTWIKE? Seit Jahresbeginn wurde das TWIKE TW 003 zum PowerTWIKE konvertiert. Das bedeutete mehr als nur einen Batteriewechsel. Die 560 Batteriezellen wurden in ein neu entwickeltes Gehäuse verpackt, welches einen optimale Wärmeableitung und Feuchtigkeitsschutz bietet (>>> Bild der "Brennstäbe"). Die komplette Elektronik wurde den erhöhten Beanspruchungen angepasst und in ein spritzwasserdichtes, gut gekühltes neues Gehäuse verpackt. Dadurch gelang es nicht nur die Verkabelung und damit Servicefreundlichkeit zu verbessern, auch passt nun alles unter den Gepäckraum, mit mehr Platz hinter dem Fahrer- und Beifahrersitz. Eine beeindruckende Leere im Gepäckabteil, die wir natürlich sofort für die PowerChallenge mit Schlafsäcken und Rücksäcken vollstopften.

Viel Reichweite hat aber nicht nur direkte konstruktive Auswirkungen im Batteriebereich. Es bedeutet auch, dass man bis drei Stunden am Stück fahren kann und normalerweise die Höchstgeschwindigkeit des TWIKE von 88km/h auch nutzt. Die Fahrstabilität (Seitenwind, Geradeauslauf, Kurvenfahrt) wurde daher durch ein drittes Rahmenrohr enorm verbessert.

Und nicht zuletzt heisst mehr Reichweite auch mehr Freizeiteinsatz und hier zählt Fahrspass und Fitness. Daher erhielt das TW 003 die offene Scheibe und eine direktere Pedalübersetzung.

Der Selbstversuch
Stimmt nun die Theorie? Die POWERTWIKE Challenge muss es erst beweisen. 720km, ein Wochenende und dann weiss man es aus erster Hand aus eigner Erfahrung. Das TWIKE ist bepackt, die Batterie voll geladen, die Wettervorhersage ziemlich mies: es kann losgehen!

Die Route führt von Gelterkinden über Waldshut, Schaffhausen, Konstanz, Friedrichshafen und dann quer durchs Allgäu über Immenstadt, Wertach, Murnau nach Benediktbeuern. Der Start ist Freitag 16.45h direkt nach der Schule.




Ein erster Fotohalt im "Paradis". Nach 100km und zwei Stunden einmal kurz die Beine ausschütteln.

. . . und schon an der Küste. Die Strasse endet in Konstanz.

Neben der Pilotenmütze (gesponsort von Walter Grell) gehört auch ein spannendes Buch zur Reiseausrüstung.

Die Fähre ist in Sicht, das TWIKE in Pole-Position.

Stand 138km, 18h49, Spannung noch 343V und die Temperatur hat sich seit Fahrtbeginn kein einziges Grad bewegt.

Ferienstimmung kommt auf.

Adrian lenkt die Fähre ans andere Ufer des Meeres.

Land in Sicht durch die mittelstegfreie Frontscheibe.

Tatsächlich, der Rekord ist gefallen! Ohne Zwischenladung erreichen wir das Zeppelinmuseum in Friedrichshafen.

8.0 Ah pro Batterie!

159.6 km mit einer Batterieladung bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von rund 55km/h

Definitiv Zeit für eine Pizza mit etwas Strom.

Das Cola darf warm werden, dafür kriegt das TWIKE ein paar Ampérekäfer.

25km später suchen wir das Nachtquartier auf.

Die Wirtin aktiviert die Steckdosen im Biergarten und der Wirt stellt seinen Porsche zur Seite, damit das POWERTWIKE das beste Plätzchen kriegt.

Leider ist es etwas zu kalt für den Biergarten.

08h02 übermittelt Adrian per SMS an die Leitstelle, dass wir zur zweiten Etappe gestartet sind.

24 Minuten und 7 Kehren später: Wir geniessen das Allgäuer Panorama auf über 1 000m.ü.M.

Wie lange wird der angekündigte Regen mit seiner Bescherung warten?

09h21 in Rettenberg die Überraschung: Da wagt es ein zweites TWIKE gegen uns auf der PowerChallenge anzutreten!

Felix Duffner startete um fünf Uhr bereits in Konstanz und hat soeben seine Batteriebank (5 Blöcke) gefüllt.

10h34 in Steingaden nach 124km (bei über 600 Höhenmeter) suchen wir Kaffee mit Strom.

Etwas Reserve war noch drin, aber das knurren des Magens hat Vorrang.

In der Metzgerei des Restaurants finden wir eine feine Schuko-Dose, alle staunen.

Ganz so rasch gings dann doch nicht. Ein platter Hinterreifen in Bad Kohlberg sorgten noch für eine sportliche Einlage.

Das Fest ist in vollem Gange in Benediktbeuern. Martin Feneberg empfängt und betreut uns fabelhaft.

Testfahren, Fragen, ein Bier und der Regen wartet brav.

Wem das TW 003 immer noch zu viel Karosserie bietet, findet hier das Naked-Easy

Auch die Generation der TWIKE-Kinder (kennen seit der Geburt nur das TWIKE) ist stark vertreten.

Die malerische Kulisse mit Kloster und Gebirge ist entscheidend schöner als der Hinterhof in Müchen, wo Martin vorher das TWIKE Center hatte.

18h18 kommt dann der feuchte Segen.

Wir verschieben zu Martins Garten und entgegnen dem kühlen Klima mit einem lodernden Feuer.

Die verdiente Wurst . . .

. . . ein Bier und Susanne zaubert ein feines Buffet auf den Tisch.

FINE Mobile stösst an auf den Erfolg des Tages: Wolfram Leister und Martin Möscheid

Martin s Garten bewährt sich bestens als Zeltplatz.

Mit wassergekühlten Kabeln bereiten sich die TWIKE auf den Sonntag vor.

. . . es gibt ja spannendere Gesprächsthemen als das üble Wetter.

Zu früher Stunde startet nun die Königsetappe: die ganze Strecke zurück in 12 Stunden. Ein leckes Ventil verzögert den Start um 24 Min. Erster Halt in Wertach, 10h24 nach genau 2 Stunden mit 70km/h im Dauerregen.

Richtig gerechnet: die 2h laden reichten, um bis nach Konstanz zu fahren, km 228.9

Die richtige Nase: Wo ein Festzelt, da Stromkuh! Ladepause 2.5h am Quai in Konstanz.

17h45 in Rheinklingen wieder ein Rekord: 265km in 10 Stunden; entspricht der Strecke Seattle-Vancouver, wofür wir anno 1986 11h brauchten

Reichts noch bis nach Gelterkinden? Noch 100km bis ins Ziel.

19h56 Uhr erreichen wir den Heimathafen, nach 12 Stunden Fahrt (ohne die 30Min mit der Fähre).

Über die letzten Hügel wars knapp, aber die grosse Kapazität ist hier viel gutmütiger, sodass man auch mit roter Lampe den Berg locker schafft ohne zu schieben.


Das Ziel ist erreicht. Für die Strecke von 360km brauchte man bisher gute 16h. Eine Tagesreichweite von 390km (mit zwei Zwischenladungen) anstelle der bisher machbaren 250km ist eine beeindruckende Steigerung. Die Ladeleistung war noch auf 13A begrenzt. Wenn man die 32A Steckdosen so verlockend rot im Verteilerkasten leuchten sieht, ist es naheliegend, dass man hier die Software noch etwas anpassen muss. Eine Ladezeit von weniger als zwei Stunden macht schon mehr Spass.

Die Wind- und Wasserfestigkeit des POWERTWIKE konnte mit der Challenge auch live getestet werden. Teilweise stürmische Winde und Regengüsse konnten das TWIKE auch bei Geschwindigkeiten über 70km/h nicht aus der Ruhe bringen und das Wasser von oben tropfte während der Ladepause friedliche unten wieder hinaus.

Vom Prototyp zur Serie
Dann stellt sich eigentlich nur noch die altbekannte Fragen; wann gibt es das POWERTWIKE und was wird es kosten. Die Detailarbeit fängt nun erst richtig an. Geplant ist eine erste Serie von 10 POWERTWIKE innerhalb der nächsten 12 Monate aufzubauen, sobald entsprechende Vorbestellungen vorliegen. Der Preisrahmen wird je nach Ausstattung im Bereich von 30 - 35'000.- SFr zu liegen kommen, inkl. der NiMH Batterie.

rs, 22.6.04
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