Der Schub zum TWIKE IIDie regelmässig im Sommer stattfindende Tour-de-Sol, ein Rennen mit Solarmobilen
und Elektrofahrzeugen quer durch die Schweiz, wirkte sehr anregend. Da die meisten
Mitglieder des Teams ihre Studien abgeschlossen hatten und neue Leute dazustiessen, war
wieder Entwicklungskapazität vorhanden.
Zusammen mit der Alusuisse-Lonza Services AG (Leitung: Dr. Jürg Leupp)
bei Schaffhausen entwarfen wir eine Fahrzeug-Rahmenstruktur aus Aluminium. Die
Konstruktion des TWIKE II war weitgehend modular aufgebaut. Das Fahrwerk bestand aus einer
Gabel vorne und Dreieckslenkern hinten. Innovationen waren Scheibenräder aus
superplastischer Alu-Legierung, Zahnriemenantrieb und eine stufenlose Pedalübersetzung.
Als Hilfsantrieb setzten wir einen Gleichstrom-Elektroantrieb ein, versorgt von
NiCd-Batterien. Die Alltagstauglichkeit wurde gegenüber dem ersten TWIKE markant
verbessert. Die Arbeitsteilung zwischen Fahrer und Motor erhöhte die individuelle
Freiheit.

Im Herbst 1990 fuhren wir an der Alpinen Solarmobil-Europameisterschaft
ASEM, die über mehrere Pässe durch die Bündner Alpen führte. Das TWIKE war mit Abstand
das energieeffizienteste Fahrzeug. An der Forschungsausstellung HEUREKA 1991 in Zürich
präsentierten wir das TWIKE II und einen Simulator, der die Fahrt über einen Hügel
erlebbar machte. Es war eine der Attraktionen des Anlasses. Auf einer simulierten Strecke
von rund 40'000 Kilometern testeten wir die Komponenten und die Idee. Inzwischen rüsteten
wir einen zweiten Prototyp mit einem leistungsfähigen Drehstromantrieb und einem besseren
Fahrwerk aus, um im Herbst 1991 wiederum an der Alpinen Solarmobil-Europameisterschaft und
anschliessend an den französischen Meisterschaften in Colmar teilzunehmen.
Mit dem TWIKE II hatten wir gezeigt, dass es möglich ist, ein leichtes,
kompaktes, konsequent modular gestaltetes Fahrzeug zu bauen, das einen Pedalantrieb mit
einem Hilfsmotor kombiniert und ansprechende Fahrleistungen erzielt. Die
Spitzengeschwindigkeit lag bei ca. 75 km/h, die Reichweite bei 40-100 km, je nach Gelände
und Fahrweise. Im Markt der Individualverkehrsmittel erkannten wir eine Nische, in die das
TWIKE optimal passt. Es deckt das Grundbedürfnis persönlicher Mobilität. Es braucht
wenig Platz und entspricht der Sensibilität der Menschen bezüglich Umwelt, Abgase,
Lärm, Energieverbrauch und Effizienz.

TWIKE III - die nachhaltige Mobilität nimmt Gestalt an
Im Herbst 1991 begannen Ralph Schnyder, Christian Meyer und Peter Zeller
die Serienentwicklung des TWIKE auf eine professionelle Grundlage zu stellen. Im Januar
1992 gründeten wir die Firma TWIKE Ltd. in Gelterkinden als Aktiengesellschaft. Um Kunden
für eine Pilotserie von 200 Fahrzeugen zu finden, organisierten wir Präsentationen, wo
wir das TWIKE II den Interessenten vorstellten. Unsere Anstrengungen wurden durch das
"Förderprogramm Leicht-Elektromobile" des Bundesamtes für Energiewirtschaft
unterstützt. Im Juni 1993 gaben wir die erste TWIKE News heraus. Das Echo was gut, so
dass wir mit den Vorbereitungen für die Serie starten konnten. Wir bauten ein
professionelles Team von Spezialisten auf.
Die Entwicklung des TWIKE III dauerte rund zwei Jahre. Wir hielten am
grundsätzlichen Konzept fest, führten aber Innovationen ein, mit denen wir in
verschiedenen Bereichen technisches Neuland betraten: Spaceframe, Karosserie, Elektronik,
Batterien, Getriebe, Fahrwerk, Lenkung und weitere Bedienungselemente wurden praktisch neu
entwickelt. Die Vorgaben bezüglich Leistung, Gewicht, Reichweite, Energieverbrauch und
Fahrstabilität konnten im Serienfahrzeug eingehalten oder sogar verbessert werden. Im
Sommer 1995 zeigten wir die ersten Fahrzeuge an einem Anlass der BASF auf dem
Hockenheim-Ring in Deutschland. Anfang 1996 rollten die ersten TWIKE der Pilotserie aus
der Halle der Stoppani AG im Neuenburger Jura, wo wir sie in Auftrag gegeben hatten.
Parallel zur technischen Entwicklung bauten wir das Vertriebsnetz in der Schweiz und
Deutschland auf. Eine Aktienkapitalerhöhung der TWIKE AG brachte die notwendigen Mittel
für die Expansion. Neu zum Verwaltungsrat kamen Karl Nestmeier aus Deutschland und Rolf
Schmidhauser aus Romanshorn und brachten ihre Erfahrung in Vertrieb und Produktion mit.
Im Laufe des Jahres 1996 wurde die Pilotserie bis zum TWIKE 190
ausgeliefert. Die Fahrzeuge bewährten sich im Alltag. Im gleichen Jahr nahm Wolfgang
Möscheid mit einem TWIKE an der American Tour de Sol von New York nach Washington teil.
In der Kategorie der Serienmodelle war es das effizienteste Fahrzeug. Im Sommer fuhr ein
TWIKE von Basel nach Rom als Begleitfahrzeug der Aktion Roll against Ozone.

Anfang 1997 waren wir am Autosalon in Genf präsent. Der Übergang zur
Folgeserie brauchte rund ein Jahr. Wir bauten auf dem Internet ein Informationssystem auf,
das laufend über den Stand der Dinge orientierte. Im Frühling gründeten eine Reihe von
Fahrerinnen und Fahrern den TWIKE KLUB,
der in der Folge regelmässig Anlässe durchführte und mithalf, ein Verzeichnis der Stromtankstellen für Elektrofahrzeuge
herauszugeben.
Ende 1997 wurde die Serie fortgesetzt und die Stückzahl innerhalb 1998
verdoppelt. Die eine Hälfte der Produktion erfolgte in den TWIKE Kompetenzzentren, der
Rest wurde extern bei der Firma S-Lem AG in Travers und Lyss in Auftrag gegeben. Die
dezentrale Struktur vertiefte das Know-How bei den Servicestellen, um die Kunden optimal
zu betreuen. Das TWIKE IIIA konnte gegenüber der Pilotserie nochmals verbessert werden.
Die Montage in den Kompetenzzentren brachte mehr Nähe zum Kunden. Wünsche und Ideen
flossen in die Entwicklung zurück.
An der Generalversammlung 1998 wurde neu Ruedi Attenhofer aus
Füllinsdorf in den Verwaltungsrat gewählt. Im Sommer fuhr eine Gruppe von TWIKE unter
der Leitung von Nationalrat François Loeb bis ans Nordkap. Die TWIKE CHALLENGE 98,
eine Reise über 10'000 Kilometer, demonstrierte die Leistungsfähigkeit des Fahrzeuges.
Im Herbst 1999 beschlossen die Aktionäre die Fusion der TWIKE AG mit
der Firma S-LEM S.A., die bei einem grossen Teil der Fahrzeuge die Endmontage
durchgeführt hatte, zur neuen Gesellschaft SwissLEM AG. Dem Verwaltungsrat gehören nun
Hans Oetliker und Lorenzo Schmid an.
In den folgenden Monaten wurden intensive Vorbereitungen zur
Weiterentwicklung und zur Expansion gelegt. Im Februar 2000 stiess als Geschäftsführer
Dr. Jürg Leupp (ehemals Direktor der Alusuisse Technology & Management AG) neu zum
SwissLEM-Team. Am Autosalon in Genf wurde ein neuer Fahrzeugprototyp präsentiert, als
Markttest, um die zukünftige Entwicklungsstrategie festzulegen.
Wir haben die Basis gelegt, damit sich das TWIKE bei den Kundinnen
und Kunden bewährt. Falls Sie eine Gelegenheit wünschen, eines zur Probe zu fahren:
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Weitere Bilder aus der Geschichte des TWIKE