TWIKE Klub
   


SERVICE TOUR US 2002


Tagebuch der US - TWIKE Service Tour
Martin Möscheid und Bernd Werner bringen ihre langjährige Erfahrungen ein, um die TWIKEs in den Staaten wieder in Schuss zu bringen . . . und natürlich an der diesjährigen "Tour de Sol America" teilzunehmen.


Bilder und Bericht:
Martin Möscheid und Bernd Werner


  

Was bisher geschah!
Walt Breitinger, TWIKE Fahrer aus Valparaiso, Indiana, USA ließ über die TWIKE Klub News mitteilen, dass er sich freuen würde, wenn ein TWIKE-kundiger Techniker Lust hätte einen Art Arbeitsurlaub in den USA zu machen. Sowas bleibt nicht lange ungelesen ... Neben dem fälligen Service an wenigen TWIKEs galt es einige wieder in Betrieb zu setzen. Die Fehlerbeschreibungen deuteten auf eingeschlummerte Batterien hin.

Weiterhin war es Walt wichtig herauszufinden welche technischen Änderungen notwendig und möglich waren um eine generelle Zulassung für den US-amerikanischen Markt zu erwirken. Um die Reise richtig "rund" zu kriegen entwickelten wir, Bernd Werner und meinereiner die Idee an der diesjährigen "Tour de Sol of America" teilzunehmen und alte Kontakte von 1996 wieder aufzufrischen. Ron Manganiello und seine Frau Ellen, TWIKE Fahrer aus Burlington, Vermont fanden die Idee auch wunderbar und organisierten sofort Sponsoren und die Anmeldung für die Tour. Um die Arbeit in Rosenthal nicht zu lange ruhen zu lassen planten wir eine zeitversetzte Anreise für Bernd.


Abflug nach NYC
Na, das fing ja gut an ! Um Schwierigkeiten mit der ersten mitgebrachten Batterie (sieht schon ein bisschen aus wie ne Bombe) zu vermeiden waren wir extra früh da. Der Abflug verspätete sich jedoch um ca. 1 ½ Stunden. Der permanente Rückenwind von ca. 30-50 km/h (wie kann man das bei 900km/h so genau messen?) hätte zwar manchem TWIKE Fahrer einiges an Zeitvorteil auf dieser Strecke gebracht. Den Bus von New York City (NYC) nach Burlington hab ich jedoch nicht mehr erreicht.

Da man Gepäck seit dem 11. September letzten Jahres nur sehr schwer, verdächtiges wie eine TWIKE Batterie schon gar nicht, in NYC deponieren kann, entschied ich mich zur Weiterreise nach Albany was auf halbem Weg nach Burlington liegt.

Albany NY nach Burlington VT
In Albany ist gerade Tulpen Festival (und mir fällt auf dass ich noch gar nichts für Ellen im Gepäck habe ...) und wer genau hinsieht erkennt trotz des regnerischen Tages an vielen Kreuzungen und öffentlichen Plätzen Töpfe mit diesen wundervollen Zwiebelpflanzen, gepaart mit anderen schönen Blumen. Ebenfalls besonders beeindruckend sind die großen Regierungsgebäude mit großzügigen Grünanlagen um die Gebäude. Aber auch auffällig ist der Leerstand an Gewerbeflächen, welcher mich ein wenig an die aktuelle Situation in Berlin erinnert. Mal Ron fragen wie die wirtschaftliche Situation in den USA gerade ist. Um 10.30 a.m. geht der Greyhound weiter nach Burlington.

Das TWIKE 507 auf dem Parkplatz sagt mir, dass ich hier richtig bin. Ron erkennt auch mich sofort und nach kurzer Begrüßung twiken wir vorbei an Rons Arbeitsstelle "Burlington Electric" zu Ron und Ellens Haus. Obwohl Burlington mehr als 100.000 (...) Einwohner hat ist Ron verdächtig oft am grüßen. Er scheint ein wenig ein bunter Hund zu sein!
Das Haus liegt am Rand der wunderbaren Bucht von Lake Chamblain. Ron erklärt mir dass Ellen und er schon seit mehr als 20 Jahren an diesem Ort wohnen was für einen Amerikaner recht ungewöhnlich ist. Wer den Ort kennen gelernt hat kann es aber verstehen.

  
Ellen und Ron Manganiello
Die ersten Tage lassen wir es geruhsam angehen (es hieß ja auch Arbeits"Urlaub"). Der JetLag meinerseits lässt jedoch auch den Schlafhaushalt von Ellen und Ron ein wenig durcheinander bringen.

Die ersten Vorbereitungsarbeiten für die Tour beschränken sich auf einen Check des TWIKE, so dass Bernd, welcher am Sonntag nachkommt noch notwendige Teile neben den 2 weiteren Batterien mitbringen kann. Eine Testfahrt verrät einen Stabilisator mit gequetschten Enden und defekte Kugelköpfe der Querlenker. Das bedeutet für Bernd einen umgerüsteten Stabilisator mehr und ein paar Strümpfe weniger in seinem Gepäck.
Weiterhin bereiten wir die Internetverbindung für die Übertragung der Bilder und den Bericht vor. Eine US-taugliche PCMCIA Karte soll uns diesen Weg ebnen.
Am Donnerstagabend luden mich Ellen, Ron und ihre Freundin Barbara zu einer Vorstellung der Multimediakünstlerin Laurie Anderson ein. Sie brachte in dem Theater in Burlington eine Komposition aus Sprache, Musik, Gesang, Lichtshow und leichtem Tanz dar und erinnerte mich mit ihren teilweise kritischen, teilweise lustigen Einlagen ein wenig an eine weiterentwickelte Form einer Komödieshow.

Den Freitagabend genossen wir in kleiner Runde in einer sogenannten Poem Slam. Hier tragen Leute aus dem Publikum selbstgeschriebene Gedichte vor und werden von einer mehrköpfigen Jury bewertet. Das hört sich erstmal sehr streng an, die Themen waren es meist auch. Die Art und Weise ist jedoch sehr lebendig und lustig und reißt einen mehr mit als ein guter Kinofilm. Den Abschluss des Abends genossen wir mit Gale und Al (er gewann diesen Abend mal wieder den Slam) in einem netten Pub bei einem Glas Bier der Brauerei Magic Hat, welche auch die Teilnahme an der Tour sponsert.



Wenn wir so gut fahren werden wie das Bier schmeckt, müssten wir einen Preis holen!



Samstags wurde zusammen mit der Nachbarschaft ein schöner aber über die Jahre verschmutzter Platz aufgeräumt. Hauptsächlich Altglas und Eisenschrott wurde in mühevoller Handarbeit eingesammelt und fachgerecht entsorgt. Fachgerecht heißt in diesem Fall sogar mit einem umweltfreundlichen Solectria Pickup Truck von Burlington Electric.
Beim Umladen des Eisenschrotts entdeckte Ron noch eine alte Blechkiste vom Militär und der Inhalt gab weitere Rätsel auf. In der Kiste befanden sich, eingerollt in einem Tuch, zwei Trommelrevolver. Eine Trommel fehlte, wir fanden sie später bei dem anderen Eisenschrott. Abends rief dann nochmal ein Detectiv der örtlichen Polizei an und fragte Ron nach Einzelheiten zu dem Fund der Revolver. Vor Jahren wurde wohl schon einmal ein geöffneter Safe in der Gegend gefunden. Sollten wir am Anfang der Auflösung einer Kriminalgeschichte stehen? Let´s see.

Das TWIKE, oder besser die Batterien, erhielten an diesem Tag nur ein kleines Training. Mit einer Batterieladung kamen wir 51 km weit, was für eine Version mit 3 Batterien noch nicht besonders ruhmreich ist. Jedoch ließ das äußerst weiche Verhalten der Batterien noch eine Steigerung erwarten.

Das Team kommt zusammen!
Sonntagmorgen telefonierten wir mit Walt und versuchten den weiteren Tourverlauf zu organisieren. Dabei fiel mir wieder auf wie viel größer doch der "Kanton" USA ist.

Nachmittags galt es Bernd vom örtlichen Flughafen abzuholen. Um nicht wie bei der ersten Anreise zu viel Zeit zu verlieren flog er direkt vom JFK Airport weiter. Abends stellten wir fest, dass Bernd vom Hinflug abgesehen schon ca. 70 Stunden auf den Beinen war. So einfach lässt sich die Tür in Rosenthal dann doch nicht abschließen.


Der Montag und Dienstag galt voll der Vorbereitung des TW 507.
Die Tour erfordert Reichweite. Diese kriegt man entweder durch Herabsetzen der Widerstände oder durch Erhöhen der Energiekapazität. Wir entschieden uns für beides. Mehr Kapazität brachten die mitgebrachten Sanyo Batterien. Statt die Batterien zu ersetzen installierten wir sie zusätzlich, das sollte schon mal helfen.
Die Widerstände beginnen beim Motor. Der eingebaute ist ein Ruetschi erster Bauart, schön leise aber möglicherweise nicht effizient. Das werden wir erst nach Training der Batterien feststellen. Nachdem wir das TWIKE in der Werkstatt auch von unten besichtigen stellen wir neben den bereits gefundenen defekten Kugelköpfen auch ein ausgeschlagenes Kreuzgelenk der rechten Antriebswelle fest. Das Salz auf Burlingtons Straßen hatte gnadenlos zugeschlagen. Das Kreuzgelenk hatten wir leider nicht im Gepäck. Wir orderten eines in Rosenthal wo mein Bruder Wolfgang, welcher 1996 die Tour de Sol fuhr, für uns Ersatzteilnotdienst macht. Später mailte er uns dass der Mensch von DHL, wo er das Kreuzgelenk zum Versand aufgab durch die Fernsehsendung "nano" bereits über die Teilnahme des TWIKE an der "Tour de Sol" Bescheid wusste. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Irene von Drigalski für die scheinbar wirksame PR Arbeit.


Merkwürdigerweise blieben die Kegelrollenlager der Achse 97 vom Salz und einer oft nicht korrekten Einstellung verschont. Maya hatte jedoch beim Bau des Fahrzeuges in Bern 1999 exzellente Arbeit geleistet, die Hinterradlager waren gut gedichtet und verrichteten ihre Arbeit noch immer gut. Die Vorderradlager wurden schon früher Opfer des Salzes und von Ron und dem VW Mechaniker John in dessen Werkstatt ausgetauscht. Pirelli Reifen gab´s neue von einem US-Händler. Diese kamen wie versprochen am Montag Nachmittag per UPS ins Haus. Ein auf dem Lieferschein aufgeführter aber möglicherweise abhanden gekommener Schlauch wurde anstandslos gutgeschrieben. Die Reifen pumpten wir auf 80 psi, auch das sollte helfen.

Da Rons TWIKE einen noch nicht umgerüsteten Kettenkasten der Bauart 99 hatte war auch hier ein wenig Arbeit fällig. Mit der Montage des bereits aus der Schweiz gelieferten Kits erhielt das TWIKE 507 wieder die Möglichkeit der manuellen Schaltung mit einer weiteren Modifizierung, so dass sich auch hier der Schalthebel wieder im Tunnel befindet. Jetzt noch die Bremseinstellung richtig justiert, den Teppich erneuert and everything should be fine.


    
Ellen und Ron mit ihrem TWIKE 507

Die erste Probefahrt unternahm Ron vor laufender Kamera eines Journalisten des regionalen Fernsehsenders. Das TWIKE lag mit den 6 Batterien schon ganz schön fett auf der Straße.



    
Nach dem Interview von Ron verließen wir Burlington in Richtung Connecticut. Hier wartete Tom Jannkes TWIKE TW 159 in Gales Ferry in der Nähe von Hartford auf eine Wiederbelebung.

Tom Jannke
Tom Jannke lebt zusammen mit seiner Frau Kathy auf einer malerischen Farm 8 Meilen entfernt von der Ostküste und in der Nähe der Einmündung des Connecticut(??)River und stellt ein spezielles Werkzeug zum Herausschrauben von abgerissenen Schrauben her worauf er ein Patent besitzt.
(Website: UNSCREW-UMS™) Grundlage des Werkzeuges sind Spannstifte, welche mit einem speziellen Anschliff zu einer Art Kronenbohrer modifiziert werden. Dieser frisst sich beim Linksbohren um die abgerissene Schraube und umschließt diese mit zunehmender Spannung bis sie sich ebenfalls links aus ihrem Loch herausdreht. Die Lösung eines Praktikers mit Köpfchen!

  
    
Martin Möscheid mit dem 'Bordwerkzeug'
Die Batterien seines damals über Kalifornien importierten TWIKE wollten sich jedoch nicht einfach der Macht der Überspannung ergeben. Eine scheinbar lange Ruhezeit vor seinem Kauf in Kalifornien ließ sie ein wenig "lazy" werden. Wir öffneten die Batterien und halfen mit 12V Spannung der Batterie einer Motorfräse indem wir je 10 Zellen für wenige Sekunden an ihre ursprüngliche Spannung erinnerten. In der Regel reicht das Auffrischen von 10-12 der 28 Blöcke (je 12V) um den Spannungswandler des Batteriecomputers mit ausreichender Spannung auf der Eingangsseite zu versorgen. An dieser Stelle pflegt Thomas Gottschalk in seinen Sendungen immer die Zuschauer daran zu erinnern, dass nicht fachkundiges Publikum dies nicht wiederholen sollte. Es liegen immerhin bei Ladebeginn ca. 300 V Gleichspannung an!

Die Freude bei Tom war groß nachdem er nach langer Zeit sein TWIKE wieder mit elektrischer Kraft bewegen konnte. Wir justierten noch Lenkung und Bremse und nach einer Testfahrt stellten wir den sonst sehr guten Zustand des TWIKE fest, halt ein California Modell. Nach Toms Aussage waren die Fahrzeuge aus California dafür bekannt, dass sie "uncoated", und damit anfällig für Rost waren. Auch dies trifft für die Metallteile des TWIKE zu.






  
  Martin, Bernd, Tom und TWIKE 159
    
Im Eifer auch das scheinbar gleiche Batterieproblem von Bruce Weitzmann und Neil Alans TWIKE TW 213 auf schnelle Art und Weise zu lösen und damit Zeit zu sparen verlassen wir die gastfreundliche Unterkunft in Gales Ferry und reisen weiter nach Andover.

Unterwegs fragen wir uns, wie TWIKE Fahrer solange warten können bis ihr TWIKE funktioniert, schließlich stand das von Bruce und Alan über 18 Monate. Möglicherweise liegt es in diesen Fällen daran, dass Sie es nicht neu beim Hersteller gekauft haben und damit ein wenig die Verantwortung bei sich sehen.



Neil & Bruce Weitzman
Neil und dessen Bruder Bruce wohnen direkt am Andover Lake, einem kleinen wunderschönen See in Connecticut. Der Blick aus der Garage fällt direkt auf das klare blaue Wasser. Dieser Blick hat jedoch nicht dazu geführt dass das TWIKE seit 18 Monaten nicht mehr auf der Strasse war, es war wohl eher das Zusammenspiel kleinerer Fehlerquellen. Den ersten Fehler, ein defektes Netztrennrelais stellte Bruce unter telefonischer Anleitung von Maya Schnyder bereits vor einigen Monaten fest.


  
Im späteren Verlauf muss die erneuerte Anschlusskastenplatine im Bereich der Frequenzmessung feucht geworden sein. Eine defekte Sicherung und die zwangsläufig tiefentladenen Batterien erschwerten die Fehlersuche ein wenig. Das TWIKE begann nach "Hochziehen" der Batterien zu laden, fiel jedoch sporadisch wieder in die Ladebereitschaft und begann erneut mit der Ladung. Nach Prüfung der mittleren Spannung am Messsignaleingang des Wechselrichters konnte nur ein Defekt des Netzes oder der Signalwandlung vorliegen - und da war es dann auch leicht schmutzig und fecht - kein Klima für´s TWIKE. Also Print ausgebaut, gereinigt und erneut getestet. Und dann ging´s. Und wir zum Essen - Ravioli und Bier. Am nächsten Morgen wurden noch die bei diesem Baujahr noch nicht vorgenommene Korrektur der Lenkungseinstellungen und weitere kleinere Pflegearbeiten vorgenommen.


    
Bernd, Bruce und Martin und das 'wiederbelebte' TWIKE 213

Am frühen Nachmittag fuhren wir dann weiter Richtung Süden zu Ron´s Bruder Ed in Old Greenwich.

Old Greenwich
Old Greenwich ist eine der wohlhabenden Städte Nordamerikas. Die Lage am East River, die Nähe zu New York und die großzügigen teilweise sehr alten Villen mit gepflegten Gärten und teilweise bis 40 Meter hohen Eichen, Buchen und anderen Laubbäumen stellen die entscheidenden Plus bei der Wahl dieses Wohnortes dar. Auch Ron´s Bruder Ed arbeitet überwiegend in New York und findet hier mit seiner Familie den notwendigen Ausgleich zu seiner teilweise stressigen Arbeit als Anwalt.


Die Kinder gehen von Zeit zu Zeit in den Swimmingpool des Nachbarn, dafür finden dieses in Manganiellos Garten ein riesengroßes Trampolin. Auch hier stimmt die Nachbarschaft. Abends kommt auch Ron mit Zugwagen, Trailer und TWIKE inside nach Old Greenwich womit das Team wieder komplett ist. Am nächsten Morgen bringen Ron und Ed unseren Mietwagen zurück zu Budget und geben uns damit Gelegenheit die schönen Villen und Gärten bei einem Spaziergang zum Strand zu bestaunen. Noch am Vormittag brechen wir dann auf Richtung Baltimore, wo die ersten technischen Tests für die teilnehmenden Fahrzeuge vorgesehen sind. Beim Losfahren vergesse ich aus Unachtsamkeit das Schließen der Schiebetür des Anhängers. Auf dem Highway macht uns ein Motorradfahrer auf mein Missgeschick aufmerksam. Ein Glück findet Ed, welcher uns den kürzesten Weg zum Highway gezeigt hat, bei der Rückfahrt eine unserer Transportboxen. Fortuna sei dank.


  
  Ed Manganiello


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